Kanarienvogel Museum im Harz
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Vogelhäuser im Harz: Jochen Kläh zeigt im Kanarien-Museum in Sankt Andreasberg historische Käfige.

Hier piept’s wohl!

Das Kanarien-Museum im Harz

Der „Harzer Roller“ ist unter Käseliebhabern bekannt. Vogelfreunde dürften bei der Bezeichnung aber eher an die im Oberharz gezüchteten Kanarienvögel denken.

In Sankt Andreasberg ist den Piepmätzen ein Museum gewidmet – und das ist einzigartig.

Die Holzstufen im alten Schachtgebäude knarren. Es geht steil aufwärts. Dann macht Jochen Klähn eine einladende Handbewegung und winkt die Besucher an sich vorbei. „Da sind wir. Dies ist das einzige Kanarien-Museum in Deutschland“, sagt dessen Chef.

Der schwarz-gelb gefiederte Kanarienvogel "Hansi"

Und dann strömen die Informationen über die beispiellose Sammlung aus Klähn heraus: Zu historischen Käfigen, Nestern, Tränken, Zuchtschränken, Volieren, Plaketten oder Plakaten – der Museumsleiter weiß zu allen Exponaten kleine Geschichten zu erzählen. Und von denen gibt es eine ganze Menge: Im sogenannten „Gaipel“ der Grube Samson des früheren Oberharzer Bergwerksstädtchens Sankt Andreasberg befinden sich inzwischen weit mehr als 10 000 Ausstellungsstücke.

„Etwas Vergleichbares gibt es sonst nirgendwo“, sagt Dieter Wirges vom Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbund. Die Sammlung sei einzigartig. „Und jedes Jahr kommen weitere Exponate hinzu“, berichtet Museums-Chef Klähn erfreut. Immer wieder überlassen Sammler und Kanarien-Freunde aus aller Welt dem Museum ihre Kostbarkeiten. Jüngster Zugang: eine Vitrine mit Kanarienvögeln aus Porzellan.

Kanarienvogel-Museum in St. Andreasberg

Dass die Ausstellung ausgerechnet in Sankt Andreasberg zu sehen ist, hat seinen Grund. Die Bergstadt war lange Zeit das Weltzentrum der Kanarien-Zucht. Vor knapp 300 Jahren hatten zugewanderte Tiroler Bergleute die kleinen gelben Piepmätze mit nach Sankt Andreasberg gebracht. Die empfindlichen Vögel halfen ihnen dabei, unter Tage rechtzeitig Sauerstoffknappheit zu bemerken. „Fiel ein Vogel um, wusste der Bergmann, dass es höchste Zeit ist, den Schacht zu verlassen“, sagt Klähn.

Schon bald merkten die Harzer Bergleute aber auch, dass sich mit den Vögeln gute Geschäfte machen ließen. Wegen ihres Gesanges beliebt, wurden die Kanarien zum Verkaufsschlager. Die Oberharzer Knappen züchteten schließlich so viele Vögel, dass sie diese in alle Welt exportieren konnten.

In speziellen Tragegestellen schleppten Träger gleichzeitig mehr als 200 kleine Käfige mit je einem Vogel bis nach Hamburg, wo sie in die weite Welt verschifft wurden. Alleine 1882, so heißt es in einer alten Andreasberger Chronik, seien 180.000 Vögel verkauft worden, davon etwa 20.000 in die USA, andere nach Südafrika oder Australien. Dabei verkauften die Oberharzer stets nur Hähne, damit nicht auch andernorts Kanarien gezüchtet werden konnten.

Für den Tourismus in der Region habe das Kanarien-Museum in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, sagt Eva Ronkainen vom Harzer Tourismusverband. Inzwischen kommen jährlich an die 15.000 Besucher. Tendenz: Steigend.

Der wohl schönste und vor allem bei jüngeren Besuchern beliebteste Raum der Ausstellung ist eine originalgetreu nachempfundene Harzer Bergmannsküche aus dem 19. Jahrhundert. Dort sind in historischen Käfigen auch lebende Kanarienvögel untergebracht. „So wie es früher bei den Sankt Andreasberger Bergleuten üblich war“, sagt Klähn.

Star unter den Tieren ist ein Kanarienvogel mit schwarz-gelber Federung. „Hansi“ trägt nicht nur dieselben Farben wie Borussia Dortmund. Er war auch ähnlich erfolgreich. Bei der Kanarienvogel-Weltmeisterschaften im Singen hat er es kürzlich bis zum Vize-Champion gebracht.

Matthias Brunnert

Die Reise-Infos

REISEZIEL Der Luftkurort Sankt Andreasberg liegt im Oberharz, hat rund 1750 Einwohner und gehört seit 2011 zur neugebildeten Stadt Braunlage. Vom 16. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war Erz- und Silberbergbau der wichtigste Wirtschaftszweig, heute sind dies Kurbetrieb und Tourismus.

ANREISE Mit dem Auto von München über die A 9 und A 38 und weiter auf B 4 und B 27 bis Sankt Andreasberg. Entfernung: knapp 600 Kilometer.

WOHNEN In Sankt Andreasberg gibt es mehrere Drei-Sterne-Hotels sowie Ferienwohnungen und Pensionen. Auskunft und Buchung bei der Tourist-Information, Adresse siehe unten.

KANARIENVOGEL Die Tiere stammen ursprünglich von den Kanarischen Inseln (daher der Name), den Azoren und Madeira. Schon vor rund 500 Jahren wurden sie als Haustiere domestiziert. Eine der bekanntesten Arten ist der gelbgefiederte Harzer Roller, der nach seiner rollenden, sehr melodischen Art zu singen so genannt wurde und als Zuchtvogel sehr beliebt ist.

MUSEUM Geöffnet täglich von 9 bis 12.30 Uhr und 13 bis 16 Uhr (im Winter verkürzt), Eintritt Erwachsene 2,75 Euro, Kinder 2 Euro, Harzer Roller-Kanarien-Museum Sankt Andreasberg, Tel. 055 82/12 49, www.harzer-roller.de.

AUSKUNFT Tourist-Information Sankt Andreasberg, Tel. 055 82/ 803 36, www.oberharz.de.

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