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Das sind unsere Urlaubstester: Gerda und Norbert aus Fürstenfeldbruck, beide 72 und Rentner, sie ehemalige Bürovorsteherin, er ehemaliger Diplomingenieur, verbrachten Anfang des Jahres vier Wochen an der Türkischen Riviera.

Unsere Leser testeten einen Langzeiturlaub in der Türkei

Wir waren dann mal weg

Im vergangenen Herbst hatten wir unsere Leser in Kooperation mit dem Reiseveranstalter TUI gebeten, sich bei uns als Tester für einen Langzeiturlaub zu bewerben. Im Januar packten Gerda...

...aus Fürstenfeldbruck und ihr Mann Norbert die Koffer. Wie es ihnen einen Monat lang in Side an der Türkischen Riviera erging, erzählen sie hier.

Vier Wochen Türkei - unser Reisetagebuch

Wir hatten ihn gründlich satt, den bayerischen Schmuddelwinter. Deshalb haben wir uns als Langzeit-Urlaubstester für die Türkei beworben, und es hat geklappt. Vom 9. Januar bis 6. Februar waren wir dann mal weg.

Doch was packen wir ein? Laut Reiseführer ist der Januar in der Türkei der regenreichste Monat. Also muss die entsprechende Kleidung mit, ein paar Sachen für kühle Abende, aber auch T-Shirts für Sonnentage – bei 20 Kilo Freigepäck pro Person eine logistische Meisterleistung!

Heißkalt: Manchmal kletterte das Thermometer auf 18 Grad, dann war Barfußtag am Pool.

Bei unserer Ankunft am 9. Januar in Antalya bzw. Side strahlt die Sonne vom azurblauen Himmel, herrliche 20 Grad zeigt das Thermometer. Doch schon am nächsten Tag hat es gerade mal acht Grad, es gießt in Strömen, ein stürmischer Wind vermiest uns den ersten Strandspaziergang.

Aber wir haben ja vier Wochen Zeit und lassen uns vom Wetter nicht abschrecken, zumal unser Hotel, das Sensimar Side Resort & Spa, elegant und komfortabel, die Wetterkapriolen schnell vergessen lässt. Das 4,5-Sterne-Haus mit 237 Zimmern liegt direkt am Sandstrand in Kumkoy-Side, eingebettet in eine schöne Gartenlandschaft mit großem Swimmingpool und vielen Sonnenliegen.

Beim Ausflug in die Berge erlebten die Klarners aber auch Schnee.

Unser Doppelzimmer im 3. Stock, mit seitlichem Meerblick, geschmackvoll möbliert, ist 35 Quadratmeter groß. In einem dreitürigen Schrank können wir unsere Garderobe bequem unterbringen. Ein zwei Meter breites Bett mit phantastischer Matratze garantiert erholsamen Schlaf, noch dazu mit Kopfkissen nach Wahl, entweder orthopädisch hart oder weich. Fernseher und WLAN-Anschluß sorgen für die Verbindung zur „Außenwelt“. Sehr angenehm ist die Klimaanlage bzw. Heizung, die wir selbst bedienen können, es gibt keine zentrale Steuerung. Bei dem wechselhaften Wetter ein großes Plus. Der Clou unseres Zimmers ist der Wasserkocher für ein Kaffee- oder Teepäuschen zwischendurch. Ein kleiner Kühlschrank versorgt uns mit Getränken, es fehlt an nichts. Manche Stunde verbringen wir auf unserem Balkon, blicken in die Weite, auf die schneebedeckten Berge und das Meer.

Im Hauptrestaurant erwartet uns ein Buffet mit einer Unmenge von verführerischen Speisen. Fantastisch die Auswahl, die Frische, die Aufmachung, Verführung pur! Sogar an einem Diät-Buffet konnten wir uns bedienen. War aber nicht so unsere Sache.

Sensimar Side Resort & Spa an der Türkischen Riviera.

Ein Ober erkundigt sich nach unseren Getränkewünschen, wir können alles haben, Ayran, das türkische Joghurtgetränk, frischgepresste Säfte, Tee, Kaffee, Wein, Sekt und natürlich als Abschluss einen Anisschnaps, den Raki. Die Kellner verwöhnen uns, herrlich! 50 Gäste, alle in unserem Alter etwa, beäugen uns Neulinge und wir sie. Ob die auch Langzeiturlaub machen? Es trifft sich gut, dass das Hotel gleich bei unserer Ankunft zu einem Gala-Dinner einlädt. Erwünscht ist Abendgarderobe, die wir in weiser Voraussicht dabeihaben.

Wir sitzen an einem Tisch mit weiteren acht Gästen. Von Peter und Brigitte erfahren wir, dass alle derzeitigen Gäste Langzeiturlauber sind, sich viele bereits kennen, und sie selbst bereits seit vier Jahren den Winter in Side verbringen. Diesmal sind sie gleich zehn Wochen da. Gusti, mit 79 Jahren die Älteste, bleibt sogar drei Monate! Die meisten Langzeiturlauber im Winter kommen aus Deutschland, erfahren wir vom Guest Relations Manager, und sind in der Regel über 65.

Marktbesuche: Gerda und Norbert mit den Ganatäpfeln.

Der Wettergott ist in den nächsten Tagen launisch. Sonne wechselt sich ab mit Regen und Wind, Blitz und Donner. Es ist nicht kalt, aber etwas ungemütlich und so informieren wir uns über die angebotenen Aktivitäten im Hotel: Sali aus Deutschland und Özlem aus Istanbul, die perfekt Deutsch spricht und Bayern liebt, stellen jede Woche das Aktivprogramm zusammen, an dem sich jeder nach Lust und Laune beteiligen kann, von Tischtennis, Boccia und Dart bis zum holländischen Jakkolo-Spiel. Man kann sich mit Gymnastik im oder am Wasser fit halten, bei Yoga oder Qi-Gong entspannen, in der Gruppe walken oder Radfahren (es gibt einen Radverleih).

Wir beide schwimmen sehr gern, also nichts wie ab ins Hallenbad, jeden Tag um sieben Uhr früh eine halbe Stunde, dann noch Wassergymnastik und wir sind fit für den Tag.

Angenehm aufgefallen ist uns die Behindertenfreundlichkeit des Hotels. Es gibt vier Aufzüge, überall rollstuhlgerechte Rampen, im Hallenbad einen Lift ins Becken und am Strand geflieste Wege für Rollis.

Strandspiele: Jakkolo und Backgammon sind die Lieblinge der Langzeiturlauber.

Heiß begehrt ist Boccia am Strand. Nach kurzer Einführung geht es auch für uns zur Sache. Gar nicht so einfach, aber mit der Zeit können wir mithalten. Özlem bittet uns zum Jakkolo. Was ist denn das? Vor uns liegt ein langes Brett auf einem Gestell. Runde Holzscheiben müssen in eckige Durchlässe geschoben werden. Die „alten“ Langzeitler sind Profis. Und wir Neulinge? Blamabel unser Ergebnis! Doch der Ehrgeiz packt uns und am letzten Tag ist uns der 1. Platz sicher. Und eines ist klar: Boccia und Jakkolo haben uns das Tor zum „erlauchten Kreis“ der Winterflüchtlinge geöffnet.

Wenn wir keine Lust auf Aktivitäten haben, suchen wir uns aus der Bibliothek einen Roman aus und faulenzen bei einem Glas Cay, dem türkischen Schwarztee.

Alle türkischen Männer spielen bei jeder Gelegenheit Tavla (Backgammon heißt es bei uns). Wir möchten das lernen. Einmal in der Woche veranstaltet Özlem einen Spielenachmittag. Wir also nichts wie hin. Und so haben wir einen weiteren Zeitvertreib.

Basar in Antalya

Auch Gourmet-Kochkurse werden vom Hotel angeboten. Das interessiert uns, weil wir die türkische Küche mögen. Der Sous-Chef persönlich bemüht sich, uns Geheimnisse der türkischen Küche nahezubringen. Gefüllte Auberginen haben wir zubereitet und Börek, eine Pastete mit Hackfleisch, Tomaten und Käse.

So ab 17 Uhr überlegen wir uns, was wir heute Abend anziehen. Mindestens dreimal in der Woche gibt es Themenabende, mal asiatisch, mal türkisch, mal einen Galaabend, jeweils mit entsprechendem Essen und geschmackvoller Dekoration. Gepflegte Kleidung zu den Mahlzeiten ist für uns Langzeiturlauber selbstverständlich. Sollte garderobemäßig was fehlen – ein Minimarkt bietet alles, was man so braucht, um sich aufzuhübschen: schicke Tücher und Schals, Blusen und Modeschmuck. Im modernen Frisiersalon werden die Köpfe auf Vordermann gebracht.

Nach den Abendessen gehen wir meistens in eine der acht Hotelbars, besuchen eine Weinverkostung, schauen uns einen Film an, tanzen (leider nur zu deutschen Schlagern) oder besuchen einen Vortrag unseres rührigen Guest Relations Managers Dominik über Land und Leute, Sitten und Bräuche. Klassische Live-Musik bildet jeden Sonntag den Abschluss des Abendessens.

Das gute und üppige Essen ist gefährlich. Die Hosen zwicken bald, die Waage warnt: Bereits nach zwei Wochen haben wir je drei Kilo angefuttert. Sollen wir die Folterkammer (Fitnessraum mit Maschinen) aufsuchen? Oder die Köstlichkeiten am Buffet ignorieren? Nein, fasten können wir daheim. Lieber machen wir Wellness, gehen ins Hamam oder in die finnische Sauna und hoffen, dass wir die Pfunde wegschwitzen.

Wenn das Wetter es zulässt (tagsüber haben wir oft 16 Grad) faulenzen wir am Pool oder gehen am Strand spazieren, sammeln Muscheln und Steine. Katzen und Hunde begleiten uns. Erholung und Entspannung pur! Oder wir gehen, eine beliebte Abwechsung bei den Langzeitlern, Hotels schauen. Wir schließen uns ein paar Hotelführungen an und stellen fest, dass unser Hotel Klasse ist.

Die autofreie Küstenstraße ermöglicht uns lange Spaziergänge. Nach einem Kilometer sind wir in Kumkoy, einem Städtchen mit vielen Einkaufsmöglichkeiten. Die Geschäftsleute haben Zeit, laden zum Sitzen und Teetrinken ein. Man spricht Deutsch!

Wir spazieren dann zirka sieben Kilometer weiter und landen in der antiken Stadt Side. Für den Rückweg in unser Hotel nehmen wir einen Dolmus (Kleinbus). Einen Euro kostet die Fahrt.

Mit dem Dolmus, der alle zehn Minuten vor unserem Hotel hält, fahren wir auch immer montags nach Manavgat zum Markt, bummeln über den Basar und am Fluss entlang. Ein Dolmus fährt auch zu den Wasserfällen und weiter bis zur Endstation in das hoch gelegene Dorf Yaylaalan. Wir fahren einfach los und steigen aus, wenn wir Lust haben. Wenn wir hungrig sind, findet sich immer ein kleines Lokal.

Urlauber, die weiter rumkommen möchten, können von Manavgat aus mit Fernbussen nach Antalya oder Alanya fahren. Antalya ist ein Muss. Durch die Altstadt bummeln, zum Yachthafen schlendern, einen Tee trinken. Herrlich eine Fahrt mit der alten Tram, ein Geschenk der Stadt Nürnberg.

Unbedingt mitmachen sollte man die Fahrt nach Pamukkale zu den Kalksteinterrassen mit Besichtigung der antiken Stadt Hierapolis. Sie wird vom Hotel angeboten.

Ein Pflichttermin für jeden Türkeibesucher ist auch das fast vollständig erhaltene Theater von Aspendos. Und Perge sollte man anschauen mit den Resten des Stadttores und der Agora.

Unvergesslich ist eine Tour nach Kappadokien. Allein die Fahrt über das Taurusgebirge, vorbei an den vielen Seen! Zwei Tage sind für diese Fahrt angesetzt. Wir empfehlen auch eine Busfahrt entlang der Küste nach Myra zum Hl. Nikolaus und den lykischen Felsengräbern sowie eine Bootsfahrt nach Kekova, der versunkenen Stadt im Meer oder zum Köprülü-Canyon. Dort muss man unbedingt eine frisch gefangene Forelle probieren in einem der kleinen Restaurants am Fluss. Und hernach hinauffahren nach Selge, die Ruinen der alten Stadt anschauen und das Bergpanorama und die Stille genießen.

Wir haben keine Zeit mehr, der Urlaub geht zu Ende. Leider! Allen, die das garstige Wetter satt haben, können wir einen Langzeiturlaub in der Türkei nur wärmstens empehlen. Wir haben ihn in vollen Zügen genossen, haben viele nette Leute kennengelernt, Deutsche und Türken, und wir haben die türkische Gastfreundschaft erleben dürfen.

Allaha ismarladik, yakinda görüsmek üzere, cok ­güzeldi! Heißt: Auf Wiedersehen, bis bald, es war sehr schön!

Gerda Klarner-Breu, Norbert Breu

INFOS ZUM LANGZEITURLAUB

STICHWORT Von Langzeiturlaub spricht man ab einem Buchungszeitraum von vier Wochen. In manchen Hotels können auch schon 22-tägige Langzeiturlaube zu vergünstigten Konditionen gebucht werden.

REISEZIELE Langzeiturlaub wird vorwiegend in Zielgebieten der Flug-Mittelstrecke angeboten, inzwischen aber auch in Fernreisezielen wie Kenia oder Thailand. Beliebteste Länder für Winterflüchtlinge sind Spanien, die Türkei und die Kanarischen Inseln.

REISEZEIT Die meisten Langzeiturlauber flüchten vor dem deutschen Winter und fliegen zwischen November und Februar in die Sonne.

PREISBEISPIELE Unser Testhotel war das Sensimar Side Resort & Spa an der Türkischen Riviera. 28 Nächte in diesem Vier-Sterne-Plus-Hotel kosten mit Flug und All-inclusive-Verpflegung vom 20. November bis 18. Dezember ab 1385 Euro pro Person im DZ. Bei 42 Tagen liegt der Preis im Februar/März bei 1839 Euro, bei 56 Tagen von Januar bis März bei 2290 Euro. Info und Buchung über TUI, Im Reisebüro oder unter www.tui.de.

FLATRATE In 16 ausgewählten Hotels in Portugal, auf dem spanischen Festland, auf den Balearen, den Kanaren und in der Türkei bietet die TUI in dieser Saison erstmals eine Langzeit-Flatrate an. Ab einer Buchung von 85 Aufenthaltstagen sind die weiteren Tage innerhalb der Wintersaison kostenfrei.

SPECIAL Bei der TUI können Langzeiturlauber auch in dieser Wintersaison ab einem Aufenthalt von 60 Tagen einen kostenlosen Heimflug zwischendurch in Anspruch nehmen.

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