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Ist man erstmal oben, sind alle Anstrengungen vergessen: Linn genießt fasziniert den Ausblick vom Weißhorn auf die Bletterbachschlucht.

Südtirol

Endloses Bergpanorama im Eggental

Das Eggental mit seinem endlos scheinenden Bergpanorama ist die sonnigste Region Südtirols. Im Winter vergnügen sich hier Skifahrer, im Sommer können Urlauber auf mehr als 500 Kilometern wandern.

„Sommer- und Wintertourismus halten sich die Waage“, sagt Helene Thaler vom Tourismusverein in Deutschnofen. Vor allem Deutsche urlauben im Eggental, aber auch Italiener und Schweizer. Zielgruppe sind alle Altersklassen. Denn wie unsere Reise beweist, werden auch kleine Wanderer mit der richtigen Motivation zu echten Abenteurern.

Der Blick auf den mächtigen Rosengarten-Latemar-Gebirgszug ist allgegenwärtig: Am Fuße des Latemars liegt Obereggen, im Winter das Zentrum des Ski-Sports. Wir nehmen den Panoramasessellift, um 600 Höhenmeter zu überbrücken. Geübte Wanderer steigen von der Bergstation Richtung Latemarhütte. Nach zweieinhalb Stunden Anstrengung wartet auf 2671 Metern Höhe ein majestätischer Weitblick.

„Ischt net mehr weit“

Wer mit Kindern unterwegs ist, findet tiefer im „Latemar.ium“ spannende Themenwege. Der Erlebnispark wurde im Juni eröffnet. Vor allem kleine Wanderer lassen sich durch die kurzen Etappen von Station zu Station prima motivieren. Dort werden zwischendurch Steine ertastet, das Baumtelefon ausprobiert und Adler mit dem Fernglas beobachtet – wenn sie sich denn zeigen. Auf dem Weg begleitet uns der faszinierende Kontrast von steilen Felswänden, uralten Bergwäldern und grünen Wiesen.

Für den Weg über den Bletterbach braucht Kjell dann doch Mamas Hilfe.

Den Gipfelsturm nehmen wir uns für das Weißhorn vor. „Hier hast du den schönsten Blick auf das Eggental“, kündigt uns Herbert Pichler an. Der ehemalige Tourismuschef führt als Ruheständler nun Wanderer und Journalisten durch die Region. Die kurze, aber steile Route führt über Wiesen und Bergkieferfelder zum Gipfelaufbau. „Ischt net mehr weit“, motiviert uns unser Wanderführer. Ansichtssache, wenn der kleinste Wanderer zwischenzeitlich streikt und Papa dann mit Übergewicht auf dem Rücken unterwegs ist. Der Schlussanstieg hat es in sich, doch am Gipfelkreuz auf 2.317 Meter Höhe vergessen die stolzen Kinder die Strapazen. „Wenn man hier Urlaub macht, muss man einen Gipfel bestiegen haben“, sagt Pichler. Das Weißhorn gehört daher zu den beliebtesten Touristenzielen.

Geschichte der Dolomiten

Vom Gipfel blicken wir herab auf die Bletterbach-Schlucht, den Grand Canyon Südtirols. Der Bergbach, der dem Weißhorn entspringt, hat diese faszinierende Landschaft in Jahrhunderten geformt. Die Schlucht verrät uns viel über die Geschichte der Dolomiten – hier türmen sich 280 Millionen Jahre Erdgeschichte auf. Die Felsen und Gipfel waren damals Korallenriffe im Meer. Die Kontinente schoben sich über Jahrmillionen übereinander und es entstanden die heute mächtigen Gebirgszüge.

Imposant ist auch der Blick am grün schimmernden Karersee.

In der Eiszeit vor rund 15.000 Jahren schuf der Bletterbach eine Schlucht in dieser Landschaft. Heute ist sie acht Kilometer lang, 400 Meter tief und ständig in Bewegung. Geologen haben die Veränderungen dauerhaft im Blick. Für Wanderer ist die Schlucht eine echte Abenteuerlandschaft. Der Weg durch das Flussbett begeistert vor allem unsere Kinder. Mehrfach überqueren wir den Bach, steigen über Felsen, entdecken versteinerte Spuren von Muscheln und Schnecken und staunen, wie das Wasser diese Landschaft geformt hat. Aber: Der steile Ab- und Aufstieg über unzählige Stufen kostet Kraft.

Den Kindern gönnen wir nach den Anstrengungen auch gemütliche Tage. Sigrid Thaler startet mit uns vom Wallfahrtsort Maria Weißenstein zur Blumen- und Kräuterwanderung. Die Botanikerin bestimmt Pflanzen am Wegesrand, kennt ihre Heilkräfte, lässt uns riechen und probieren. Während die Kinder Fichtenspitzen probieren, testen wir auf der Alm die schon unterwegs empfohlenen Brennesselknödel. Der ganze Halm im Knödel sieht gewöhnungsbedürfig aus – schmeckt aber prima.

Brennesselknödel und Hexensaft

Ganz im Gegensatz zum „Hexenkraut“, dass Eltern am Abend bei der Hexen-Nachtwanderung mit Lagerfeuer in Deutschnofen kosten müssen. Erst als wir die Pflanze schon im Mund haben, verrät uns Wanderführer Georg Häfner grinsend, worauf wir da kauen. Während die Kinder süßen Hexensaft schlürfen, begleitet uns auf der Suche nach der Hexe der Wemut-Geschmack im Mund.

Der „Sagenzauber“ ist ein Angebot speziell für Familien. Neben der Hexenwanderung geht es auf Schatzsuche an den Karersee. Das Bild von dem glasklaren Bergsee, in dem sich die grünen Fichten spiegeln mit dem Latemar im Hintergrund, ist das wohl berühmteste Landschaftsbild des Eggentals. Nach der Schneeschmelze im Frühsommer erreicht der Pegel seinen Höchststand. Ein wunderschönes Panorama, aber kein Badevergnügen. „Hier badest du nur eine Minute“, lacht Herbert Pichler auf unserem Rundweg am See. Die Wassertemperatur liegt bei fünf Grad. Wir belassen es lieber beim Fotografieren.

Michael Schlösser

Mehr Infos gibt es beim Tourismusverein Eggental www.eggental.com.

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