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Ziemlich cool: Skifahren in Oregon USA ist ein exotisches Vergnügen.

Exotisches Vergnügen

Skifahren in Oregon

Skifahren in den USA ist nicht mehr extrem exotisch, der legendäre Ruf des Champagne Powder ist inzwischen auch in unseren Breiten angekommen.

Aber dass man auch in Oregon im Pulverschnee ausgezeichnet wedeln kann, wissen nur wenige. Günter Klein hat sich in dem US-Bundesstaat auf die Suche nach den Pisten gemacht, denn am Anfang stand die Frage: Wo ist hier überhaupt der Berg?

Man kommt sich ein wenig albern vor. Trägt Wintersachen, hat die Ski im Kofferraum und fährt durch eine grüne Landschaft mit Aprikosen-Plantagen. Wo bitte ist er denn: der Schnee? Und der Berg?

Dann reißen die Wolken auf, und er steht vor einem: der Mount Hood. Groß, mächtig, weiß. Die Schneekoppe von Oregon. Nicht mal eine Autostunde entfernt von Portland, der Großstadt mit dem internationalen Flughafen.

Weiße Pracht: Am Mt. Bachelor fallen jeden Winter insgesamt über 15 Meter Schnee.

Oregon ist ein Bundessstaat im Nordwesten der USA. Der Nachbar von Kalifornien. Und auch ziemlich cool, wie uns Kerry Cob, Direktorin der Handelskammer des Hood River County, versichert. Motto: Hierher komme man „for a living, not for a killing“. Es geht darum, zu leben – und nicht der Karriere hinterherzujagen. Viele arbeiten nur vier Tage die Woche – und am fünften, sechsten, siebten gehen sie biken, klettern, surfen, hiken. Oder im Winter auf die Berge. Zum Skifahren.

Skifahren in den USA: Wer es einmal probiert hat, wird, zurück in Europa, gefragt, wie das denn so sei im Vergleich mit dem Wedeln in den Alpen. Besser? Schlechter? Kann man nicht sagen. Man wird antworten: Es ist anders. Zum Beispiel: Es gibt in Oregon nicht diese Ballung an Skibergen wie in Österreich oder der Schweiz. Man ist zwischen den Gebieten schon mal ein paar Stunden unterwegs.

Oregon liegt im Nordwesten der USA.

Etwa zwischen Mount Hood und Mount Bachelor, den beiden herausragenden Bergen. Aber der Weg lohnt sich.
Mount Hood: Der „Hausberg“ der 580 000-Einwohner-Stadt Portland. Vulkanischer Ursprung, vergletschert, gewaltige 3425 Meter hoch. An seinen Flanken kleben mehrere Skigebiete. Die besten: die familienfreundliche Skibowl, die Mount Hood Meadows und die Timberline Lodge.
Die Timberline Lodge ist eigentlich ein Gebäude. Ein berühmtes. Wer jemals Stanley Kubricks Stephen-King-Verfilmung „Shining“ gesehen hat, kennt es: Es diente als Kulisse für die Außenaufnahmen des verlassenen Hotels, das Jack Nicholson als durchgeknallter Schriftsteller im tiefen Winter bewacht.

Tatsächlich ist die Timber­line Lodge, die US-Präsident Franklin Roosevelt vor 75 Jahren erbauen ließ, um die Wirtschaft anzukurbeln, immer geöffnet. Denn das angeschlossene und nach dem Hotel benannte Skigebiet ist das einzige in Amerika, das das ganze Jahr über in Betrieb ist. An den Liften, die über der Lodge liegen, trainiert im Sommer das US-Nationalteam. Schneemangel kennen sie hier nicht.

Günter Klein (51) ist Sportredakteur beim Münchner Merkur und war zum ersten Mal zum Skifahren in Nordamerika.

Am Mount Bachelor sogar noch weniger. Der Berg (2764 Meter) bekommt jährlich 15 Meter des weißen Goldes ab. Schon im Dezember fährt man durch besten Pulver. Wir lassen uns das Skigebiet von Dan und Don erklären. Sie sind Einheimische – und Bergbotschafter. Jonathan Sharpe ist ihr Chef, er erklärt das System: Bergbotschafter sind Freiwillige, die den Jahresskipass gratis bekommen und dafür den Skifahrern Tipps geben oder auf Wunsch Fotos von ihnen machen. „Denn wir wollen, dass unsere Gäste auch dann viel von unserem Skigebiet haben, wenn das Wetter schlecht sein sollte.“

Dan und Don haben beide jeweils fünf Jahre in Deutschland gelebt, Dan in Gauting, Don als US-Soldat in der Nähe von Bitburg. Sie kennen auch die Alpen, doch das hat sie nicht von ihrer Mount-Bachelor-Sucht befreit. Der Schnee hier ist gigantisch. „Was für ein Pulver“, juchzen wir – doch Don sagt nur: „Ach, das ist kein Powder, das ist Dust.“ Staub. Weil es nur zehn Zentimeter frischen Schnee hat. Vom Pulver sprechen sie am Mount Bachelor nur, wenn der Neuschnee bis zum Knie reicht. Pulver hat es bis Anfang April, geöffnet ist das Resort bis Ende Mai. In Europa ist, wenn man nicht auf die Gletscher ausweicht, spätestens am 1. Mai, oft aber schon an Ostern, Schluss.

Geheimtipp: Die Skigebiete des US-Staates Oregon sind hierzulande kaum bekannt. Dabei gibt es – wie unser Autor festgestellt hat – Pisten auch für hohe Ansprüche.

Und worin sonst liegen die Unterschiede? In Europa ist die Währung der Skigebiete die Anzahl der Pistenkilometer und die Beförderungskapazität der Liftanlagen pro Stunde. In den USA wird die Größe des Resorts in Hektar angegeben. Und man benötigt weniger Lifte. Am Mount Bachelor bedienen neun Sessellifte rund 70 Pisten. „Das dürften 170 Kilometer sein“, meint Dan, unser europaerfahrener Ex-Gautinger. Über die Hälfte des Streckennetzes wird nicht präpariert und ist in den beiden schwarzen Kategorien (Black Diamond und Double Black Diamond) ausgezeichnet. Doch weil die Baumgrenze weitaus höher ist als in den Alpen, bleibt die Sicht stets gut, weil man quasi durch die Wälder kurven kann. Im pulvrigen Schnee lässt sich dann auch ein Kurs fahren, der „Devil’s Backbone“ heißt, des Teufels Rückgrat, und seinem Namen gerecht wird. Für alle, die mehr wollen als gut gewalzte Pisten, ist es ein Paradies. Skifahren wird ursprünglicher, sportlicher, fordernder. Und auch amüsanter: Weil die Amerikaner ihre Pisten nicht einfach nominieren, sondern ihnen Namen geben – am Mount Bachelor etwa haben sie sich dabei an Australien orientiert.

Tour mit dem Snowmobil.

Hütten-Verlockungen, die einen vom Carven abhalten würden, hat es kaum. Meist gibt es eine zentrale Verpflegungsstelle an der Talstation. Die ist durchaus bemüht um alpinen Chic (an den Mount Hood Meadows speist man in der „Alpenstube“), und die Getränkekarte wird auch den gestandenen Bayern erfreuen: Denn Oregon ist eine Bierregion, Portland hat mehr Brauereien als München, und aus Bend, dem zum Mount Bachelor am nächsten gelegenen Städtchen, kommt das Gebräu „Red Chair“, das in den letzten drei Jahren zweimal als weltbestes Bier ausgezeichnet wurde (einmal verlor es gegen Weihenstephaner).

Das etwas andere Skifahren, wie Oregon es bietet, hat jedoch seinen Preis. Mancherorts kostet der Tagesskipass über 80 US-Dollar, da ist man im 60-Euro-Bereich. Die besseren Alpen-Resorts verlangen umgerechnet zwischen 40 und 50 Euro (auch hier sind die Preise in den vergangenen zwei Jahren explodiert). Dafür sind in Oregon die Unterkünfte billiger – wobei man jedoch nicht direkt an der Piste wohnen kann. Skidörfer gibt es nicht; man logiert in der nächstgelegenen Stadt und reist jeweils an. Es ist dann jeden Tag das gleiche Spiel mit der spannenden Frage: Und wann kommt der Berg?

Günter Klein

Die Reise-Infos Oregon

REISEZIEL: Der Bundesstaat Oregon mit gut 250 000 Quadratkilometern Fläche und rund 4 Millionen Einwohnern (zum Vergleich: Deutschland ist 357.000 Quadratkilometer groß und hat 82 Millionen Einwohner) liegt im Nordwesten der USA. Größte Stadt ist Portland mit rund 580.000 Einwohnern, Hauptstadt ist Salem (155.000 Einwohner).

ANREISE: Von München aus gibt es nur Verbindungen mit ein Mal Umsteigen, zum Beispiel mit Delta Airlines über Atlanta, ab rund 600 Euro.

ANGEBOTE: Oregon ist im Winter ein Paradies für Individualisten, Pauschalangebote sind in Deutschland derzeit noch rar. Das Fremdenverkehrsbüro Travel Oregon (Adresse s. unten) hilft aber gerne bei der Planung einer Skireise.

ÜBERNACHTEN: Gut gelegen zu den Hauptskigebieten sind Hotels der Best Western-Kette oder die Phoenix Inn Suites in Bend, der Stadt, von der aus man es nicht weit hat zum Mount Bachelor.

AKTIVITÄTEN: Was man außer Skifahren machen kann: Oregon verfügt über ein ausgedehntes Netz an Wander- und Fahrradwegen – auch im Winter. In den Skigebieten werden häufig Schlittenhundefahrten und Snowmobil-Touren als Alternativen angeboten. Am Smith Rock findet man eines der weltweit besten Kletterreviere (mit mehr als 2000 Routen – geöffnet auch im Winter). Auf dem Hood River geht auch Surfen und Fischen.

ESSEN & TRINKEN: Oregon ist Weinanbaugebiet – und berühmt für seine Biervielfalt, es gibt zahlreiche Mikro-Brauereien. Sogar Fast-Food-Ketten wie „Burgerville“ haben den Bio-Gedanken und die regionale Küche entdeckt. Zudem gibt es viele hochwertige Restaurants, vor allem in Portland (zum Beispiel das Fischlokal Riffle NW im Pearl District, Hauptgerichte ab rund 25 US-Dollar/rund 18,50 Euro; www.rifflenw.com).

EINKAUFEN: Shopping macht in Oregon noch mehr Spaß, da es keine Sales Tax (Mehrwertsteuer) gibt.

Zwischen Portland und Salem liegt am Interstate I 5 das Marken-Outlet Woodburn Company Stores (www.woodburncompanystores.com).

Powell’s Books mit sechs Läden im Großraum Portland ist nach eigenen Angaben die größte unabhängige Buchhandlung der Welt (Bestand: eine Million Bände). Hier findet man auch vergriffene Auflagen und gebrauchte Bücher; geöffnet täglich bis 23 Uhr. Info: www.powells.com.

AUSKUNFT: Fremdenverkehrsbüro Travel Oregon, c/o Wiechmann Tourism Service GmbH, Scheidswaldstraße 73, 60385 Frankfurt, Tel. 069/25 53 82 40, www.TravelOregon.de.

Unser Autor

Günter Klein (51) ist Sportredakteur beim Münchner Merkur und war zum ersten Mal zum Skifahren in Nordamerika. Seine Ski-Künste bezeichnet er als „sportlich gut“. Normalerweise ist er am liebsten auf den Pisten von Davos, Ischgl und im Gasteiner Tal unterwegs, würde aber zum Skifahren auf jeden Fall noch einmal nach Oregon reisen.

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