South Carolina
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Wandbemalung der Brauerei Swamp Rabbit in Greenville.

Von den blauen Bergen in den tiefen Süden

Bier und Berge - Lebensart in South Carolina

In South Carolina (USA) wird das gute Leben gefeiert - ob im verstecken Hinterland oder im prächtigen Charleston. 

Weit reicht der Blick über eine bewaldete Ebene. Transsylvanien wird dieser Landstrich genannt - oder genauer, Jackson Transylvania. Dahinter erhebt sich eine Bergkette, die im Sonnenlicht bläulich zu schimmern scheint. 

Im Kopf des Betrachters erklingt eine Melodie, die schon auf den gewundenen Landstraßen hoch zu einem Aussichtspunkt mit Macht ins Bewusstsein drängte: “Blue Ridge Mountains, West Virginia...” 

Dabei ist diese geografische Angabe in John Denvers Hit “Take me home, Country Roads” eigentlich falsch. Die Blue Ridge Mountains berühren den US-Bundesstaat West Virginia nämlich kaum, sondern verlaufen im wesentlichen durch North Carolina. Dorthin, zu den blauen Bergen, blicken denn auch die Besucher der im Nachbarstaat South Carolina gelegenen Aussichtsplattform, wenn sie nicht gerade mit ihren Ferngläsern den Himmel absuchen. Wanderfalken ziehen bei ihren Migrationszügen über das bergige Areal im nach einer sehr markanten Felsformation benannten Caesar’s Head State Park hinweg, dessen voralpine Landschaft fast vergessen lässt, dass man sich hier eigentlich tief im amerikanischen Süden befindet.

Lebensart in South Carolina

Dessen Postkartenidyllen von mit mächtigen Eichen gesäumten Alleen, die zu weißgestrichenen Herrenhäusern auf früheren Plantagen führen, wird man im Nordwesten von South Carolina aber nicht finden. Eher lässt die Gegend um die Städte Greenville und Spartanburg ans norditalienische Piemont denken. Diesen Vergleich stellen die freundlichen Bewohner auch selbst gern an und verweisen nicht nur auf das angenehme Klima “in Upcountry“, das auf dem Piedmont Plateau liegt. 

Auch in Sachen Lebensart sieht man sich hier auf gehobenem Niveau, wovon nicht nur eine lebendige Restaurantszene und zahlreiche kleine Bier-Manufakturen, sondern vor allem auch das Gourmet-Festival “Euphoria” künden. Das bringt jedes Jahr im September für ein langes Wochenende Köche aus allen Ecken der USA nach Greenville, die dort bei speziellen Vorführungen ihr Können demonstrieren. Ergänzt um Weinseminare, ein Food-Truck-Treffen, Probierstände, einen Straßenmarkt und zahlreiche Konzerte hat sich Euphoria seit seiner Erstauflage vor zehn Jahren zu einem der bedeutendsten Food-Festivals der USA entwickelt, das gleichwohl sehr dem regionalen Gedanken verpflichtet geblieben ist. So präsentieren sich an den Ständen viele lokale Produzenten von Südstaaten-Spezialitäten wie Grits, dem beliebten Maisbrei. Gemüse und Obst aus der Nachbarschaft, darunter Okra, grüne Tomaten, die an eine Mischung aus Traube und Pflaume erinnernden Muskadinen sowie Pfirsiche sind von bemerkenswerter Qualität, ebenso wie übrigens das Bier.

Biermanufakturen in South Carolina

Der in vielen amerikanischen Bundesstaaten ungebrochene Trend zu Mikrobrauereien und Biermanufakturen hat auch South Carolina voll erwischt, wo durch eine erst in den vergangenen Jahren gelockerte Alkoholgesetzgebung zudem Nachholbedarf bestand. 

Mittlerweile gibt es nach Angaben von Jon Richards 29 Brauereien in South Carolina. Richards, wegen seiner imposanten Erscheinung “Big Jon” genannt, ist geprüfter Biersommelier und betreibt in Greenville mit der “Growler Station” ein kleines, auf handwerklich hergestellte Biere spezialisiertes Ladengeschäft. Noch lieber bringt er allerdings Touristen zu nahe gelegenen Brauereien wie “Swamp Rabbit”, “Thomas Creek”, “The Quest” oder zur “Brewery 85”. “In diesem Teil von South Carolina gibt es mit das beste Wasser in ganz Nordamerika”, schwärmt Richards, was wesentlich zur Güte des Gerstensafts beitrage, bei dem sich die meist jungen Braumeister gern an deutschen und belgischen Vorbildern orientieren, allerdings wesentlich beherzter mit Hopfen experimentieren und so ihren Bieren starke Aromen geben.

Wenn mancher Braumeister den Besuchern aus Deutschland stolz von seinen Fortbildungskursen in Bayern erzählt, kommt dieser Hinweis nicht von ungefähr. Direkt neben Greenville, in Spartanburg, betreibt der deutsche Autobauer BMW sein amerikanisches Werk, in dem nicht nur die Limousinen für den nordamerikanischen Markt, sondern weltweit alle Geländewagen der X-Reihe gefertigt werden. Der bayerische Autobauer unterhält in Spartanburg zudem eine Teststrecke, über die jeder zahlungskräftige Besucher seinen Traum-BMW scheuchen kann.

Die Nähe großer Arbeitgeber, darunter auch Reifenhersteller Michelin oder Bosch, mag ihren Teil zur Renaissance Greenvilles beigetragen haben. Die heute schmuck restaurierten Häuser mit ihren Ladengeschäften längs der Main Street, die zum hübschen Falls Park am Reedy River führt, waren vor noch nicht einmal zwei Jahrzehnten eher dem Abriss geweiht und das Quartier am Fluss eine Gegend, die man besser mied. Heute findet sich dort mit der Veranstaltungshalle Peace Center nicht nur der kulturelle Mittelpunkt der knapp 60 000 Einwohner zählenden Stadt. Wie auch in einigen anderen Städten mittlerer Größe in den USA zu beobachten, ist es für etliche Menschen wieder attraktiv, im Stadtzentrum zu wohnen, auch wenn die Wohnungen kleiner ausfallen als die Einfamilienhäuser in den Vorstädten. So herrscht stets Leben auf den Straßen Greenvilles, selbst wenn kein Gourmet-Festival oder der samstägliche Straßenmarkt Besucher aus nah und fern lockt.

Charleston

210 Meilen weiter östlich, direkt am Atlantik, geht es seit jeher so quirlig wie zu “Euphoria“ in Greenville zu. Charleston ist nicht nur ein wichtiger Marine-Standort, sondern eines der bedeutendsten touristischen Ziele in den USA. Die Stadt lockt aber nicht allein historisch Interessierte, die das Fort Sumter National Monument besuchen wollen, wo 1861 die ersten Schüsse des Amerikanischen Bürgerkriegs fielen. Kaum eine Altstadt in Nordamerika ist so gut erhalten und herausgeputzt wie das Zentrum von Charleston. Prächtige Villen an der East Battery oder an der East Bay Street künden vom einstigen Reichtum der Stadt und ihrer Oberschicht. Hier genossen die Plantagenbesitzer das kulturelle Leben und die Annehmlichkeiten der Stadt. Deren spektakulärer alter Kern voller Geschäfte und Restaurants lässt sich gut zu Fuß erkunden. Noch empfehlenswerter ist es allerdings, sich in der Kutsche durchs alte Charleston befördern zu lassen. Im gemächlichen Schritt geht es durch Straßen und Gassen, vorbei an Kirchen und repräsentativen Antebellum-Bauten, während Kutscher oder Kutscherin nicht nur ihre Gespanne, sondern auch den restlichen Verkehr maßregeln. Nebenbei haben sie noch allerhand Anekdoten über die Geschichte Charlestons auf Lager, die unterhaltsam für lehrreiche Einblicke sorgen.

Die meisten Anbieter der Kutschtouren finden sich in der Nähe der alten Markthalle. Die beherbergt heute fast nur noch Souvenirläden, die mitunter aber kunstvoll geflochtene Körbe aus Schilfgras im Angebot haben. Die Korbflechterei ist eine wichtige Kunstform in der Gegend um Charleston, die in direkter Verbindung zum dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Stadt steht. Es waren afrikanische Sklaven, die diese Form der Flechterei nach South Carolina brachten. Charleston war viele Jahre der größte und wichtigste amerikanische Sklavenmarkt. Auf der kleinen, vor der Stadt gelegenen Insel Sullivan’s Island gingen die aus Afrika verschleppten Menschen an land, bevor sie in der Stadt verkauft wurden. Über ein Drittel aller in die USA gebrachten Sklaven sollen in Charleston verhökert worden sein.

Auf Patrick Swayzes Spuren

Wohin es sie dann verschlug, lässt sich auf einem Ausflug zur nahgelegenen Plantage Boone Hall erkunden. Deren prächtige Eichenallee hin zum Gutshaus ist nicht nur als oft in der Werbung verwendetes Fotomotiv bekannt, sondern gerade für deutsche Besucher ein wahr gewordener Fernsehtraum. Auf Boone Hall spielt nämlich der populäre TV-Mehrteiler “Fackeln im Sturm”, der sich in Deutschland solcher Beliebtheit erfreute, dass bis heute gut die Hälfte aller Besucher, die die weitläufige Pflanzung mit ihrem sehenswerten Garten jedes Jahr besichtigen, Deutsche sind.

Doch nicht nur auf Patrick Swayzes Spuren lässt sich auf dem Gelände wandeln, das immer noch für den Obst- und Gemüseanbau genutzt wird. Neun erhaltene Einraum-Häuschen erzählen vom Leben der Sklaven, die hier nur wenige Schritte vom mächtigen Herrenhaus entfernt auf wenigen Quadratmetern ihr Dasein fristen mussten. Dort entstand auch Gullah, eine von afrikanischen Einsprengseln geprägte Sprache, die sich nur noch an der Küste von South Carolina und Georgia bewahrt hat. Wer einigermaßen Englisch kann, sollte unbedingt auf Boone Hall der Einführung in die Gullah-Kultur lauschen. Obwohl Mark Twains Ausspruch “Southerners talk music” ja eigentlich auf die Angewohnheit vieler seiner Landsleute, Vokale zu verzerren und Wörter in die Länge zu ziehen, gemünzt war, passt er auf Gullah erst recht. Es ist wie eine Melodie aus der Vergangenheit, die in South Carolina aber noch immer faszinierend klingt.

Von Christian Riethmüller

Reise-Infos zu South Carolina

Visum: Für Aufenthalte in den USA bis zu 90 Tagen brauchen deutsche Staatsangehörige kein Visum. Der Reisepass muss maschinenlesbar und mindestens noch für die Dauer des USA-Aufenthalts gültig sein. Vor der Abreise aus Deutschland muss zwingend beim U.S. Departement of Homeland Security eine Reisegenehmigung eingeholt werden. 

Dieses sogenannte ESTA-Formular wird unter esta.cbp.dhs.gov online ausgefüllt und kostet derzeit 14 US-Dollar, die am einfachsten per Kreditkarte bezahlt werden. Weitere Informationen zu Visumsregularien unter http://germany.usembassy.gov/visa/

Anreise: Der Greenville-Spartanburg International Airport (GSP) wird von den großen amerikanischen Fluglinien etwa von den Flughäfen in New York, Washington, Atlanta und Chicago aus bedient.

  • Noch mehr Verbindungen bietet der Charleston International Airport (CHS), der gleichfalls von vielen amerikanischen (und kanadischen) Flughäfen aus angeflogen wird.
  • Charleston und Greenville/Spartanburg sind über den von Ost nach West führenden Highway 26 miteinander verbunden. Von Norden aus North Carolina kommend führt der Highway 95 in südlicher Richtung durch South Carolina nach Georgia. Gleichfalls von North Carolina führt der Interstate Highway I-85 direkt an Greenville vorbei nach Georgia. Autovermietungen direkt an den Flughäfen.
  • Greenville und Charleston sind auch mit dem Zug (Amtrak) sowie dem Bus (Greyhound) von anderen amerikanische Städten aus zu erreichen.

Gesundheit: Das amerikanische Gesundheitssystem ist gut - und sehr teuer. Eine Auslandskrankenversicherung ist daher dringend empfohlen.

Beste Reisezeit: Ganzjährig. Ideal ist aber im Frühjahr und im Herbst, wenn es schon oder noch angenehm warm, aber auch trocken ist.

Wohnen: In Greenville das Hyatt Regency, 220 N Main St, Greenville, SC 29601, www.greenville.hyatt.com. Mittendrin, statt nur in Zentrumsnähe

In Charleston The Mills House Hotel, 115 Meeting St, Charleston, SC 29401 www.millshouse.com.

Essen: Soby’s New South Cuisine, 207 Main St. in Greenville - Southern Cooking mit regionalen Zutaten

SNOB - Slightly North of Broad, 192 E Bay St in Charleston - ausgezeichnete Fischküche, nicht nur für Snobs

Halls Chophouse Restaurant, 423 King Street in Charleston (www.hallschophouse.com) - Wenn Steak, dann nur hier. Karnivoren werden jubeln

Mehr Infos: www.discoversouthcarolina.com/deutschland

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