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Ohne Schuhe: Wanderführer Erhard Plosky ist auf seinen Touren immer barfuß unterwegs.

Wandern am Hochkönig

Barfuß auf den Berg

Wasserfälle, Almen und ein Barfuß- Wanderführer: Vier Tage lang dauert die Tour auf dem Königsweg am Hochkönig in Österreich. Als Proviant gibt's Zirbenschnaps und Bergkäse-Schokolade.

Erhard Plosky tapst barfuß durch einen kleinen Bach. „Ah“, seufzt er, als das Wasser zwischen seinen Zehen hindurchfließt. Der Österreicher mit Glatze und Tirolerhut, den alle hier duzen, ist so etwas wie die Attraktion der Region Hochkönig. Der Wanderführer ist stets barfuß unterwegs, auch auf dem Königsweg, den er gerade mit einer kleinen Reisegruppe beschreitet.

Der Weg führt an Almen vorbei, entlang des Hochkönig-Massivs. Wer ihn komplett bewältigen will, ist vier Tage unterwegs und legt 73 Kilometer zurück. Es ist eine anspruchsvolle Strecke, für die man eine gute Kondition braucht.

Nachtquartier: Die Erichhütte ist eines der Etappenziele der Wanderung.

Die Tour startet in dem kleinen Dorf Mühlbach am Hochkönig. Hier steht ein Wanderbus bereit, der Erhard und seine Gruppe zur Schweizerhütte bringt. Die Sennerei liegt auf 1500 Metern Höhe. Davor steht ein Kühlwagen auf der Wiese. Neugierig blicken die Wanderer hinein.

Dort rührt Senner Pauli Kreuzberger gerade eine gelbe Masse in einem Bottich um. Plötzlich schnappt sich der 58-Jährige einen Löffel, taucht ihn tief in das Glibberzeug ein und springt aus dem Wagen. „Patschen auf!“, befiehlt er einer verdutzen Wanderin und klatscht ihr Käsebruch in die Hand. Die Masse, die etwas säuerlich schmeckt, ist eine Vorstufe zum Käse.

Pro Tag schafft Pauli einen Laib. Er fertigt ihn nach altem Rezept aus 120 Litern Milch an. Vier Wochen lang lässt er so einen Laib reifen, bevor er ihn in seinem Laden verkauft. Dort bietet er Sorten wie Sauermilchkäse oder Bergbauern-Mozzarella an. Der Geheimtipp der Sennerei ist aber die Bergkäse-Schokolade, die Pauli gemeinsam mit einem Chocolatier herstellt.

Die Geschichte der Schweizerhütte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Einst versorgte sie die Bergleute, die hier Kupfererzbergbau betrieben, mit Butter und Käse. An diese Tradition erinnert der Erzweg, der von der Schweizerhütte aus an alten Stollen vorbeiführt. „Sogar die Kelten haben in der Gegend schon Kupfer abgebaut“, sagt Erhard stolz.

Kühe auf den Almen der Bergbauern.

Weiter geht's, die Wanderung führt jetzt bergab, über Wald- und Feldwege. Erhard achtet genau darauf, wo er hintritt. „Ich kann es mir nicht erlauben, dass ich mir die Zehen blutig haue“, sagt er. Seit vier Jahren ist er barfuß unterwegs. An manchen Tagen übertreibe er es zwar - dann seien seine Füße abends ganz heiß - aber davon abgesehen, tue es seiner Gesundheit richtig gut.

Nach einer halben Stunde Fußmarsch taucht die Windraucheggalm auf. Vor der Hütte, die 140 Jahre alt ist, serviert Peter Gschwandtner Krapfen und Zirbenschnaps, der aus den Zapfen der Zirbelkiefer hergestellt wird. „Frisch schmeckt er am besten“, sagt der 71-Jährige, der schon seit dem vierten Lebensjahr hier oben, in 1470 Metern Höhe, lebt.

Gestärkt geht es weiter, die Wanderung führt an Wiesen und Wasserfällen vorbei. An der Südwand des Hochkönigs-Gebirges liegt sogar noch Schnee. „Hoppla!“, ruft Erhard, als er mit einem Fuß stecken bleibt. Dann, nach zwei Stunden, taucht endlich die Erichhütte auf. Hier stärken sich die Wanderer mit Kaiserschmarrn und Schweinebraten und schlagen ihr Nachtquartier auf. Die Mehrbettzimmer sind rustikal eingerichtet. Auf Duschen müssen die Urlauber hier oben verzichten.

Am nächsten Tag übernimmt Barbara Hinterseer die Truppe. Die 47-Jährige mit den kurzen, blonden Haaren ist Expertin dafür, müde Wanderer anzutreiben. Das ist an diesem Tag auch dringend nötig, denn der schwierigste Part der Tour steht erst noch bevor: Es geht auf den Hundstein, den höchsten Grasberg Europas.

Der Weg führt über Wiese, Geröll und nasse Erde. Eine Wanderin sucht ungeschickt nach Halt. „Du musst die Füße steil aufsetzen, nicht schräg, sonst rutscht du ab“, sagt Barbara. Zu spät, die Wanderin liegt schon im Matsch. Zum Glück ist schon bald das Statzerhaus zu sehen, das auf 2117 Metern Höhe liegt. Von hier aus können die Wanderer das Hochkönig-Massiv überblicken. Sie genießen die Aussicht, löffeln Käseknödelsuppe und sind ein bisschen stolz auf sich - auch wenn sie den Weg mit Wanderschuhen zurückgelegt haben und nicht barfuß.

Von Merle Schmalenbach, dpa

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