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Sicher wandern: In Oberaudorf gibt‘s Deutschlands erste Bergwanderschule.

Deutschlands erste Bergwanderschule eröffnet

Tritt mit Technik

Oberaudorf - Skifahrer gehen in die Skischule. Bergwanderer rennen oft einfach los. Mehr Wissen über Ausrüstung, Technik und Umwelt verspricht Deutschlands erste Bergwanderschule.

Bergstation Hocheckbahn im oberbayrischen Oberaudorf: Auf einem schmalen Pfad zum Gipfelkreuz zeigt Bergwanderführer Hans Schmid seinen Gästen aus dem Flachland die richtige Gehtechnik: „Du muaßt as duach de Sohln spüarn, dass dei Fuaß richtig aufsteht“, erklärt er in breitem Bayerisch.

Kleine Schritte soll man machen, seinen Rhythmus finden und immer auf dem Weg bleiben: „Abkürzer verlaufen sich und zertrampeln die Natur.“ Brauchen Menschen mit zwei gesunden Füßen und ausreichend Puste für einen Aufstieg wirklich Nachhilfestunden im Gebirgswandern? Sie brauchen, sagt Hans Schmid (44), einer von acht Experten im Team von Deutschlands erster Bergwanderschule. „Es gibt leider immer noch zu viele, die unzureichend ausgerüstet sind, ihren Rucksack falsch packen, Karten für überflüssig halten und nicht aufs Wetter achten“, klagt der Hans.

Dass dies schlimme Folgen haben kann, belegen die Unfallstatistiken des Deutschen Alpenvereins (DAV). Bergwanderer liegen hier mit rund 30 Prozent an der Spitze – gleichauf mit Skifahrern. Die Ursachen sind oft banal: Umknicken, Stolpern, Ausrutschen als Folge falscher Schuhe und Unkenntnis über die Lauftechnik. Andere sind einfach nur leichtsinnig, überfordern sich, haben bei einem Wettersturz keine warme Kleidung dabei, verlieren die Orientierung und können dann beim Notruf übers Handy der Bergrettung nicht einmal sagen, wo sie sind.

Nachhilfestunden für das Gebirgswanderen

Hans und seine Kollegen wollen ihren Schülern zeigen, wie man derartigen Gefahren und Fehleinschätzungen entgeht und wie man Bergwanderungen so plant, dass alle unversehrt, erholt, und voller schöner Erinnerungen heimkeh- Auch auf das richtige Schuhwerk kommt es an: Deutschlands erste Bergwanderschule gibt Tipps für die sichere Planung von Touren. „Man muss richtiges Gehen, Kartenlesen oder Wetterkunde einfach trainieren“, sagt er, „nur dann hat man den Blick und den Kopf frei für die Schönheit der Landschaft und die wirklichen Bergerlebnisse.“

Infos & Termine

Bergwanderschule Wochenendtermine (28 Euro) und Schnupperkurse (fünf Euro). Infos im Internet unter www.bergwanderschule.de oder bei der Tourist-Information in Oberaudorf, Tel. 08033/97 65 27

Deutschlands erste Bergwanderschule liegt im Kaiser-Reich. So nennt sich die Ferienregion Oberaudorf/Kiefersfelden vor der beeindruckenden Kulisse des Wilden und des Zahmen Kaiser. Zwischen Inntal (ca. 500 Meter), Brünnstein (1619 Meter), Hocheck (860 Meter) und Wendelstein (1838 Meter) gibt es alle Geländeformationen und Wegeprofile, denen Bergwanderer in den Alpen begegnen. Glatte Feldwege, flache Almen, aufgeweichte Wiesen, glitschige Steine, schmale Gebirgsbach-Stege, Geröll oder Fels bieten ideale Übungsmöglichkeiten. Die ausgebildeten Bergwanderführer sind mit kleinen Gruppen (5 bis 10 Personen) unterwegs. Diese werden möglichst homogen nach dem Leistungsvermögen der Teilnehmer zusammengesetzt.

Die Praxis steht im Vordergrund. Die Natur ist das Klassenzimmer. Und die Lehrer verstehen nicht nur Spaß, sie tun auch alles, damit die „Gaudi“ beim Erlernen dieser Sportart nicht zu kurz kommt.

10 TIPPS FÜR DIE SICHERE BERGTOUR

Sie wollen sich in den Bergen erholen? Sie möchten sicher unterwegs sein und heil wieder heimkommen? Dann sollten Sie diese 10 Regeln beachten:

1. Nur topfit in die Berge starten. Wenn Sie sich krank oder nicht gut fühlen, sollten Sie Ihre Wanderpläne besser verschieben.

2. Stellen Sie Ihre Route mit Hilfe von Karten und ausgearbeiteten Wandervorschlägen (z. B. von der Tourist-Information) und die Ausrüstung sorgfältig zusammen. Informieren Sie Angehörige, Bekannte oder Ihre Gastgeber.

3. Hüten Sie sich vor Selbstüberschätzung. Passen Sie die Tour Ihrer Kondition an. Denken Sie daran, dass nach Erreichen des Ziels/Gipfels der Rückweg/Abstieg noch vor Ihnen liegt.

4. Kleidung nach dem Zwiebel(schalen) prinzip: Mit mehreren Schichten übereinander sind Sie bei Kälte gut gerüstet und können Sie sich bei Wärme „ausschälen“.

5. Nach dem Start erst langsam warmgehen. Danach sollte der Pulsschlag nicht höher als 130 sein. Bei Herz-Kreislauf-Problemen fragen Sie Ihren Arzt nach Ihrer Belastungsgrenze.

6. Spätestens nach zwei Stunden eine Pause machen, etwas essen oder trinken. Bei Ermüdung oder Erschöpfungszeichen sofort ausgiebig rasten.

7. Wettersignale beachten. Erkundigen Sie sich nach der Tagesprognose (Tourist-Information, Internet). Bei drohendem Wettersturz oder Gewitter rechtzeitig Schutz suchen oder umkehren.

8. Bergwege nicht verlassen. Im Gelände treten Sie möglicherweise Steine und Lawinen los, zerstören die Vegetation und gefährden sich und andere.

9. Wenn Sie in Not geraten: Ruhe bewahren. Mit dem Handy über die europaweite Notrufnummer 112 Hilfe holen oder z. B. durch Rufen, mit Taschenlampe oder Trillerpfeife das „Alpine Notsignal“ absetzen: Sechsmal pro Minute ein optisches oder akustisches Zeichen, dann eine Minute Pause.

10. Die Bergrettung und andere Wanderer helfen gern. Das kann für die Retter aber ebenfalls gefährlich werden. Deshalb tun Sie alles, damit Sie nicht aus Selbstüberschätzung oder Abenteuerlust in Not geraten.

H.D. Budde

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