Afrika-Album von Maren und Torsten Dönhoff
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Im Tarangire-Nationalpark.

Reisetraum

Mitten in Afrika

Der afrikanische Kontinent misst von der Mittelmeerküste im Norden bis zur Südspitze am Kap der Guten Hoffnung 8000 Kilometer. Eine Durchquerung ist eigentlich...

Maren und Torsten Dönhoff

...nichts, was man einfach so nebenbei mal macht. Torsten Dönhoff (49) und seine Frau Maren (42) haben es getan, in Etappen, im Urlaub, über vier Jahre verteilt. Dass sie am Ende steckengeblieben sind, in Tansania, exakt der Mitte Afrikas, lag nicht an ihrem betagten weißen Landrover mit Spitznamen Landy. Der steht heute hinter dem Haus in der Arumeru River Lodge, ständig bereit, Hotelgästen das Paradies zu zeigen.

Zwei Dikdiks, winzige Miniaturen einer Antilope, jagen sich zwischen den Büschen auf dem dichten Rasen der Arumeru River Lodge. In den Ästen des mit sattroten Blüten übersäten Flamboyantbaums gleich hinter dem Pool stimmt eine Schar gefiederter Konzertmeister ihre Morgenarie an. Auf der Terrasse vor dem Restaurant decken die Ober die Tische fürs Frühstück ein. Wie schön, wenn ein Tag in solch einer Kulisse beginnen kann. Ist das hier das Paradies?

Tansania, an der Küste

Ja, sagen Maren und Torsten Dönhoff und strahlen mit der Sonne um die Wette. Jahrelang haben sie nach diesem Paradies gesucht, im Internet und auf ihrer langen Reise durch Afrika. Dass sie die Lodge an der Stadtgrenze von Arusha am Fuß des Mount Meru dann gefunden haben, war letztlich aber ein Stück weit Zufall. Oder Schicksal. Oder Glück. Oder alles zusammen.

„Vietnam fühlte sich nicht gut an“, sagt Torsten. Und damit beginnt eigentlich die ganze Geschichte vom Suchen und Finden des Paradieses. Nach Vietnam sollte der Manager einer großen Medizintechnikfirma aus Hessen nämlich vor drei Jahren versetzt werden, um dort neue Produktionsstätten aufzubauen. Aber da hatten Maren und Torsten Dönhoff schon ihr Herz an Afrika verloren, den Kontinent, den sie seit 2006 in jedem Urlaub bereisten, drei Wochen im Frühjahr, drei Wochen im Herbst. In einem nicht mehr ganz so jungen Landrover, den sie aus dritter Hand von einem Lehrer im Odenwald gekauft hatten, für den der Traum von Afrika immer ein Traum geblieben ist.

Rastplatz in der Wüste

Transafrika häppchenweise. Von Deutschland nach Tunesien, durch Libyen nach Ägypten, weiter in den Sudan, nach Äthiopien und Kenia, nach Tansania und Sambia, insgesamt 25.000 Kilometer. Nach dem Urlaub flogen die Dönhoffs immer wieder heim, zurück in den deutschen Alltag, zurück zum Job. Der Landy blieb in Afrika, wurde irgendwo untergestellt. In Tunesien beim Zoll, im Sudan im Hinterhof eines Privatmanns, in Nairobi in der Jung­le Junction von Chris Handschuh, einem Deutschen, der sich auf den Service für Überlandfahrer spezialisiert hat. Jeder Überlandfahrer landet irgendwann einmal bei Chris. „Es sind immer ein paar Hundert Leute unterwegs durch Afrika, sie halten Kontakte im Internet und geben Tipps weiter“, sagt Torsten Dönhoff.

Die Wasserfälle am Blauen Nil.

Livingstone, Victoria Fälle – südlicher kamen Torsten und Maren nicht, obwohl die Transafrika-Tour eigentlich einmal unter dem Motto „Von Kassel nach Kapstadt“ angelegt war. Aber statt weiterzufahren, über die Grenze nach Simbabwe, nach Botswana, Namibia und Südafrika, kehrten sie um, wie von einem Magneten angezogen. Tansania fühlte sich einfach gut an. Und als dann im Spätherbst 2009 die Entscheidung für Vietnam anstand, da haben sie sich entschlossen, Plan B anzugehen, den sie vorher an unzähligen Lagerfeuern in der Wüste und in der Savanne Afrikas gesponnen hatten. „Lass es uns machen“, sagte Torsten. Und Maren sagte: „Ja, lass uns ganz nach Afrika gehen.“

Tansania also. Ein Leben in der Mitte Afrikas. Eine Lodge kaufen, umsatteln, Tourismus statt Medizintechnik. Nur ist sowas leichter gesagt als getan. Denn: Es gab nichts zu kaufen. Aber es gab etwas, was Maren und Torsten gerne gekauft hätten: die Arumeru River Lodge, in der sie schon einmal Station gemacht hatten und deren gemütliche Cottages in dem großen tropischen Garten sie in bester Erinnerung hatten.

Fähr-Überfahrt im Sudan

Und so kam es, dass ein älterer Herr in Stuttgart namens Norbert Veit eines Tages eine E-Mail bekam: „Zwei Deutsche interessieren sich für Ihre Lodge. Entschuldigen Sie unsere Direktheit, wenn Sie nicht verkaufen wollen.“ Er entschuldigte nicht, er meldete sich. Das Angebot käme für ihn zwar etwas überraschend, aber er werde demnächst 70 und es komme nicht jeden Tag wer vorbei, der seine Lodge wolle, antwortete der Mercedes-Ingenieur, der in Tansania geboren und aufgewachsen war, die Lodge in den letzten Jahren aber nur noch ferngesteuert verwaltetet hatte.

„Das geht auf Dauer nicht“, weiß Torsten Dönhoff heute. Ganz oder gar nicht, das ist der einzige Weg für so ein Projekt in Afrika. Das war ihnen, die den Kontinent vorher etappenweise erfahren hatten, zu dem Zeitpunkt längst klar. Sie haben sich für das Ganze entschieden.

Maren und Torsten führen die Lodge heute ganz in Norberts Sinn, dessen Herz noch immer an dem Fleckchen Erde hängt, auf dem er als Sohn deutscher Einwanderer einmal aufgewachsen ist. Sie halten seine Regeln ein. Was heißt, dass auf Arumeru die Angestellten mitreden und dass sie mehr verdienen, als in anderen Häusern. Kein Postkolonialismus, keine Ausbeutung, sondern Zusammenarbeit. Weil Norbert das so angelegt hat. „Wir halten sein Lebenswerk hoch.“

Begegnung mit Elefanten in Sambia

Im Paradies in der Mitte Afrikas treffen sich heute die Urlauber, die für Afrika weniger Zeit haben als Maren und Torsten Dönfhoff und trotzdem das Maximum an Eindrücken mit nach Hause nehmen wollen. Menschen, die auf dem Weg in die großen Nationalparks von Tansania oder Kenia sind oder gerade von einer Safari zurückkommen und noch ein paar Tage in Arusha an- oder abhängen wollen, bevor sie wieder in den Flieger steigen nach Europa. Auf Touren am Fuß des Mount Meru, in die Dörfer und durch den dichten Wald, in dessen Bäumen die langmähnigen Colobus-Affen hängen, können sie noch einmal ihre Fußspuren hinterlassen in einem Land, in dem die Dönhoffs inzwischen fest verwurzelt sind.

Man kennt ihn hier, den Deutschen von der Arumeru River Lodge. Die Kinder im Dorf laufen ihm entgegen, wenn sie den weißen Landrover um die Ecke biegen sehen. „Jambo“, ruft der Bauer rüber, wenn Torsten seinen Landrover bei ihm um die Ecke parkt, um von hier mit seinem Gästen zu Fuß weiterzugehen. Die Frauen, die am Arumeru River ihre Wäsche waschen winken ihm zu. Die Quelle mündet hier in ein 100 Jahre altes Rohr aus Kruppstahl – Erinnerungen an die deutsche Kolonialgeschichte Tansanias. Habari – wie geht es Dir? Nzuri sana, es geht mir gut, sagt er zurück. Er spricht ihre Sprache, er denkt wie sie, es kommt von Herzen. Torsten Dönhoff hat hier in Tansania sein Paradies gefunden. Nein, den Baum des Reisenden hat er im Garten der Arumeru Lodge nicht gepflanzt, der stand schon da. Den blaublühenden brasilianischen Kartoffelbaum, den hat er hier in Afrika in die Erde gesetzt. Noch ein Weltreisender, der angekommen ist.

Christine Hinkofer

Die Reise-Infos

REISEZIEL Arumeru ist eine Lodge am Rande der Stadt Arusha im Norden Tansanias (daher das Aru-) am Fuß von Afrikas zweithöchstem Berg, dem Mount Meru (daher das -meru). Sie liegt eingebettet inmitten von Kaffepflanzungen und der für die Höhenlage typischen Regenwaldvegetation (Arusha liegt auf 1400 Metern). Unmittelbar nördlich befindet sich der kleine Arusha-Nationalpark. Wegen der vielen Safari-Touristen, die nach Arusha kommen, wird die Stadt in Anlehnung an Tansanias größte Stadt Dar es Salaam manchmal scherzhaft Dar es Safari genannt. Arusha hat zirka 350.000 Einwohner.

ANREISE Die niederländische KLM fliegt von München täglich via Amsterdam zum Kilimandscharo International Airport von Arusha. Flüge ab ca 700 Euro (hin und zurück). Transfer in die Stadt ca. 50 Kilometer.

Arumeru River Lodge von Maren und Torsten Dönhoff.

WOHNEN Die Arumeru River Lodge hat 29 Zimmer, alle in einstöckigen Bungalows gelegen, die großzügig verteilt in einem tropischen Garten stehen. Zentrum der Anlage sind das Restaurant mit offenem Kamin und großer Terrasse und der Pool. Maren Dönhoff hat die Zimmer frisch und modern eingerichtet, kombiniert mit afrikanischem Kunsthandwerk, das sie von ihren Reisen durch den Kontinent mitgebracht hat.

AKTIVITÄTEN Die Dönhoffs sind in Arusha zu Hause, das spürt man. Ihr Wissen um das Land, auch um politische Hintergründe und gesellschaftliche Gepflogenheiten, geben sie gerne an ihre Gäste weiter, auf ganz individuellen Touren, die man spontan entschlossen direkt vor Ort buchen kann. Die Ausflüge dauern zwei bis drei Stunden, führen zum Beispiel in das Dorf Usa River, in den Regenwald am Mount Meru, auf eine Kaffeefarm oder zum Lake Duluti. Auch eine drei- bis sechsstündige Städtetour nach Arusha mit Stationen nach Wunsch und Interesse kann gebucht werden.

BUCHUNG Die Übernachtung in der Arumeru River Lodge kostet 135 US-Dollar (umgerechnet 100 Euro) mit Frühstück. Direktbuchung per E-Mail unter info@arumerulodge.com. Weitere Infos im Internet unter www.arumerulodge.com.

LESERREISE Im Rahmen unserer Tansania-Leserreise - hier finden Sie mehr Infos auf unserem Partnerportal -, die vom ehemaligen Direktor des Münchner Tierparks, Professor Henning Wiesner, begleitet wird, sind wir eine Nacht und einen Tag auch auf der Arumeru River Lodge zu Gast, bevor wir wieder in den Flieger zurück nach München steigen (oder zum anschließenden Badeaufenthalt auf die Insel Sansibar). Nachdem der erste Termin dieser beliebten Safari (21. bis 29. Mai) bereits sehr schnell ausgebucht war, gibt es nun einen Zusatztermin: 11. bis 21. Mai, mit Badeverlängerung auf Sansibar bis 25. Mai. Preis: 3495 Euro pro Person im DZ, EZ-Zuschlag 345 Euro, Badeverlängerung 595 Euro. Info/Buchung über Kiwi-Tours in München, Tel. 089/7466250 (bitte unbedingt tz/Münchner-Merkur Leserreise angeben).

­TRANSAFRIKA Für Nachahmer und Sofareisende gleichermaßen interessant: Ein Tagebuch ihrer jahrelangen Transafrikareise haben Maren und Torsten Dönhoff ins Internet gestellt unter www.through-africa.com.

Wohnen in der Mitte Afrikas

Kunstwerke in den Zimmern

Auf dem Gelände einer ehemaligen Kaffeefarm am Rande der tansanischen Stadt Aru­sha liegt die Arumeru River Lodge von Maren und Torsten Dönhoff. Gegründet hatte sie Norbert Veit, der in Tansania als Kind deutscher Auswanderer geboren wurde. Nach Um- und Ausbau hat die Arumeru River Lodge heute 29 Zimmer, verteilt in einstöckigen Gebäuden in einem weitläufigen tropischen Garten, in dem die Dikdiks, winzige kleine Antilopen, Fangen spielen. Die Kunstwerke in den Zimmern haben die Dönhoffs auf ihren jahrelangen Reisen durch Afrika zusammengetragen. Torsten Dönhoff organisiert für seine Gäste von der Lodge aus Ausflüge in die Dörfer und zum Mount Meru.

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