Flughafen
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Der Flughafen in Stuttgart soll bald nach seinem Alt-OB benannt werden. Das ist ein Problem.

Erwin oder Manfred?

Stuttgarter Flughafen: Rummel um Rommel

Stuttgart - Wenn ein Flughafen einen neuen Namen bekommt, kann der Vorname des Patrons von entscheidender Bedeutung sein. In Stuttgart ist deswegen ein Streit entbrannt.

Auf Manfred Rommel lassen die Stuttgarter nichts kommen. Viele verehren ihren vor gut einem halben Jahr gestorbenen Alt-OB vor allem als Wächter der Toleranz. Keine Frage, dass man - wie geplant - einen Flughafen nach ihm benennen könnte. Das Pikante an der Namenswahl ist jedoch Manfred Rommels Vater: Generalfeldmarschall Erwin Rommel (1891-1944), der wegen seines Einsatzes während des Afrika-Feldzugs als „Wüstenfuchs“ bekannt und zum wichtigen Bestandteil der Nazi-Kriegspropaganda wurde. An welchen Rommel mag ein Amerikaner oder Japaner denken, wenn sein Flieger in Stuttgart landet? An den NS-Offizier - oder an seinen Sohn?

Ein „Geschmäckle“, wie man hier am Neckar sagt, hat der Name für Auswärtige schon. Ein Bauchgrimmen lässt sich nicht wegdiskutieren. Aus Leserbriefen in Zeitungen werden Aussagen zitiert wie: „Ich schäme mich in Grund und Boden, wenn ich das nächste Mal Freunde in Israel besuche und an meinem Koffer das Namensschild Rommel baumelt.“

Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, gab es zwischenzeitig sogar die Überlegungen, Deutschlands sechstgrößten Airport den gestelzten Namen „Oberbürgermeister-Rommel-Flughafen“ zu geben. Andere wollten auf „Theodor-Heuss-Flughafen“ umschwenken. Am 15. Juli entscheidet der Aufsichtsrat des Flughafens über den Namen.

Ähnliche Debatten über Flughafennamen sind zumindest dem Flughafenverband ADV nicht bekannt. Sicher gebe es immer mal Stimmen, denen etwa die Namen Franz Josef Strauß (CSU) für den Flughafen in München oder Willy Brandt (SPD) für den neuen Hauptstadtflughafen in Berlin „ein rotes Tuch“ seien. Letztlich spiele die Bezeichnung aber gar keine große Rolle. Namensgebungen seien „lokale, symbolpolitische Akte“, sagt ADV-Sprecher Björn Potulski. Wer weiß schon, dass der Flughafen Berlin-Tegel nach Luftfahrtpionier Otto Lilienthal benannt ist?

Entscheidend für die Orientierung sei ohnehin der Ortsname und der internationale Buchstaben-Code wie MUC für München oder STR für Stuttgart. Der baumele nämlich auch am Gepäck, so Potulski. Wie ein Airport heiße, bekomme der normale Fluggast gar nicht mit. Es sei denn, er landet auf dem New Yorker Flughafen JFK (für John F. Kennedy) oder auf dem CDG (Charles de Gaulle) in Paris.

Namen mit Kriegsvergangenheit lösen gerne mal Diskussionen aus: Raumfahrt-Visionär Wernher von Braun (1912-1977) etwa gilt inzwischen nicht mehr als geeignetes Vorbild für Schüler. Als wohl letzte Wernher-von-Braun-Schule in Deutschland legte die Gesamtschule im osthessischen Neuhof den Namen des umstrittenen Raketen-Ingenieurs ab. Von Braun hatte für die Nazis die V2-Rakete entwickelt, die als Wunderwaffe gepriesen worden war. Datenjournalisten machten kürzlich allein in Berlin 750 Straßen mit Namen aus 40 Kriegen aus.

Münster beschäftigte sich über Jahre kontrovers mit dem Namen Hindenburgplatz, benannt nach dem einstigen Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Der Platz wurde 2012 zum Schlossplatz, ein Bürgerentscheid gegen die Umbenennung scheiterte.

Im besonderen Stuttgart-Fall war es am Ende der Grüne Fritz Kuhn, Manfred Rommels Nach-Nachfolger als Oberbürgermeister, der mit Einverständnis der Familie Rommel eine überwältigende politische Mehrheit für den Titel Manfred-Rommel-Flughafen organisierte. Auch ein Beleg dafür, wie allumfassend die Verehrung des CDU-Politikers ist, der zu Zeiten des RAF-Terrors bundesweit bekannt wurde. Nach dem Selbstmord mehrerer Terroristen im Gefängnis Stammheim 1977 ließ er diese in Stuttgart bestatten. „Mit dem Tod muss die Feindschaft enden“ - dieses Rommel-Zitat ging um die Welt.

Dem gegenüber steht sein Vater, der „Wüstenfuchs“, den die Nazis für seine Taten als Oberbefehlshaber beim „Afrika-Feldzug“ überhöhten. Rommel war für die Propaganda der Nazis wie geschaffen. Porträts des ehrgeizigen, kühnen, eigenwilligen und listigen Feldherrn zierten unzählige Postkarten und Poster. Vorzugsweise in Baden-Württemberg sind eine ganze Reihe Straßen und auch Kasernen in Deutschland nach dem NS-Offizier benannt, den die Nazis nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 in den Suizid trieben.

dpa

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