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Wolkenkratzer im Wüstenstaat: Der Burj Dubai ist mit 828 Metern das höchste Gebäude der Welt.

Weitblick im Wüstenstaat

Es ging um höhere Ziele. Als Sportreporter Andreas Werner den FC Bayern jüngst ins Trainingslager nach Dubai begleitete, nutzte er die Gelegenheit, um sich vom Burj Dubai, dem soeben eröffneten höchsten Turm der Welt, einen Überblick zu verschaffen.

Von unten ist der Anblick gigantisch. Mögen manche fasziniert sein von den Rekordzahlen, die den Burj Dubai in Rekordzahl umgeben – mich beeindruckt am meisten die architektonische Leistung, dass man dem Bauwerk all seine Rekordzahlen nicht ansieht. Würde man die Außenfläche des größten Gebäudes der Welt auf dem Erdboden ausbreiten, könnte man damit 17 Fußballfelder abdecken. Doch legt man am Fuß den Kopf in den Nacken, um seinen Blick die 828 Meter bis zur Spitze hinaufgleiten zu lassen, wird man keineswegs erschlagen von einem Monster aus Stahl und Beton.

Obwohl hier eine Baumasse mit dem Gewicht von 100 000 Elefanten aufgetürmt wurde, wächst der Burj Dubai wie ein schlanker Stalagmit in den Himmel. Er ist die Rakete unter den Wolkenkratzern dieser Welt, und er passt damit von seinem Zementsockel bis zu seiner Himmels-Nadelspitze zu diesem Wüsten-Emirat, in dem Eleganz und Glamour ihre Lieblings- Oase gefunden haben.

Höhenangst? Sportreporter Andreas Werner ohne Bammel auf dem Burj Dubai.

Im Museum in der Fußsohle des Burj Dubai wird der Blick durch ein faustgroßes Visier steil nach oben gelenkt, in die Höhe rauf aufs Besucherplateau im 124. Stock, durch ein Fenster im Dach des Eingangsbereichs, der wie ein futuristischer Flughafen wirkt. Und da soll ich rauf? Ein bisschen Bammel habe ich schon. Aber als Journalist muss man ja auch mal dahin, wo es wehtut. So erreicht die Story im wahrsten Sinn eine gewisse Fallhöhe. Und neugierig bin ich ja auch. 100 Dirham kostet der Spaß, das höchste Haus der Welt zu bereisen. Man muss derzeit mit Wartezeiten bis zu 24 Stunden rechnen. Vielen Menschen ist das Spektakel die umgerechnet 20 Euro wert. In 470 Metern reflektiert die Balustrade der Aussichtsplattform die Mittagssonne, es ist die höchste Touristenattraktion auf dem Globus. Vor ein paar Jahren bin ich kläglich gescheitert, die Spitze der Sagrada Familia (112 Meter) zu erklimmen.

DER TURM IN ZAHLEN

Der Burj Dubai ist mit 828 Metern das höchste Gebäude der Welt. Es überragt den bisherigen Rekordhalter, den Taipeh 101, um 300 Meter. Das Gebäude hat 160 Stockwerke und 57 Aufzüge.

Mit Schwindelgefühlen musste ich auf der Wendeltreppe der Basilika von Barcelona einen entwürdigenden Rückzug antreten, während rüstige Rentner wacker an mir vorbeistapften. Im Burj Dubai gibt es keine Treppen. 54 Aufzüge schießen die Gäste in die Höhe, mit zehn Metern pro Sekunde sind sie die schnellsten der Welt. Die Aufzüge sind eng, sie fassen rund 15 Personen. Aber es geht so rasant rauf, dass kaum Zeit für klaustrophobische Anfälle bleibt. Sobald die Fahrt in die Wolken beginnt, erhellen flimmernde Werbemonitore das Kabinendunkel, aus Lautsprechern beruhigt langsame Musik. Wie im Flugzeug nimmt der Druck auf die Ohren zu, aber nur kurz, dann entlässt einen der Aufzug auch schon ins Plateau über der Glitzerstadt. Der Burj Dubai ist am Boden 95 Kilometer weit zu sehen – wie weit man aber von oben aus schauen kann, begrenzt die Wetterlage.

Burj Dubai - Wettlauf der Wolkenkratzer

Burj Dubai  - Wettlauf der Wolkenkratzer

An guten Tagen kann man am Horizont die Landmasse des Irans erkennen, verlässlich und deutlich zeichnet sich stets die künstliche Insellandschaft „The World“ vor der Küste ab. Bei einem Dubai-Besuch vor ein paar Jahren galt es als Mutprobe, wer sich in den rundumverglasten Aufzügen der Emirates Towers am weitesten nach oben zu fahren traute – vom Burj Dubai aus minimiert nun der majestätische Blick die monströsen Doppeltürme dieses Hotels zu Architektur- Liliputanern. Bammel ist unbegründet – Schwindelgefühle stellen sich nicht ein, obwohl es vorkommen kann, dass selbst Flugzeuge unterhalb des Plateaus den Himmel kreuzen.

Die Aussichtsterrasse umgibt eine zwei Meter hohe Glasfassade, wer herunterfallen möchte, muss ein Genie an Einfallsreichtum sein. Bis zum Boden sind es mitunter neun Grad Temperaturunterschied, doch man friert hier oben nicht. Die arabische Sonne hat Kraft, und der Wind zupft nur sanft an den Haaren, es herrscht fast friedliche Ruhe hoch über der Hektik der Millionen-Metropole. Die Menschen an meiner Seite strahlen ausnahmslos.

Und die Menschen da unten? Wie Playmobilfiguren in einer Spielzeuglandschaft sehen sie aus, allen voran die Bauarbeiter in ihren blauen Overalls und gelben Helmen, die weiter eifrig rund um den Turm tätig sind. Die vertikale Stadt soll mal 12 000 Bewohnern Platz bieten, die Etagen werden erst in Etappen bezugsfertig, noch ist der Gipfel der menschlichen Schaffenskraft nicht vollendet. In Zeiten der Wirtschaftskrise, die auch in Dubai die Immobilenpreise einstürzen ließ, ist nicht sicher, ob der Turm jemals voll ausgelastet wird. Eine Frage, deren Antwort in den Sternen steht. Mag der Anblick des Burj Dubai gigantisch sein – der Ausblick auf die Zukunft ist es vermutlich nicht.

Andreas Werner

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Das Emirat Dubai liegt auf der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf und ist mit 3885 Quadratkilometern und 1,7 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Emirat der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

ANREISE Lufthansa und Emirates fliegen täglich von München nach Dubai. Bei der Lufthansa liegt der derzeit günstigste Tarif für den Hin- und Rückflug bei 588 Euro, bei Emirates kostet er 357 Euro. Im Internet: www.lufthansa.com bzw. www.emirates. com.

BURJ DUBAI Die Arbeiten für den Burj Dubai, der seit der Eröffnung offiziell Burj Khalifa heißt, begannen im Jahr 2004, das Gebäude wurde am 4. Januar 2010 eingeweiht. Schätzungen zufolge verschlang der Turm rund zwei Milliarden Euro. 54 Aufzüge verbinden die 189 Stockwerke, und für die Strecke von 500 Metern benötigt der schnellste Lift 55 Sekunden. Um das Gebäude herum entstand ein neues Viertel mit Hotelkomplexen und der Dubai Shopping Mall. Abends sorgt ein Springbrunnen mit bis zu 150 Meter hohen Fontänen für Aufsehen – das größte Wasserspiel der Welt.

WOHNEN In den unteren 37 Etagen des Burj Dubai entsteht auf insgesamt 40 000 Quadratmetern das exklusive Armani-Hotel mit 160 Suiten, 144 Einzel- bzw. Doppelzimmern, fünf Restaurants, Spa und Nachtclub. Es soll am 18. März eröffnet werden, Online- Buchungen sind ab Ende Januar möglich unter www.armanihotels.com. Insgesamt werden in dem Turm mit 43 Büros und 1044 Appartements 12 000 Menschen leben können.

EINTRITT Besucher zahlen 100 Dirham (20 Euro, Kinder unter drei Jahren frei), um zur Aussichtsplattform fahren zu können. Auf dem Weg passiert man das Museum des Burj Dubai, das in drei Kapiteln über Zahlen, Fakten und Entstehung des Bauwerks aufklärt. Derzeit muss man damit rechnen, Tickets einen Tag im Voraus kaufen zu müssen. Wer nicht warten will, kann für 400 Dirham ein Blitz-Ticket erwerben, mit dem sofort Zutritt gewährt wird. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 22 Uhr, am Wochenende 10 bis 24 Uhr. Der Eingang befindet sich im Lower Ground Level der Dubai Mall. Die Aufzüge fassen 14 Personen und fahren jede halbe Stunde. In weniger als einer Minute ist man oben. Wie lange man auf der Plattform bleiben möchte, ist einem selbst überlassen.

WEITERE INFOS über das Emirat Dubai bei Dubai Tourism in Frankfurt, Tel. 069/10 00 20, www.dubaitourism.de.

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