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Mit Spielzeug dekoriert ist der "Garten des heiligen Nikolaus" im Weihnachtsland.

Besinnliche Zeit

Zauberhafte Tradition - Weihnachten im Elsass

Die Weihnachtsmärkte im Elsass sind besonders prächtig. Die ganze Region verwandelt sich in ein romantisches Märchenland. Und das hat seit über 500 Jahren Tradition.

Draußen pfeift der Wind. Es ist kalt. Drinnen in der guten Stube des alten Fachwerkhauses eines Fischers sitzen zwei Frauen am Tisch, dick eingehüllt in viele Lagen Stoff, mit einer Wolldecke auf den Schultern und einer Haube auf dem Kopf. Der Kachelofen läuft auf Hochtouren. Kerzen verbreiten ein heimeliges Licht. Die beiden Frauen schwätzen miteinander, während sie am Häkeln und Sticken sind. So oder so ähnlich verbrachten einst im Elsass die Menschen die Vorweihnachtsabende. Authentisch stellt das Ecomusée d’Alsace in Ungersheim – zwischen Colmar und Mulhouse gelegen – diese besinnliche Zeit nach. Bis zum 4. Januar verwandelt sich Frankreichs größtes Freilichtmuseum in eines der sieben Weihnachtsländer im Elsass.

Weihnachtliche Tradition reicht bis ins Jahr 1570 zurück

Denn in der ostfranzösischen Region entlang des Rheins werden die weihnachtlichen Traditionen bis heute bewahrt und gelebt. Die elsässischen Weihnachtsmärkte verzaubern seit 500 Jahren. Sie sind ebenso märchenhaft wie authentisch. Man sucht dort seinen Weihnachtsbaum aus, geht mit der Familie spazieren oder kommt einfach nur, um die ersten Düfte des Fests einzuatmen. Von den größten Städten bis in die kleinsten Dörfer wirft sich jede Gemeinde in Schale, um ihren Weihnachtsmarkt in Szene zu setzen.

Insgesamt sind es fast 150 Märkte, die über die ganze Region verstreut kleine und große Besucher anlocken. Währen der Weihnachtszeit unterteilt sich die Region in die sieben elsässischen Weihnachtsländer. „Das Land der Aromen“ befindet sich in Straßburg und Umgebung.

Zum 445. Mal findet in diesem Jahr der Weihnachtsmarkt von Straßburg statt. Er gilt als der älteste Weihnachtsmarkt in ganz Frankreich und zählt zu den ältesten Europas. Vom traditionellen "Christkindelmärik" aus dem Jahr 1570 bis hin zu den zwölf thematischen Märkten, die über die ganze Stadt verstreut sind, hat es die europäische Hauptstadt Jahr für Jahr verstanden, Authentizität und Seele ihrer Weihnachtsmärkte zu bewahren.

Elsass - das Land des Weihnachtsbaums

Das Elsass gilt auch als die Wiege des Weihnachtsbaums. In der Humanistischen Bibliothek von Sélestat kann man unter den alten Büchern und Schriftstücken die erste schriftliche Erwähnung des Verkaufs von Tannenbäumen aus dem Jahr 1521 bewundern. In Sélestat und Umgebung ist denn auch „Das Land des Weihnachtsbaums“. Die übrigen Weihnachtsländer sind „Das Land der Legenden“, „Das Land der Lichter“ sowie „Das Land der Weihnachtslieder und -stoffe“ und schließlich noch „Das Land der Sterne“.

Wie die Menschen zu Beginn des 20. Jahrhundert in ihren Dörfern die Adventszeit erlebt und gelebt haben, erfahren derzeit die Besucher im Ecomusée d’Alsace – im Land der Weihnachtsabende. 72 Fachwerkhäuser -zwischen 1492 und dem 19. Jahrhundert errichtet- , die sonst abgerissen worden wären, sind hier wieder aufgebaut und komplett möbliert worden, erzählt Guy Macchi, einer der Mitbegründer des vor 30 Jahren eröffneten Ecomusées und einer von 150 Freiwilligen, die dem Freilichtmuseum nicht nur zur Advents- und Weihnachtszeit Leben einhauchen.

Lichterketten verwandeln das Elsass in ein Märchenland

Vier Wochen lang haben die Mitarbeiter und Helfer das Dorf weihnachtlich dekoriert und pünktlich zum ersten Adventswochenende im winterlichen Kleid gehüllt wieder eröffnet. Die Fassaden der Fachwerkhäuser zieren Gestecke mit Tannenzweigen, roten Brezeln, Herzen oder Sternen. Eine 5,5 Kilometer lange Lichterkette wurde aufgehängt. Überall stehen reich behängte Christbäume. Bei den abendlichen Rundgängen ab 17.30 Uhr können die Besucher hautnah erleben, wie die Bewohner um die Jahrhundertwende die Abende verbracht haben. Dazu schlüpfen die Freiwilligen in ihre jeweiligen Rollen. So kann man die Damen beim Handarbeiten beobachten, die Familie, wie sie sich für die Christmette am Heiligabend fein macht, die Schuster-Familie beim Bearbeiten der Holzschuhe oder zwei andere Damen, wie sie die Kartoffelsuppe zubereiten.

„Wir möchten aber die Zeit von damals nicht verklären, sondern zeigen, wie hart das Leben in diesen rauen Wintern war“, erläutert der Direktor des Ecomusée, Eric Jacob: „Damals war das zum Beispiel so, dass sich die Dorfbewohner abwechselnd besucht haben, zusammen gekocht oder gebastelt haben, um auf die Art und Weise Brennstoff, also Holz, zu sparen.“ Die so gelebte Geselligkeit war somit eine angenehme Begleiterscheinung des harten Winters.

Butterplätzchen backen wie anno dazumal

Bei täglichen Mitmachaktionen können die Besucher die Zeit von anno dazumal selbst erleben und die Weihnachtsbräuche von einst kennenlernen. Sie können Weihnachts- und Christbauschmuck basteln, Weihnachtsgeschichten lauschen, Krippenfiguren aus Ton töpfern, an kommentierten Spaziergängen teilnehmen oder auch Weihnachtsgebäck backen. Etwa die typischen „Bredala“. „Brötlein“, wie es aus dem Elsässischen eigentlich übersetzt heißt, erklärt Bäckerin Manon (23). Das sind Butterplätzchen, die mit Zimt, Nüssen oder Kakao verfeinert werden können. Während man heute in den Supermarkt geht und sich einfach die Zutaten holt, war das einst etwas aufwendiger. Die Butter beispielsweise musste früher in einem Butterfass von Hand „gebuttert“ werden, erklärt Manon.

Das typische Weihnachtsgebäck „Bredala“ zu deutsch „Brötlein“ im Ecomusée d’Alsace in Ungersheim. 

Für den Teig braucht man 250 Gramm Butter, 125 Gramm Zucker, zwei Eier und 500 Gramm Mehl. Wer einen schokoladenen Geschmack mag, gibt zwei Esslöffel Kakao dazu und erhöht auf 250 Gramm Zucker. Macht man Mandel-Bredala (250 Gramm gemahlene Mandeln), braucht man nur 150 Gramm Zucker. Ist der Teig fertig, muss er zwei Stunden kühlen, bevor man ihn ausrollen und die Plätzchen ausstechen kann. Die traditionellen Formen im Elsass sind Sterne, Herzen und Kreise. Eine weitere Variante ist, aus dem Teig Kugel mit einer Kuhle zu formen und nach dem Backen Marmelade hinein zu träufeln.

Im Ecomusée lernen die Besucher aber nicht nur die elsässische Weihnachtsbäckerei kennen, sondern auch die Figuren der Weihnacht. Hierzu hat Direktor Eric Jacob erstmals drei „Gärten“ von Künstlern gestalten lassen: den „Garten des heiligen Nikolaus“, ein mit Spielzeug dekorierter Zaubergarten, der an vergangene Kindheitstage erinnert und dem Schutzpatron der Kinder gewidmet ist; der „Garten des Hans Trapp“: ein düsterer, von Fackeln beleuchteter Ort am Wohnturm, wo der im Elsass bekannte böse Helfer des Nikolaus die Kinder in Angst und Schrecken versetzt; und „der Garten des Christkinds“, ein mysteriöser und poetischer Garten, der sich dieser symbolträchtigen und geheimnisvollen Weihnachtsfigur nähert. Abgerundet wird das „Weihnachtsland Ecomusée d’Alsace“ von Ausstellungen etwa über die elsässischen Weihnachtsbräuche, die Entwicklung der Christbäume (mit einem visionären Weihnachtsbaum für 2050) und die Krippe der Handwerker.

Von Sonja Thelen

Reise-Infos zu Weihnachten im Elsass

Anreise: Mit dem Zug (einmal tägliche direkte TGV-Verbindung von Frankfurt ins nahe Mulhouse), dem Auto oder dem Flugzeug. Mittwochs und samstags holt eine Pferdekutsche die Zugreisenden vom Bahnhof in Bollwiller ab.

Mehr Infos: Informationen über alle Programmpunkte während der bis zum 4. Januar dauernden Weihnachtssaison stehen im Internet. Dort finden sich ebenso Infos über die Eintrittspreise unter www.ecomusee-alsace.fr

Wohnen: In der Nähe vom Ecomusée liegt das Vier-Sterne Hôtel Les Violettes, Route de Thierenbach - 68500 Jungholtz Tél. : +33 3 89 76 91 19 www.les-violettes.com

Hotel in Straßburg: Best Western Hotel Monopole Metropole Straßburg – ein charmantes Drei-Sterne-Haus, mit einer wunderschön historisch eingerichteten Bar und Frühstücksraum, zentral gelegen. Die Straßburger Altstadt ist fußläufig schnell erreichbar, ebenso der Hauptbahnhof. 16 Rue Kuhn, 67000 Strasbourg, Telefon: +33 3 88143914, www.bestwestern.com

Buch-Tipp: Susanne Tschirner, „Elsass” in der Reihe Dumont-Direkt, 2013, 120 Seiten, 9,99 Euro

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