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Wohnen auf hohen Gipfeln.

Tradition bewahren

Einfach echt - Osttirol

Die Berge sind hier höher als anderswo, die Täler tiefer und die Flüsse wilder. Osttirol ist anders, seine Menschen auch. Originale sind das, authentisch und echt und manche die letzten ihrer Zunft.

Weil sich in den abgeschiedenen Bergdörfern halt auch die Traditionen besser bewahren. Acht Beispiele, wo Urlauber das erleben können:

Der 3000er-Sammler

Dieses kleine Land will nicht hoch hinaus, es ist es schon. 241 Dreitausender gibt es in Osttirol, dem selbstbewusst eigenständigen Teil von Tirol. Andreas Rofner (46) hat sie alle bestiegen. Fünf Jahre hat er dazu gebraucht. Seine Erfahrung in und mit der Natur bringt Rofner täglich ein als Ranger im Nationalpark Hohe Tauern, wo er Gäste begleitet. Auf einer Gletschertour, auf dem Knappentreck über historische Pfade der Bergleute, oder auf Wildtiersafaris zu Steinböcken. Gämsen, Murmeltieren und Adlern. Touren-Infos über die Nationalparkverwaltung in Matrei, Tel. 0043/4875-51610, www.hohetauern.at.

Der letzte Nachtwächter

Nachtwächter Helmut Egartner

Helmut Egartner ist der letzte Nachtwächter Österreichs und trotz seiner 64 Jahre immer noch zweimal pro Woche mit Helebarde und Laterne unterwegs in Obertilliach. Die Angst vorm Feuer sitzt tief in dem alten Haufendorf, in dem sich die Dächer der Holzhäuser fast berühren. Die Einheimischen bitten noch wie vor hundert Jahren jeden Sonntag bei der Messe um Bewahrung vor der Feuersbrunst. Wenn der Herrgott dann doch mal was übersieht, dann ist Nachtwächter Egartner zur Stelle. Wie neulich, als Kerzen auf dem Friedhof ein Holzkreuz entzündet hatten. „Ich kam grad noch rechtzeitig.“ Schon jetzt freut sich Egartner auf das europäische Nachtwächtertreffen, das 2016 in Obertilliach stattfindet. Sie werden sich viel zu erzählen haben, die Kollegen der Nacht.

Der Glücksschmied

Glücksschmied Rudi Duregger

Jeder ist seines Glückes Schmied, heißt es in einem Sprichwort. Rudi Duregger macht das sogar hauptberuflich, und für andere. Der 69-jährige Kunstschmied, der im historischen Stadtkern von Lienz in einer Schlosserei aus dem Mittelalter residiert, fertigt neben Grabkreuzen, Fenstergittern und Treppengeländern auch Hufeisen. Im Hosentaschenformat, damit der Mensch das Glück immer bei sich tragen kann. An Silvester stehen die Kunden in seinem Laden Schlange für die Glücksbringer. Aber ausverkauft waren sie noch nie. Dafür sorgt der Rudi schon. „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt“, sagt er aus tiefstem Herzen. Alte Schmiede, Lienz, Messinggasse 4, Tel. 0043/ 4852-63860.

Der Herr der Düfte

Die heilsame Kraft der Latschen und die Gewinnung des würzigen ätherischen Öls aus den Kiefernzweigen war den Osttiroler Bauern schon vor Jahrhunderten bekannt. Michael Unterweger erzählt gerne, wie sein Urgroßvater mit dem Latschenöl nach Barcelona und Brüssel und anno 1893 sogar zur Weltausstellung nach Chicago reiste. Und während er das erzählt, führt er seine Besucher durchs Vitalpinum, seinen 5000 Quadratmeter großen Wohlfühlgarten im Örtchen Assling, der alle Sinne anspricht. Riechen, schmecken und fühlen kann man die Kräuter hier. Die erste Tiroler Latschenölbrennerei von Urgroßvater Unterweger hat längst aufgerüstet und gewinnt die ätherischen Öle heute aus den verschiedensten Pflanzen. Einer der größten Kunden ist Grasse, die Parfümstadt in Südfrankreich, denen die Unterwegers regelmäßig beweisen, dass der Lavendel aus Osttirol durchaus mithalten kann mit dem der Provence. Vitalpinum, Assling, Tel. 0043/4855-81009. www.vitalpinum.com,

Der Bienenkönig

Bienenzüchter Thaddäus Stocker.

Monogamie ist nichts für diesen Mann. Thaddäus Stocker (46) wird umschwärmt von tausenden von Mädels. Dabei ist der Sicherheitstechniker aus Leisach nahe Lienz beileibe kein Playboy. Er ist Bienenzüchter. Einer von immer mehr Menschen, die sich zwischen Großglockner und Großvenediger mit den summenden Völkchen abgeben – und damit ihren Beitrag für den Erhalt der Natur leisten. „Wir brauchen die Bienen, um unsere vielfältige Pflanzenwelt zu erhalten“, weiß er. Und gibt das Wissen als Bezirksjugendreferent an Osttirols Imker-Nachwuchs weiter. Honig aus den Wäldern, von blühenden Kräuterwiesen oder den Hochalmen verkauft Thaddäus Stocker in seinem Bienenladen in Leisach. Osttiroler Bienenladen, Messinggasse 11, Lienz, Tel. 0043/664- 5335004.

Der Autor der Schnapsbibel

Schnaps-Experte Hans Pramstaller

Brennen heißt auf Osttirolerisch pregeln und der typischste aller Osttiroler Schnäpse ist der Pregler. Nach wie vor besteht er aus Äpfeln und Birnen, Hans Pramstaller, Autor der Osttiroler Schnapsbibel, verkauft in seiner Schnapsothek in Nussdorf-Debant aber auch die besten Brände aus Beeren, Enzian und Meisterwurz bis zur Haselnuss. Der Laden in Form eines riesigen Weinfasses weist auf den Ursprung des Familienunternehmens hin: die Fassbinderei. Die fünf Pramstaller-Brüder bilden noch Lehrlinge in dem traditionellen Handwerk aus. Schnapsothek im Fassl, Nußdorf-Debant, Verkostung gegen Voranmeldung unter Tel. 0043/4852- 62498.

Die Entschleunigerin

Bäuerin Regina Berger (im Bild re.)

Ihre Schüler, sagt Regina Berger, sind immer wieder für eine Überraschung gut. Kommen als blutige Anfänger direkt aus der Großstadt – und sind nach wenigen Stunden schon so entschleunigt, als ob sie immer da oben gelebt hätten auf dem Sonnenplateau im romantischen Virgental. Regina Berger vom Bartlerhof ist eine der Bäuerinnen im Nationalpark Hohe Tauern, die Urlaubspraktikanten aufnehmen. Das Heu von der Alm einholen, misten und melken, buttern und backen oder im Bergbauerngarten jäten, in dem 55 verschiedene Kräuter wachsen: alles ist möglich, nichts ist Zwang. Schließlich soll am Ende des Praktikums, das man mit Kost und Logis ab 195 Euro pro Woche buchen kann, nur eines stehen: Den Kopf frei bekommen und das echte Leben spüren. Regina Berger, Zedlach 9 Matrei, www.urlaubambauernhof.at/bartlerhof

Casanova der Küche

Sein Erfolgrezept sei „die Liebe, die man auf dem Teller spürt“. Gottfried Steiner, einer von zwölf Haubenköchen Osttirols, ist der personifizierte Beweis dafür, dass in einer ländlichen Urlaubsregion nicht nur deftige Bauernkost auf den Tisch kommt. Zusammen mit seiner Frau führt er das Gasthaus am Großvenediger auf 1312 Metern am Eingang des Bergsteigerdorfs Prägraten. In urtirolerischem Wohlfühlambiente mischt Steiner dort oben die hohe Kochkunst mit Bodenständigkeit. Auf der Karte stehen etwa Ragout aus Tiroler Berglamm, Gamsgulasch oder Rehbraterl. Und bei den Schlipfkrapfen, Teigtaschen mit einer Kartoffel-Kräuterfüllung, werden die braune Butter und der Käse separat gereicht, damit jeder selbst entscheiden kann, mit wie viel Kalorien er genießen will. Gasthaus Grossvenediger, St. Andrä 3, Prägraten, Tel. 0043/4877-5205.

Die Reise-Infos zu Osttirol

REISEZIEL Osttirol oder der Bezirk Lienz ist eine Exklave des Bundeslandes Tirol, die durch einen 9,5 Kilometer breiten Streifen Südtiroler und Salzburger Gebiet von Nordtirol getrennt ist. Osttirol ist mit 2000 Quadratkilometern kleiner als das Saarland (2500 Quadratkilometer) und hat nur 53 000 Einwohner. Im Schnitt kommen auf jeden Einheimischen nur sieben Gäste pro Jahr, ein Bruchteil des Massentourismus in anderen Alpenregionen. Haupttäler sind das Pustertal, das Isental, das Defereggental, das Virgental, das Kalser Tal und das Tiroler Gailtal. Große Flächen des Gebiets werden von der Nationalpark-Region Hohe Tauern und den Karnischen Alpen eingenommen.

ANREISE Von München nach Lienz sind es auf der Autobahn über Rosenheim und Kufstein und die Felbertauernstraße rund 220 Kilometer.

AKTIV Osttirol hat 450 Kilometer Radwege (Tipp: Genussradeln entlang der Drau), 530 Kilometer Mountainbikestrecken, eine Ganzjahresrodelbahn (Osttirodler in Lienz) und 2500 Kilometer markierte Wanderwege, darunter zahlreiche Themenwege wie den neu eröffneten Natur-Kraftweg Umbalfälle nahe des Bergsteigerdorfs Prägraten. Hier stürzt die Isel, die den Eis- und Schneefeldern in den Hohen Tauern entspringt und der letzte ungezähmte Gletscherfluss der Ostalpen ist, tosend zu Tal. Auf Plattformen kann man das Naturspektakel gut gesichert erleben.

WEITERE INFOS und Reisepakete über das Verkehrsamt von Osttirol in Lienz, Tel. 0043/50-212212 oder unter www.ostirol.com im Internet.

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