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Tui zählt weltweit rund 76.000 Mitarbeiter, davon gut 10.000 in Deutschland. Foto: Julian Stratenschulte

Buchungen gehe stark zurück

Tui bekommt Terror in Urlaubsländern zu spüren

Hannover - Mit etwa einer Million Türkei-Urlaubern rechnet Tui in diesem Jahr - nur noch halb so viel wie 2015. Die Einbußen machen dem Reiseunternehmen zu schaffen. Nun setzt der Konzern auf Spanien.

 Der weltgrößte Reisekonzern Tui bekommt die Terrorfolgen in der Türkei und Nordafrika deutlich zu spüren.

Die Sommerbuchungen für das Land am Bosporus seien im Vergleich zum Vorjahr bislang um 40 Prozent eingebrochen, sagte der künftig allein amtierende Tui-Chef Fritz Joussen vor der Hauptversammlung in Hannover. Zuvor fielen schon Tunesien und weite Teile Ägyptens als Urlaubsziele weg. Joussen glaubt dennoch an eine Gewinnsteigerung im laufenden Geschäftsjahr. Hoffnung macht ein Buchungsansturm auf Spanien samt den Kanaren, trüber sind die Aussichten bei der Container-Reederei Hapag-Lloyd.

Die Tui-Aktie sackte nach den Nachrichten ins Minus. Am Morgen verlor sie an der Frankfurter Börse 2,58 Prozent auf 13,605 Euro.

Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember ließ der schwierige Börsengang von Hapag-Lloyd den saisontypischen Nettoverlust der Tui um gut drei Viertel auf 184 Millionen Euro anschwellen. Der Konzern musste den Wert seiner verbliebenen 12,3-prozentigen Hapag-Beteiligung erneut nach unten korrigieren, nachdem der Aktienkurs bis zum Jahreswechsel kaum von der Stelle gekommen war. Tui hatte sich schon beim Börsengang weit mehr als die erreichten 20 Euro je Anteilsschein ausgerechnet. Doch die Schifffahrtsbranche kämpft mit Überkapazitäten und niedrigen Frachtraten.

Insgesamt läuft das Reisegeschäft besser

Im Reisegeschäft lief es trotz Terroranschlägen und Krisen insgesamt besser. Der Umsatz der Tui zog in den Monaten Oktober bis Dezember um gut fünf Prozent auf 3,7 Milliarden Euro an. Der um Sondereffekte bereinigte operative Verlust (Ebita) schrumpfte um drei Prozent auf knapp 102 Millionen Euro. Angesichts der Umstände sei dies ein "enorm starkes Resultat", sagte Joussen. Reiseveranstalter schreiben im Winter meist rote Zahlen. Geld verdienen sie erst in der Hauptreisezeit im Sommer.

Während die Tui-eigenen Kreuzfahrtschiffe und Hotels operativ Gewinne einfuhren, ließen der harte Preiskampf in Deutschland und ungünstige Wechselkurse den Verlust im Veranstaltergeschäft steigen. Dazu trug auch der Einbruch der Ägypten- und Tunesien-Buchungen bei.

Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende September will Joussen den bereinigten operativen Gewinn (Ebita) weiterhin währungsbereinigt um mehr zehn Prozent steigern. "Wir haben alle Effekte aus Tunesien und Ägypten verarbeitet, die das Ergebnis belastet haben", sagte er. Die Türkei als wichtigste Herausforderung stehe allerdings noch bevor. Der Terroranschlag in Istanbul mit zehn toten deutschen Urlaubern im Januar hatte die gesamten Türkei-Buchungen einbrechen lassen.

Joussen rechnet in diesem Jahr mit rund einer Million Türkei-Gästen, nur gut halb so viel wie im Vorjahr. Die wegbleibenden Gäste sollen Tui allerdings nicht verloren gehen. Von der Verschiebung profitierten die Hotels in Spanien, vor allem auf den Kanaren, sagte der Manager. Dort sei inzwischen kaum mehr etwas zu kriegen - und wenn dann zu recht hohen Preisen. Wegen der starken Nachfrage fielen zudem die sonst üblichen Rabatte im Last-Minute-Geschäft weg.

Unterdessen arbeitet die Tui-Spitze weiter am Verkauf der Tochter Hotelbeds, die Reisebausteine wie Übernachtungen und Ausflüge an Reiseveranstalter, Reisebüros und Online-Portale vermittelt. Die Liste der Interessenten sei "sehr, sehr lang", sagte Joussen. Der frühere Vodafone-Manager, der die Tui-Führung vor drei Jahren angetreten hatte, übernimmt nach der Hauptversammlung an diesem Dienstag allein den Vorstandsvorsitz.

Sein bisheriger Co-Chef Peter Long, der von der früheren Veranstaltertochter Tui Travel gekommen war, wechselt in den Aufsichtsrat. Seinen zunächst geplanten direkten Wechsel an die Aufsichtsratsspitze hatte die Tui-Führung im Vorjahr auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Grund nannte sie die in Deutschland und Großbritannien geltenden Regeln für gute Unternehmensführung.

dpa

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