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In diesem Strandhaus bei Oracabessa erfand Ian Fleming den Geheimagenten James Bond.

Korallen-Kliffs und mehr

James Bond in Jamaika: Ort für Männerträume

Vor 60 Jahren wurde James Bond, der Geheimagent Ihrer Majestät, auf Jamaika geboren. ­Geschaffen auf einer alten Reiseschreibmaschine in einer romantischen Hütte am Meer.

Eine Spurensuche zwischen Luxusherbergen, Kaskaden und ­Krokodilen an der Nordküste der Karibikinsel.

„Unbefugte werden gegessen“, begrüßt noch immer ein Schild am Eingang der Jamaica Swamp Safari Besucher aus aller Welt. Doch statt des Bösewichts Kananga kümmert sich heute die charmante Gabrielle um die Gäste des kleinen Zoos in der Nähe von Falmouth im Norden Jamaikas. Dort, wo einst die Filmszene in „Leben und sterben lassen“ gedreht wurde, in der Roger Moore alias James Bond über die Rücken von Krokodilen an Land flüchtete.

„Fünfmal balancierte der als Stuntmen agierende Besitzer des kleinen Zoos, der tatsächlich Kananga hieß, damals über die Reptilien, bevor die Szene gelang“, erinnert sich Gabrielle. Einmal rutschte er aus und entkam nur knapp den gefräßigen Echsen. „Damals waren im Dienst Ihrer Majestät halt noch echte Männer in Aktion“, sagt Gabrielle, lächelt, und wirft Krokodil Jonathan einen Hähnchenhappen in den riesigen Schlund. Die anderen Artgenossen gähnen gelangweilt, denn kein Geheimdienstler will sich heute blicken lassen.

In den Dunn’s River Falls bei Ocho Rios badete Ursula Andress 1962 als Bond-Girl Honey Ryder.

Auch in den etwa 20 Autominuten östlich gelegenen Green Grotto Caves herrscht gähnende Leere. So intensiv die Augen die Wände der Karsthöhle absuchen: Von dem im Film explodierten Kananga lässt sich nicht das kleinste Überbleibsel finden. Dafür erzählt Tourguide Dwayne spannende Geschichten von Grottengeistern oder vom letzten spanischen Gouverneur, der sich hier vor den anrückenden Engländern versteckte.

Gabrielle führt durch den kleinen Reptilien-Zoo bei Falmouth, in dem Szenen aus „Leben und sterben lassen“ gedreht wurden.

Weiter geht es nach Ocho Rios zu den Laughing Waters. Unvergesslich die Szene des ersten Bond-Films „James Bond jagt Dr. No“, als Ursula Andress alias Honey Ryder als Bond-Girl im Bikini aus den Wellen auftaucht. Leider ist der Drehort heute nur mit Sondererlaubnis zugänglich, da er sich auf dem Gelände eines Gästehauses der Regierung befindet. Einige hundert Meter weiter, wo der Dunn River über 200 Meter hohe Kaskaden ins Meer mündet, hat jeder Zugang. Hier ließ Honey ihre Beine vom herabstürzenden Wasser umspülen. Was im Film als idyllischer, abgeschiedener Ort rüberkommt ist heute eine der größten und meistbesuchten Touristenattraktionen Jamaikas.

Wer die Reise an der Nordküste fortsetzt, landet in dem kleinen Ort Oracabessa. Es ist gar nicht so einfach, hier den Eingang zum Hotelresort Goldeneye inmitten eines wildromantischen Gartens zu finden. Nahezu jeder zweite Baum trägt einen berühmten Namen – der Personen nämlich, die ihn gepflanzt haben. Richard Branson, Bill und Hillary Clinton, Prinzessin Margaret, Pierce Brosnan, Grace Jones, Johnny Depp und Kate Moss gehören dazu.

Und dann endlich: das Haus! Nach Jahren als britischer Geheimagent ließ sich Ian Fleming nach dem Zweiten Weltkrieg das Refugium auf einer Felsenklippe über dem Meer bauen. Vor 60 Jahren schrieb er hier seinen ersten Bond-Roman „Casino Royale“, in den Folgejahren elf weitere Agentengeschichten, basierend auf seinen eigenen beruflichen Erfahrungen, garniert mit vielen Männerfantasien.

Jamaika, mit knapp 11.000 Quadratkilometern die drittgrößte Insel der Großen Antillen.

„Der Commander war kein Kostverächter“, sagt Gärtner Ramsey Dacosta (76). Bereits als 17-Jähriger hatte er auf Flemings Anwesen gearbeitet. Heute führt er Hotelgäste durch das Haus. Auf dem Schreibtisch steht noch immer ein Foto Flemings, auch wenn das ursprüngliche Inventar inzwischen modernen Designmöbeln gewichen ist. Für 6500 Euro pro Nacht mieten sich in Bonds Haus heute Hollywoodstars ein. Preiswerter wohnt man in den neun darumliegenden Ferienvillen an einer Lagune. Sie wurden im Jahr 2011 vom ehemaligen Gründer des Musiklabels Island Records, Chris Blackwell, erbaut.

Gäste schwimmen von hier zum vorgelagerten Korallenriff oder machen einen Abstecher zum Strand von Frenchman’s Cove, wo Fleming gern badete. Abends trifft man sich im Gartenhäuschen, das heute das Edelrestaurant Gazebo beherbergt, zum Wodka-Martini. Im Anbau gibt es eine Bibliothek mit Fotografien aus Flemings Leben und den Bond-Filmen an den Wänden. Realität und Fiktion sind dabei immer miteinander verwoben. So ist Goldeneye der Codename einer Mission, mit der Fleming beruflich in Gibraltar betraut wurde. Und James Bond ist in Wirklichkeit der Verfasser eines Buches über Vögel der westindischen Inseln. „Bond ist der Traum eines Autors davon, wie er selbst hätte sein können“, sagte Fleming einmal. „Ein Märchen für Erwachsene.“ Auf Jamaika hat er es gelebt.

Michael Juhran

Die Reise-Infos zu Jamaika

REISEZIEL Jamaika, mit knapp 11.000 Quadratkilometern die drittgrößte Insel der Großen Antillen, liegt 145 Kilometer südlich von Kuba in der Karibik.

ANREISE Condor fliegt direkt von Frankfurt nach Montego Bay auf Jamaika. Preise für den Hin- und Rückflug ab ca. 630 Euro. www.condor.com.

REISEZEIT/KLIMA Das Klima Jamaikas ist tropisch mit durchschnittlich 25 Grad Tagestemperatur. Es gibt zwei deutlich ausgeprägte Regenzeiten in Mai und Juni und von September bis November. Hurrikan-Gefahr besteht im Spätsommer und Frühherbst.

ZEITVERSCHIEBUNG Jamaika ist im Sommer sieben Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit zurück, im Winter sechs.

WOHNEN Die Strandvillas direkt neben Goldeneye, dem ehemaligen Wohnhaus von Ian Fleming in Oracabessa, können z.B. über Airtours gebucht werden. Transfer vom Internationalen Flugplatz in Montego Bay: 128 Kilometer. Ü/F ab 257 Euro pro Person. Weitere Infos unter www.goldeneye.com.

RUNDREISEN Die klassischen Jamaika-Rundreisen der Veranstalter führen entlang der Nordküste auch zu den Dunn’s River Falls und an den Strand von Frenchman’s Cove. Buchung zum Beispiel über Dertour: sechs Tage ab/bis Montego Bay ab 830 Euro.

BOND AUF JAMAIKA Insgesamt wurden auf Jamaika drei James-Bond-Filme gedreht: Im ersten war der britische Agent 007 – damals gespielt von Sean Connery – auf der Jagd nach Dr. No. Ein großer Teil des Films wurde in Ocho Rios und der jamaikanischen Hauptstadt Kingston gedreht. In einer Szene des Films sieht man das erste Bondgirl Ursula Andress alias Honey Ryder im Bikini am Strand Laughing Waters bei Ocho Rios. Der zweite Bond-Film, der u.a. auf Jamaika spielte, war 1973 „Leben und sterben lassen“, der dritte 1974 „Der Mann mit dem goldenen Colt.“

WEITERE INFOS über das Fremdenverkehrsamt von Jamaika, Schwarzbachstraße 32, 40822 Mettmann, Tel. 021 04/83 29 74, im Internet: www.visitjamaica.com

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