Große Freiheit: Für die Natur erwies sich das einstige Sperrgebiet als Glücksfall. Die Landschaft wie hier im Nationalpark Neusiedler See, blieb weitgehend unberührt.
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Große Freiheit: Für die Natur erwies sich das einstige Sperrgebiet als Glücksfall. Die Landschaft wie hier im Nationalpark Neusiedler See, blieb weitgehend unberührt.

Fall der Mauer in Sopron

Der Weg in die Freiheit

In der Nähe der ungarischen Stadt Sopron flüchteten vor 25 Jahren mehrere hundert DDR-Bürger während des Paneuropäischen Picknicks. Der Eiserne Vorhang zeigte erste Risse.

Von der damaligen Grenze ist nicht mehr viel zu sehen, dafür erwartet Urlauber dort heute eine Stadt mit historischen Feinheiten und eine streng behütete Naturlandschaft.

Er steht an der Grabenrunde, einem Straßenring, der die historische Altstadt von Sopron umschließt. Der Brunnen wurde 2003 aufgestellt und symbolisiert die wechselvolle Geschichte der Stadt Sopron, die auf Deutsch Ödenburg heißt. Drei Figuren, vom Bildhauer Tamas E. Soltra in Sandstein gemeißelt, markieren die wichtigsten Ereignisse der Stadt: die Gründung im Jahr 1277, die Volksabstimmung von 1921 und die Grenzöffnung am 19. August 1989.

Wie ein Sporn ragt die westlichste Stadt Ungarns ins Staatsgebiet von Österreich hinein. Grund dafür waren die Grenzverschiebungen nach dem Ersten Weltkrieg. Die Bürger der Stadt durften 1921 darüber abstimmen, zu welchem Land sie gehören wollen. Obwohl viele deutschsprachig waren, fiel die Entscheidung zugunsten Ungarns aus. Später, unter kommunistischer Herrschaft, war die gesamte Region Sperrgebiet, Besucher durften nur mit Sondergenehmigungen einreisen.

Stadtführerin Renate Pajor beginnt ihren Rundgang durch das historische Stadtzentrum am Feuerturm. Er wurde im 13. Jahrhundert auf römischen Fundamenten errichtet und gilt als Wahrzeichen der Stadt. Es lohnt sich, zur Aussichtsplattform hinaufzusteigen, sie bietet einen wunderbaren Ausblick auf die grünen Hügel, die die Stadt umgeben.

Die meisten Sehenswürdigkeiten Soprons liegen in der autofreien Innenstadt: Der Fö ter, einer der schönsten Plätze Ungarns, die Benediktinerkirche, zahlreiche restaurierte Paläste und in der Mitte eine barocke Dreifaltigkeitssäule. Überall rundherum gibt es Cafés und urige Kneipen.

Nur wenig erinnert heute noch an die Sperranlagen an der Grenze zu Österreich. „Die Jugend heute weiß leider nur wenig über die Grenze“, bedauert Istvan Szigethi, der Bürgermeister des kleinen, direkt an der Grenze gelegenen Ortes Hegyko, der jetzt vor allem vom Tourismus lebt. Deshalb habe man einen kleinen Streifen mit den Grenzanlagen wiederaufgebaut, der anschaulich machen soll, wie der Eiserne Vorhang tatsächlich aussah, der sich von 1948 bis 1989 auf einer Länge von 356 Kilometern an der gesamten Westgrenze Ungarns entlangzog.

Riss im Eisernen Vorhang: Am 19. August 1989 flohen beim Paneuropäischen Picknick Hunderte DDR-Bürger nach Österreich.

Für die Natur erwies sich das einstige Sperrgebiet als Glücksfall. In Grenznähe durften weder Häuser noch Straßen gebaut werden, viele Flächen waren für eine landwirtschaftliche Nutzung nicht zugänglich – die Landschaft blieb weitgehend unberührt. In den wenigen noch erhaltenen Wachtürmen spähen heute Naturfreunde mit ihren Ferngläsern nach seltenen Vogelarten. „Sie können hier mehr als die Hälfte aller europäischen Vogelarten beobachten“, sagt Alois Lang vom Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel/Fertö-Hansag Nemzeti Park. „Vor allem Wasser- und Watvögel wie Reiher, Löffler sowie viele Enten- und Gänsearten nutzen das Gebiet als Brutplatz und als Zwischenstation auf dem Vogelzug.“ Der Nationalpark wurde 1993 gegründet und liegt wie der Neusiedler See auf beiden Seiten der Grenze.

Die Landschaft rund um den See zeichnet sich durch ausgedehnte Schilfgürtel und Wiesengebiete aus. Auf ihnen weiden blauäugige Weiße Esel und ungarische Steppenrinder. Um den Lebensraum für die Vogel- und Pflanzenwelt zu erhalten, wurde in Teilen des Parks jegliche Nutzung durch Fischerei oder Jagd eingestellt. Touristen dürfen sich nur auf festgelegten Wegen bewegen.

Sopron und das Tor zur Freiheit: Johann Göltl von der österreichischen Grenzwache und sein ungarischer Kollege Arpad Bella öffneten das Tor für das Picknick.

Wer den Nationalpark mit dem Fahrrad erkunden will, kann ein umfassendes Radwegenetz nutzen. Ein Abschnitt einer fast fertig ausgebauten Route, die grenzüberschreitend rund um den Neusiedler See führt, verläuft durch den Park. Rund 130 Kilometer lang ist die gesamte Rundstrecke, man kann den Weg aber auch mit einer Fähre über den See abkürzen. Die gut beschilderten Wege führen zumeist entlang des Schilfgürtels durch Feuchtwiesen und bieten immer wieder schöne Ausblicke auf den See.

Europäische Geschichte mit dem Rad erfahren, das ist das Motto des Iron Curtain Trails, der von der Barentssee im hohen Norden bis hinunter nach Bulgarien am Schwarzen Meer immer möglichst nah am einstigen Grenzstreifen entlangführt. „Wir werden zum 25. Jahrestag des Paneuropäischen Picknicks am 19. August ein weiteres Teilstück des Weges in Ungarn eröffnen“, sagt Andras Vissi. der sich in Sopron mit grenzüberschreitenden Projekten befasst. Auch der Ort des historischen Grenzdurchbruchs liegt an der Strecke. Ein Denkmal in Form einer geöffneten Tür symbolisiert den Weg in die Freiheit.

Detlef Berg

Die Reise-Infos zu Sopron

REISEZIEL Die Stadt Sopron liegt im Nordwesten von Ungarn, südwestlich des Neusiedler Sees, etwa 60 Kilometer von Wien und 220 Kilometer von Budapest entfernt. Sopron ist seit 1735 Universitätsstadt.

ANREISE Von München über Wien und den Neusiedler See. Insgesamt 470 Kilometer, rund fünfeinhalb Stunden Fahrzeit.

WEITERE INFOS Ungarisches Tourismusamt, Berlin, Tel. 030/243 14 60, www.ungarn-tourismus.de.

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