Star Clipper Großsegler Reise Kreuzfahrt
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Der Stoff für Urlaubsträume: Die Star Clipper segelt zu den letzten Paradiesen dieser Erde.

Der Stoff, aus dem die Träume sind

Vorhang auf für eine Meister-Inszenierung! Matrosen zurren 3000 Quadratmeter weiße Segel in den Himmel, wo sie sich geräuschvoll mit Wind füllen. Christine Hinkofer erlebte das maritime Märchen vor der Westküste Thailands.

Eine Kreuzfahrt ist eine Reise auf dem Meer. Eine Kreuzfahrt mit einem Großsegler ist Leidenschaft, ist großes Theater mit Tauchgängen in einem Ozean der Gefühle. Christine Hinkofer erlebte das maritime Märchen auf einem Törn mit der Star Clipper in der Andamanensee vor der Westküste Thailands.

Das Schauspiel beginnt, wenn der letzte Koffer in den Kabinen verstaut ist und auch sonst alles und jeder seinen Platz gefunden hat auf diesem Schiff, das 115 Meter lang ist, mit viel Mahagoni und viel Messing nach der Tradition alter Großsegler gebaut.

Mahagoni und Messing: Die Star Clipper ist 115 Meter lang, 3000 Quadratmeter Segelfäche.

Wenn es Nacht wird über der Bucht von Patong stehen Passagiere und Mannschaft vollzählig an Deck. Aus Lautsprechern schallt Vangelis’ melodramatisches „Conquest of Paradise“, und ein Dutzend Matrosen zurren 3000 Quadratmeter weiße Segel in den Himmel, wo sie sich geräuschvoll mit Wind füllen. Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind auf dieser Reise. Und plötzlich spürst du es, dieses Kribbeln. Gänsehaut in einer Tropennacht? Tatsache, denn diese Mannschaft hier im weiß-blauen Navy-Outfit versteht sich auf das ganz große Theater: Vorhang auf für eine maritime Meister-Inszenierung!

Dem Zufall wird nichts überlassen. Die Route ist festgelegt, das Programm steht, der Menüplan – Büffet zu Mittag, Snacks zum Fünf-Uhr-Tee, vier Gänge am Abend und ein Mitternachts-Imbiss obendrein – ist fix, alles perfekt geplant.

Regisseur bei diesem Schauspiel aber ist in letzter Instanz immer noch die Natur. Und die verweigert uns am nächsten Morgen hundsgemein den Zugang zum Paradies, das wir eigentlich erobern wollen. Von wegen Conquest of Paradise!

110 Seemeilen hatten wir in der Nacht zurückgelegt. Jetzt ankert die Star Clipper vor Ko Surin, einer traumschönen Insel mit weißen Stränden, kristallklarem Wasser, umschwärmt von bunten Fischen, umrankt von Seeanemonen. So jedenfalls die blumige Beschreibung im Reiseführer. Ob das alles so stimmt? Wir werden es nie erfahren. Denn Ko Surin ist wie eine Fata Morgana zum Greifen nah und doch unerreichbar fern.

Impressionen von der Star Clipper

Impressionen von der Star Clipper

Wir haben Ebbe. Sowas von Ebbe, dass alle Versuche des Anlandens mit dem Schlauchboot an Korallenriffen scheitern, die messerscharf aus dem Flachwasser hervorblitzen. Peter ist ratlos, schüttelt den Kopf, dass der flachsblonde Zopf zappelt wie ein nervöser Fischschwanz und raunt irgendwas von „... in 16 Jahren nicht erlebt.“

16 Jahre – so lange ist Peter Kissner aus Oberstdorf im Allgäu als Cruise Direktor mit dem Clipper unterwegs. Zum Glück hat er Politologie studiert und war in einem früheren Leben mal Diplomat im Auswärtigen Amt. Derlei Vorbildung hilft ungemein bei aufkeimenden Meutereien. Peter vertröstet 170 enttäuschte Passagiere auf noch viele schöne Inseln, die wir in dieser Woche anlaufen werden und organisiert ganz schnell einen Badetag von Bord: „Leiter anlegen, Schwimmatten zu Wasser lassen, Schnorchel ausgeben!“ Den Rest erledigt der Cocktail des Tages, der heute Paradise Punch heißt und in entsprechender Dosierung auch zum Stoff taugt, aus dem Träume sind.

Ein Teil der Mannschaft ist ja durchaus dankbar für den von Natur aus verordneten Bordtag. Endlich hat Sergej, der russische Maat, mal Zeit, das Seemannsgarn in die XXL-Nähmaschine einzuspulen und sich die Segel vorzunehmen. Sieben der großen weißen Stofflappen hatten sie Ende Oktober auf der Überführungsfahrt vom Mittelmeer durch den Indischen Ozean nach Thailand im Sturm eingebüßt. „Sieben in einer Nacht!“ Wenn Peter solche Geschichten erzählt, dann hat er ein verwegenes Glitzern in den Augen. Die Star Clipper und er, das ist eine große Liebe, besonders dann, wenn der Windjammer auf offener See so richtig zeigen kann, was in ihm steckt, wenn er seinen eleganten schlanken Körper in die Wellen legt, 45, 50 Grad und mehr geneigt, und mühelos wieder aufsteht, wie Peter es bei seinen täglichen „Story­times“ an Bord in herrlich bayerisch-englischem Dialekt beschreibt.

Dieses gemütliche Gondeln durch die Andamanensee jetzt – das ist touristisches Pflichtprogramm, das sie, die echten Seemänner, für uns Greenhorns gutmütig abspulen. Mit Karabinern gesichert dürfen wir auch mal auf den Mast steigen, dürfen Seemannsknoten üben oder das Steuerrad halten – fürs Erinnerungsfoto und den Mannschaftsgeist – das gute Gefühl, dazuzugehören. Und bei Sonnenuntergang, wenn die Star Clipper ihren Anker lichtet und Fahrt aufnimmt zu einem neuen Ziel, dann werden wir dringend gebeten, mitzuhelfen beim Segel setzen, als ob ohne uns gar nichts mehr ginge auf diesem Schiff. Das macht stolz.

„Thailand ist ein ruhiges Revier, sehr gut für Anfänger“, sagt Kapitän Sergey Tunikov, der drahtige Mann aus Kaliningrad mit dem Dauerlächeln eines Dalai Lama und der Kraft eines Seewolf. Beides, die Ausgeglichenheit und die Stärke, holt er sich jeden Morgen bei Sonnenaufgang mit Thai Chi-Übungen an Deck und auch dazu sind die Passagiere immer herzlich eingeladen.

Teamgeist ist das Zauberwort auf diesem Schiff, dessen 80-köpfige Mannschaft aus 25 Ländern dieser Welt kommt. Die Star Clipper heißt nicht nur so, sie ist ein Star – ein Fernsehstar. „Unter weißen Segeln“ hieß die Serie, die von 2004 bis 2006 in der ARD lief. Christine Neubauer, später Gerit Kling, waren die Cruise-Direktorinnen, Horst Janson der Kapitän. Was sich die echte Mannschaft während der Filmerei an Bord immer gefragt hat: Warum die TV-Leute ein Drehbuch gebraucht haben. Wo doch das echte Leben auf diesem Schiff die interessantesten Charaktere zusammenbringt. Menschen wie Dr. Holger, den charmanten Schiffsarzt aus der Pfalz, der auch Turniertänzer ist und die Damen abends zur Piano-Time reihenweise aufs Parkett führt. Oder Robert, den österreichischen Handtaschen-Fabrikanten im Ruhestand, der Berühmtheiten wie Hillary Clinton zu seinen Kundinnen zählte.

Zur Dokumentation seiner nautischen Leidenschaft hat der Wiener, der schon zum 40. Mal an Bord ist, wahlweise einen Haifischzahn oder einen goldenen Anker von der Größe eines Korkenziehers um den Hals hängen. Der Haifischzahn ist zweifellos echt, über den goldenen Anker kursieren Gerüchte...

Es gibt Erlebnisse, die darf man auf keinen Fall missen auf diesem 550 nautische Meilen oder 1000 Kilometer langen Törn zu den Similan- und den Surin-Inseln und bis hinunter nach Langkawi an der malaiischen Grenze. Die Besteigung des bizarren Elefantenkopf-Felsens auf Ko Miang gehört dazu, die mit einem Panoramablick über das dichte Dschungelherz der Insel belohnt. Das Strand-Barbecue auf Ko Kradan, für das sich die Schiffscrew mächtig ins Zeug legt. Eine Mangroven-Tour zu den rotbrauen Seeadlern von Langkawi. Oder auch einfach mal einen Robinson-Tag in einer einsamen Bucht – Fische schauen, Muscheln suchen, Treibholz sammeln, abhängen fernab vom Rest der Welt, bis der letzte Tender zurück zum Schiff geht.

Es gibt aber auch diese Erlebnisse, auf die kann man getrost verzichten. Weil sie einem grausam eindeutig klarmachen, wie schnell das Paradies, das du gerade erobert hast, schon wieder verloren sein kann, dich zurückschleudern in die raue Wirklichkeit des Massentourismus. Die Nummer mit dem Speedboot-Ausflug zum James Bond-Felsen – schenk sie dir! Drei Millionen Touristen jährlich haben aus dem legendären Drehort des 007-Thrillers „Der Mann mit dem goldenen Colt“ einen jämmerlichen Souvenirmarkt gemacht. Und drei Stunden Schnellboot-Brettern durch die erhabene Stille der Phang-Nga-Bucht mit ihren Millionen Jahre alten Kalksteinkegeln – sowas passt in die perfekte Inszenierung eines Urlaubstraums so gut wie eine AC/DC-Nummer in eine Verdi-Oper. Regiefehler!

Dann lieber noch einen Tag an Bord, noch einmal die Füße in den weißen Sand eines einsamen Strandes graben, noch einmal abtauchen im kristallblauen Wasser, bevor es morgen, leider viel zu früh, zurückgeht nach Phuket, wo einmal alles begann.

Das Leben, sagt er seefahrende Bayer Peter, ist wie ein großes Theater. Entweder du sitzt im Zuschauerraum, oder du stehst auf der Bühne. Seine Bühne hat er eine Woche lang mit dir geteilt. Die Bühne auf einem Clipper-Schiff mit 3000 Quadratmetern Segel unter dem fernöstlichen Sternenhimmel. Der Stoff, aus dem die Träume sind...

DIE REISE-INFOS

DAS SCHIFF Die Star Clipper ist ein Großsegler, der 1992 im Stil der historischen Klipperschiffe des 19. Jahrhunderts gebaut wurde (der Name kommt von „clipping the waves“ = die Wellen schneiden). Die Star Clipper und ihr baugleiches Schwesterschiff Star Flyer sind 115 Meter lang und 15 Meter breit und legen sich mit insgesamt 3365 Quadratmetern Segelfläche in den Wind.

ROUTE Noch bis Anfang März und dann wieder ab 21. November ist die Star Clipper in Thailands Gewässern und fährt jeden Samstag ab/bis Phuket abwechselnd die südliche und die in unserem Bericht beschriebene nördliche Route zu den Surin-Inseln, den Similan-Inseln, auf die malaysische Insel Langkawi und in die Phang-Nga-Bucht mit möglichem Ausflug zum James-Bond-Felsen. Im März wechselt das Schiff ins östliche Mittelmeer. Auch die 38-tägige Überquerung des Indischen Ozeans kann ganz oder in Etappen gebucht werden.

REISETYP Für Insel-Sammler, die Robinson-Feeling mit Rückhol-Garantie buchen wollen. Ansonsten ist das Schiff mit seiner familiär-kameradschaftlichen Segler-Atmosphäre und einem bisschen Luxus-Flair das Ziel. „Unser Bordprogramm sind die Segel“, hat Schiffseigner Mikael Krafft einmal gesagt.

WOHNEN Die Star Clipper hat vier Decks mit 85 Kabinen für insgesamt 170 Passagiere. In der Ausstattung (Doppelbett, Duschbad) sind sie im Prinzip identisch, die Kategorie steigt mit der Größe (acht bis 14 Quadratmeter) und pro Deck aufwärts. Alle Kabinen haben Bullaugen oder geschlossene Fenster, Belüftung über Klimaanlage.

BORDSPRACHE Die Star Clipper ist ein internationales Schiff. Reeder Mikael Krafft kommt aus Schweden, der derzeitige Kapitän aus der Ukraine, der Cruise Director aus Bayern und der Rest der Mannschaft aus insgesamt 25 Ländern dieser Welt. Gesprochen wird hauptsächlich Englisch und Deutsch.

PREISE Die einwöchige Reise (sieben Nächte) auf der Star Clipper ab/bis Phuket kann z.Zt. ab 1205 Euro pro Person gebucht werden. Eingeschlossen sind die Mahlzeiten an Bord, das Ausbooten mit Zodiaks oder Tender sowie alle Wassersportaktivitäten außer Tauchen. Der Spezialpreis gilt für Buchungseingänge ab sofort bis 15. Februar. Nebenkosten: Flasche Wein ab 12 Euro, Glas Bier ab 2,50 Euro. Trinkgeld-Empfehlung: 8 Euro pro Person/Tag.

BUCHUNG direkt bei Star Clippers Kreuzfahrten in Langenhagen, Tel. 0511/726 65 90, gebührenfreie Telefonnummer 0800-782 72 54. www.star-clippers.de. Auch Flüge und Anschluss-Aufenthalte können hier gebucht werden.

LITERATUR Im Bucher-Verlag ist der Bildband „Unter Segeln um die Welt“ erschienen. Er schildert diverse Traumreisen mit den Schiffen von Star Clippers Cruises durch die Karibik, in die Südsee oder durch das Mittelmeer. 200 Seiten, 350 Abbildungen, ISBN 978-3-7658-1682-6, Preis: 49,90 Euro.

WEITERE INFOS zum Urlaubsland Thailand über das Thailändische Fremdenverkehrsamt, Frankfurt, Tel. 069/13 81 39-0, www.thailandtourismus.de

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