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Im Juni wird Miro Nemec uns sein Zagreb im Rahmen einer Leserreise zeigen.

Ich zeig’ euch meine Stadt

Zagreb mit Tatort-Kommissar Miroslav Nemec

Es ist ein Leben zwischen den Welten. München ist die Stadt von Tatort-Kommissar Ivo Batic, Zagreb ist die Heimat von SchauspielerMiroslav Nemec.

Mit elf Jahren hat er sie verlassen. Es war nicht seine Entscheidung, sondern die seiner Eltern, die für ihn eine bessere Zukunft bei der Verwandtschaft in Bayern sahen. Den Weg zurück in die Stadt seiner Kindheit hat er immer wieder gefunden, auch, weil dort bis heute seine Familie lebt. Im Juni wird Miro Nemec uns sein Zagreb im Rahmen einer Leserreise zeigen. Was ihn und uns dabei erwartet, darüber sprach Christine Hinkofer mit dem Kroaten, der ein bayerischer Tatort-Kommissar wurde.

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Herr Nemec, welchen Stellenwert hat Zagreb heute in Ihrem deutsch-kroatischen Leben?

Ein Teil meiner Familie lebt noch dort, ein Cousin, der mir wie ein Bruder ist, seine Frau, die zwei Söhne sowie eine Cousine. Ich selbst komme leider nur noch selten nach Zagreb, denn wenn wir uns treffen, dann meist am Meer, in Istrien oder auf der Insel Krk, der Heimat meiner Mutter. Aber wenn ich in Zagreb bin und durch die Straßen der Altstadt gehe, dann werden die Erinnerungen an meine Kindheit sofort wieder wach.

Wo findet man das Zagreb Ihrer Kindheit? Wohin führt uns Miro Nemec auf unserer gemeinsamen Entdeckungstour durch Zagreb?

Berge, Bürgerhäuser und Biergärten: In manchem, meint Miroslav Nemec, ist Zagreb München sehr ähnlich.

Wir starten in der Gegend um die Kathedrale. Wir gehen durch die kleinen Gassen und auf den Markt. Er ist das Herzstück von Zagreb, wie der Viktualienmarkt in München, nur dass es keine festen Standl gibt. Meine Mutter hat fast nur auf dem Markt eingekauft. Wenn wir es uns leisten konnten, sind wir nach dem Einkaufen in das Café am Hauptplatz gegangen. Meine Mutter hat sich einen türkischen Mokka bestellt, sie liebte Kaffee, und ich bekam eine Cremeschnitte.

Wo sind Sie heute am liebsten in Zagreb?

Am liebsten bin ich eigentlich bei der Familie, so wie damals, als wir uns alle zu Festen in der Küche meiner Mutter versammelt haben. Wir wohnten in einem alten Handwerkerviertel, in einem kleinen Försterhäuschen im Schatten eines großen Wohnblocks mit einem verwilderten Hinterhofgarten. Unsere Nachbarn waren Herr Schantek, der Schreiner, und Herr Vazdar, der Schneider. Der Duft von Textilien, Harz und Sägespänen löst noch heute angenehme Erinnerungen in mir aus.

Welche Zeit ist ideal für Zagreb?

Am schönsten ist Zagreb im Frühling, da wacht die ganze Stadt auf. Klimatisch ist Zagreb ja München sehr ähnlich, mit kalten Wintern und heißen Sommern, in denen die meisten Bewohner dann ans Meer flüchten. Ich habe die Sommer in Zagreb als Kind geliebt, wenn der Teer auf den Straßen so heiß war, dass man nicht barfuß da­rauf laufen konnte. Ich bin dann besonders gerne ins Kino gegangen, weil es immer ganz leer war.

Wie würden Sie den Satz ergänzen: Zagreb ist für mich wie...

...ein anderes Leben, aus dem man kommt. Zagreb hat sich verändert in der ganzen Zeit. Meine Erinnerungen sind geblieben, aber jedesmal, wenn ich hinkomme muss ich sie revidieren oder updaten, wie man so schön sagt.

Kann man Zagreb mit München vergleichen? Haben die beiden Städte Ähnlichkeiten?

Wasserreich: Ein Ausflugsziel ist der Nationalpark Plitvicer Seen.

Die alte Straßenbahn von Zagreb sah aus wie die in München früher. Meine Mutter hat sich immer furchbar aufgeregt, wenn ich mit meinen Freunden auf die fahrenden Waggons aufgesprungen bin. Und die Hinterhofatmosphäre in Vierteln wie Haidhausen oder Giesing, die hat Parallelen zu Zagreb. Die Fassaden der Bürgerhäuser um die Jahrhundertwende sind sehr ähnlich. Und auch das Leben draußen, die Biergärten. Dort sitzt man in Zagreb, wie in München auch, unter Kastanien. Nur, dass kaum Bier getrunken wird, sondern Wein.

Vermittelt Zagreb eine besondere Stimmung, eine, die es nur da gibt?

Ja, das ist mir zuletzt wieder aufgefallen, als ich im Sommer mit einem Fernsehteam zu Dreharbeiten dort war. Die Menschen sind einfach entspannt. Es gibt keine Hetze. Das liegt an der Mentalität, der Form, wie man mit dem Leben umgeht. Die Zagreber ruhen in sich.

Ihr autobiographisches Buch „Miroslav Jugoslav“ schildert ein Leben zwischen den Welten. Wo liegt heute der Schwerpunkt für Sie? Fühlen Sie sich mehr als Bayer oder als Kroate?

Ich bin ein Freilassinger Dschusch, lebe sehr gerne in Bayern. Die Mentalität ist mir vertraut, auch der bayerische Humor. Kroatien, das ist der Blick zurück, eine angenehme Erinnerung an eine arme, aber schöne Kindheit.

ch

Unsere Leserreise nach Zagreb

REISEZIEL Zagreb ist die Hauptstadt und mit rund 800.000 Einwohnern gleichzeitig auch die größte Stadt Kroatiens. Sie liegt am Fuß des Medvednica-Gebirges und zu beiden Seiten des Flusses Save im kontinentalen Bereich Mittelkroatiens, etwa 170 Kilometer vom Meer (Adria) entfernt.

PROGRAMM Zusammen mit Schauspieler Miroslav Nemec entdecken wir Zagreb auf einer Leserreise vom 7. bis 10. Juni. Auf dem Programm stehen gemeinsame Stadtbesichtigungen, ein Restaurant- und ein Cafébesuch sowie ein Gang über den Markt, auf dem uns auch der kroatische Fernsehkoch Branco Ognenovic begleiten wird. Zwei ganztägige Ausflüge führten in die Barockstadt Varasdin und in den Nationalpark Plitvicer Seen mit seinen berühmten Wasserfällen, dem Drehort zahlreicher Winnetou-Filme.

PREIS Mit Linienflug (Croatia Airlines), Ü/F im Fünf-Sterne-Hotel Westin, zweimal Stadtrundgang, einem Abendessen und einem Kaffeehaus-Besuch mit Miroslav Nemec, einem kroatischen Gastroabend und zwei ganztägigen Busausflügen inklusive Eintrittsgebühren in den Nationalpark, Mittagessen und Weinprobe kostet die Leserreise 595 Euro im DZ und 740 Euro im EZ.

BUCHUNG über den Kroatien-Spezalisten i.D. Riva Tours, Neuhauser Straße 27 in München, Tel. 089/2311000, www.idriva.de.

BUCHTIPP Über seine Jugend in Zagreb und sein Leben in Deutschland hat Miroslav Nemec ein Buch geschrieben. „Miroslav Jugoslav“ ist im Gerhard Hess Verlag erscheinen und kostet 21,80 Euro. ISBN 978-3-87336-405-9.

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