MS Amadea
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MS Amadea auf Weltreise: So ist das neue Traumschiff.

MS Amadea auf Weltreise

So ist das neue Traumschiff

Unser Fernweh muss umziehen. Die Filmcrew des ZDF-„Traumschiff“ wechselt von der MS Deutschland auf die MS Amadea. Können wir uns auch in dieses Schiff verlieben?

Wer ist der echte Kapitän? So smart wie Sascha Hehn? Kurz vor Drehstart hat Christian Deutschländer das neue Traumschiff ein Stück auf der Weltreise begleitet.

Als die junge Mitarbeiterin von der Rezeption mit der Bombendrohung auf die Brücke stürmt, bleibt der Kapitän ruhig. Er fragt nach, nickt, überlegt kurz, beugt sich über das Bordmikrofon. „Attention“, hört das Schiff nun in jedem Winkel, „Code Red. Code Red. Code Red.“ Jarle Flatebø spricht ohne Hektik, aber in dem Wissen, dass jetzt jeder in der Crew aufspringt, von Maschinenraum bis Deck 11 kennen sie den Code. Die obersten Offiziere eilen auf ihn zu, der Sicherheitschef ruft: „Nichts berühren!“ Die Suche beginnt.

Flatebø gibt wenige Kommandos, sieht eine Weile zu. Er hofft, sie werden die Bombe finden, er hat sie ja selbst heimlich versteckt im Bordkino auf Deck 6. Er will seine Leute suchen lassen, sie sollen die Abläufe üben für jeden Ernstfall, sei er auch noch so unwahrscheinlich, jeden Quadratmeter des Schiffs blind erreichen. Eine Stunde gibt er ihnen. Wenn sie fertig sind, außer Atem, wird er sie noch in einen Seenot-Drill schicken, schwitzend mit Schwimmwesten.

Damit alle träumen können auf dem Traumschiff, muss einer die Albträume fernhalten. Eine Übung, ja, aber kein Spaß. Den versteht Flatebø nämlich nicht, wenn es um Sicherheit geht. „Verliert den Fokus nicht! Für uns ist das hier nicht nur das Traumschiff – sondern Realität“, ruft er seinen Offizieren zu.

Das ist also der Mann, von dem Millionen Deutsche glauben, er habe den schönsten Job der Welt – Traumschiff-Kapitän! Der echte, nicht der Schauspieler! Flatebø ist ein umgänglicher, attraktiver Mann, aber auch ein sehr ernsthafter. Der große Norweger mit kurz getrimmtem grauen Bart, gerade an Bord 60 geworden und rührend gefeiert, kommandiert die MS Amadea auf ihrem Weg um die Welt.

Eine Woche vor Produzent Wolfgang Rademann war unser Autor Christian Deutschländer an Bord des Traumschiffs.

Und ins Fernsehen. Genau am Tag von „Code Red“ werden im Hafen bei Bangkok die ersten Container der Film-Crew aufgeladen. Das Schiff ist jetzt die neue Kulisse für die ZDF-Serie. Seit 1999 war das „Traumschiff“ für Millionen Zuschauer die MS Deutschland. Nach der Insolvenz der Reederei ziehen die Träume nun um auf die MS Amadea. Weil sie Würde ausstrahlt mit ihren 24 Jahren, höchstens 600 Gästen, viereinhalb Sternen. Weil sie regelmäßig um die Welt fährt. Es gibt spektakulärere Schiffe, Riesenpötte mit Eisstadion und Surfwelle an Bord, aber die fahren meist nur in der Karibik im Kreis, 5000 Passagiere als Fracht.

In diesen Tagen laufen auf der Amadea die Dreharbeiten mit Sascha Hehn als Kapitän und Heide Keller als zwinkernder Chef-Hostess an. An Weihnachten soll die Folge, Reiseziel Südsee, ausgestrahlt werden.

Sie reden viel an Bord darüber, klar. Die Entscheidung ist ja noch so frisch. Auf der laufenden Weltreise kamen die ersten Fernsehleute um Produzent Wolfgang Rademann in Nizza inkognito an Bord, unentschlossen. In Dubai wieder. Dann, Mitte Januar, die bang erwartete Zusage: Auf der Amadea schaute die Crew sofort in die Schränke, ob genügend Sektgläser da sind für eine Spontanparty mit allen Passagieren am Pool. Das Abendessen wurde unterbrochen.

Die Film-Sache weckt viele Emotionen. Manche, etwa das mitreißende Show-Ensemble an Bord, hoffen auf eine Nebenrolle. Die Reederei ahnt, wie die Nachfrage nochmal springen wird, wenn Millionen sich voll Fernweh an Bord träumen. Kapitän Flatebø freut sich, warnt aber, dass es auch Konflikte geben kann zwischen 80 fordernden Film-Leuten, den Passagieren, die für ihren ungestörten Urlaub viel Geld bezahlen, und seinen Sicherheits-Anforderungen. „Es wird ein gewisses Maß an Koordination erfordern und ein hohes Maß an gutem Willen“, sagt er seinen Offizieren in einer Dienstbesprechung voraus, „seid euch dessen im Klaren“.

Traum und Realität werden schon zusammenfinden auf diesem Schiff. Ja, der Abgleich macht bereits jetzt Spaß: Der griesgrämige Friseur aus der letzten Traumschiff-Weihnachtsfolge ist auf der MS Amadea in echt Natalie, eine junge, freche Schweizerin. Der hübsche Film-Steward? Davon gibt’s viele auf der Amadea, sie tanzen und singen sogar recht sexy beim Crew-Auftritt im Schiffstheater. Nur die zwinkernde Chefhostess findet keiner – so eine Stelle existiert gar nicht. Vielleicht passt es am ehesten auf Kreuzfahrt-Direktorin Manuela Bzdega, in deren sanfte Borddurchsagen-Stimme man sich glatt verlieben könnte. Was auch schon vorkam.

Wie auf der MS Deutschland befindet sich auf der Amadea am Heck ein kleiner Swimmingpool mit Sonnendeck und Liegestühlen.

Tja, und die Passagiere? Fast nur Deutsche, Schweizer, Österreicher sind an Bord, oft über Monate, mehr Kreuzfahrt-Profis als Nörgler. Es geht familiär zu, wenn auch nicht Dosenbier-kumpelig. Aufs Hemd zum Dinner legt man Wert. Im Schnitt mögen die Gäste vielleicht 65 bis 70 sein. Im Restaurant schlossen unlängst zwei Reisende, 99 und 100, neue Freundschaft. Neugierig auf die Welt sind sie hier, und verrückt genug, am Seetag auf Deck 7 einen bayerischen Frühschoppen zu feiern, jodelnd – bei 30 Grad einige Seemeilen vor Vietnam. Gutsituiert sind die Gäste, das Schiff ist ihr schwimmendes Wohnzimmer.

Einer, der sie ganz aus der Nähe kennt ist Schiffsarzt Dr. Gunter Schimmel. Zu ihm in die kleine Klinik kommen sie mit Schniefnase, das ist das Häufigste, er hat aber auch schon Zahnprothesen geklebt und Hüftgelenke geröntgt. Ja, und zwei Menschen auf dieser Weltreise das Leben gerettet: einmal mit einer Notoperation auf See kurz vor dem Nierenversagen, einmal mit der Diagnose eines schwer erkennbaren Herzinfarkts – während das halbe Schiff nichtsahnend beim Galaabend saß.

„Man weiß nie, was passiert“, erzählt seine Krankenschwester Kathlen, eine Münchnerin: „Es kann maximal-langweilig sein und maximal-stressig.“ Und maximal-schön, wenn alle gesund sind und die schönsten Städte und Strände erkunden.

Großer Amadea-Vorteil gegenüber der Vorgängerin: Auf diesem Schiff gibt es nur Außenkabinen, alle mit Meerblick.

Kapitän Flatebø ist an diesem Tag zufrieden. Nach 30 Minuten haben seine Leute die Bombenattrappe gesichert, bald auch die Seenot-Übung absolviert. Nochmal drückt er den Knopf, nun eine herzliche Durchsage an die Crew aus 25 Nationen, er dankt und gibt frei für den Landgang.

Auch er gönnt sich eine Pause, geht auf die kleine Chef-Kabine kurz hinter der Brücke. Er muss da schmunzelnd noch etwas beichten: „Traumschiff“ hat der Norweger noch nie angeschaut. Aber als Kulisse für Herz und Schmerz ist so ein Schiff schon optimal. „Was das Leben anzubieten hat, das hast du alles hier ganz intensiv und nahe: Freude, Krankheit, Glück, Heimweh, Liebe und Eifersucht. Was immer kommt – wir werden damit umgehen.“

Christian Deutschländer

DER KAPITÄN

Der Kapitän Jarle Flatebø.

Jarle Flatebø (60) ist seit 1972 auf den Weltmeeren unterwegs. Drei Monate im Jahr kommandiert er die „Statsrad Lehmkuhl“, Norwegens Segelschulschiff, auf einer Atlantikquerung. Die übrigen Monate ist er Kreuzfahrt-Kapitän. „Die beiden Extreme der Schifffahrt“, erzählt er. Und seine Traumjobs. „In so vielen Berufen heute ist ein Riesenabstand zwischen dem, was du auf dem Bildschirm siehst, und dem, was echt passiert.

DER SCHIFFSARZT

Der Schiffarzt.

Dr. Gunter Schimmel (68) war Chefarzt in Hamburg. Im „Unruhestand“ wurde er Schiffsarzt. Dafür ließ er sich nachschulen: Notarztkurs, Ultraschall, Feuerschutz. Er musste robbend Parcours bei simulierten Schiffsbränden absolvieren, wurde ins Hafenbecken geworfen, um Rettungsinseln aufzurichten. „Harte Nummer“, sagt er fröhlich. An Bord ist Schimmel als einziger Arzt für alles zuständig. „Ich darf keine Fehler machen.“ Bisher ging alles gut.

DIE KREUZFAHRT-DIREKTORIN

Die Kreuzfahrt Direktorin.

„Wir sind sehr stolz“, sagte Manuela Bzdega durchs Bordmikrofon, als die Traumschiff-Entscheidung für die MS Amadea fiel. Bzdega (50) ist Kreuzfahrt-Direktorin, Ihr Vorteil: Sie hat schon Fernseh-Erfahrung, war auf anderen Phoenix-Schiffen dabei, als die ARD-Doku „Verrückt nach Meer“ gedreht wurde. Bzdega lebt praktisch auf der Amadea. Klingt romantisch, heißt aber: Von frühmorgens bis nachts für alle erreichbar sein.

DIE WELTREISENDEN

Die Weltreisenden.

Vor 30 Jahren schauten sie die ersten „Traumschiff“-Folgen und dachten: „Mein Gott, was sind das für reiche Leute, das werden wir uns nie leisten können.“ Jetzt sind Annemarie und Udo Ziegler, 70 und 76, selbst Traumschiff-Gäste. Ihre vierte Weltreise machen sie schon, sehen in wenigen Wochen erstmals Neuseeland. Andere sammeln Lufthansa-Meilen, die Zieglers sammeln Kanäle: Nur der Ärmelkanal fehlt noch. Nicht mehr lang.

Die Reise-Infos zum Traumschiff

DAS SCHIFF Die MS Amadea gehört wie die etwas größeren Schwesterschiffe Artania und Albatros zu Phoenix Reisen in Bonn. Aktuell ist sie (komplett ausgebucht) auf Weltreise, startete kurz vor Weihnachten in Nizza und wird nach 138 Tagen, im Mai, in Hamburg erwartet. Gedreht wird für das ZDF-Traumschiff ab der kommenden Woche. Wolfgang Rademann und das ZDF-Team gingen am 5. Februar in Manila an Bord.

DAS BORDLEBEN Auf den acht Passagierdecks wohnen bis zu 600 Kreuzfahrtgäste. In zwei Restaurants (keine festen Tischzeiten) wird gegessen. Im Bordtheater zeigen das Amadea-Ensemble und Gastkünstler jeden Abend eine Show, und wenn der Boden noch so schwankt. Lesungen, Kurse, sechs Bars, ein großer Spa-Bereich mit Meerblick-Sauna, der Pool und der kleine Golfplatz auf Deck 11 sorgen für Abwechslung. Zu jeder Reise gehören ein Galadinner und eine „weiße Offiziersnacht“.

NÄCHSTE REISEN Mehrere kürzere Touren führen die Amadea im Sommer nach Island, ans Nordkap und durch die Ostsee, eine 25-Tage-Exkursion geht nach Grönland. Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember 2015 umfährt die Amadea einmal Afrika. 2016 beginnt mit einer großen Europa-Südamerika-Reise, ein Vierteljahr lang. Die Winterreise 2016/17 geht nach Afrika, Süd- und Nordamerika. Die Reisen sind auch in Abschnitten buchbar, mit Vor- und Nachprogrammen und wahlweise mit Flügen.

PREISBEISPIELE Das neue Traumschiff kann man schon ab 199 Euro kennenlernen (pro Person in der Dreibettkabine), zum Beispiel auf einem Partytörn zum Reinschnuppern vom 14. bis 16. August 2015. Wer die gesamte Winterreise 135 Tage mitfährt, muss mit 13 999 Euro in der einfachsten Kabine kalkulieren. Die Junior-Suite mit Balkon liegt dann schon bei 43 499 Euro.

KOSTEN AN BORD  Inklusive sind auf der MS Amadea alle Mahlzeiten, auch per Room-Service. Getränke außerhalb der Mahlzeiten müssen bezahlt werden: Das kleine Bier mit zwei Euro, der Kir-Royal mit 4,90 Euro. Exklusive sind auch Wäscherei (Hemd: 3,50 Euro), Friseur und Massagen. Trinkgelder sind nicht obligatorisch, fünf Euro am Tag sind üblich. Das Unterhaltungsprogramm ist komplett dabei, organisierte Landausflüge nicht. Der Landgang ist immer auch privat möglich.

BUCHUNG/BERATUNG  Im Reisebüro, im Internet unter www.phoenixreisen.com oder unter Telefon 0228/926 02 00 (Mo–Fr, 9–18 Uhr).

ANREISE Wir haben das neue Traumschiff in Singapur mit Lufthansa via Frankfurt erreicht (ab 756 Euro, in der Premium Eco ab 1665 Euro mit Rückflug, Infos im Internet unter www.lh.com). Die Rückreise ab Ho Chi Minh Stadt führte uns mit Turkish Airlines über Istanbul (ab 611 Euro für den Oneway-Flug, Hin- und Rückflug ab 940 Euro, Infos im Internet unter www.turkishairlines.de).

Der Traumschiff-Vergleich

MS AMADEA MS DEUTSCHLAND
Stapellauf 6. April 1991 16. Januar 1998
Länge 192 Meter 175 Meter
Breite 24 Meter 23 Meter
max. Tiefgang 6,7 Meter 5,80 Meter
Passagierdecks acht acht
Kabinen

314, alle außen,

davon 116 mit Balkon,

46 Suiten,

Größen 15 bis 71 Quadratmeter

274, davon 50 innen,

14 Suiten,

Größen 12 bis 30 Quadratmeter

Maximale Passagierzahl 604 520
Besatzung 280 280
Die Amadea fährt unter der Flagge der Bahamas.

Die Deutschland fuhr unter deutscher Flagge.

 

C.D.

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