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Joachim Löw in Brasilien.

WM-2014

Das Brasilien des Jogi Löw

Brasilien ist mit 8,5 Millionen Quadratkilometern das fünftgrößte Land der Welt. Was Jogi Löw und die deutschen Spieler bestenfalls davon sehen werden, wenn alles glattläuft und sie bis ins WM-Endspiel kommen:

1. SALVADOR DE BAHIA

Deutschland bestreitet am 16. Juni sein erstes WM-Spiel in Salvador de Bahia. Die brasilianische Küstenmetropole mit ihren prachtvollen Kolonialbauten ist eine der exotischsten Städte des Landes. Viel dreht sich hier um Musik. Überall auf den Straßen und an den Stadtstränden tanzen die Menschen zu heißen Samba- und Forró-Rhythmen. Wer auf der Praça da Sé oder dem beliebten Terreiro-de-Jesus-Platz den Capoeira-Gruppen zuschaut, dem wird schnell klar, dass Musik aus Salvador vor allem auch afrikanische Musik ist. Die Lieder stammen noch von den Sklaven. In keiner brasilianischen Stadt ist die afrikanische Kultur so präsent wie in Salvador. Über 200 Jahre machten die Portugiesen die Stadt zum Hauptumschlagsplatz afrikanischer Sklaven, dessen Nachfahren noch heute rund zwei Drittel der 2,7 Millionen Einwohner ausmachen. Nach Rio de Janeiro findet in Salvador Brasiliens buntestes Karnevalsfest statt.

2. FORTALEZA - Im Land der Sonne

Fortaleza ist die Provinzhauptstadt der Region Ceará, die auch Terra do Sol, Land der Sonne, heißt. Schwülheiße 30 Grad Tagestemperatur sind hier im Nordosten Brasiliens normal. Die Tage, an denen es mal regnet, kann man an einer Hand abzählen. Das könnte für die deutsche Mannschaft am 21. Juni im WM-Gruppenspiel gegen Ghana zum Problem werden.

An Sehenswürdigkeiten hat die 2,4 Millionen Einwohner zählende Küstenmetropole wenig zu bieten. Ein historisches Altstadtviertel gibt es nicht. Fortalezas Stärke sind die Strände, insgesamt sind sie fast 34 Kilometer lang. Doch sie sind überfüllt, laut und von Hotelkomplexen umgeben. Berühmt berüchtigt ist Fortaleza für sein Nachtleben in den vielen Bars und Discos am Iracema-Strand. In letzter Zeit ist die Polizei vehement gegen den ausufernden Sextourismus vorgegangen.

3. RECIFE - Das Venedig Brasiliens

Wegen ihrer Kanäle und Brücken wird Recife auch das Venedig Brasiliens genannt. In Recife schauen beim Spiel gegen die USA am 26. Juni sogar Angela Merkel, Sebastian Vettel und Barack Obama zu. Den „Staatsbesuch“ hat Leoando eingefädelt, Hersteller der sogenannten Bonecos Gigantes. Die Riesenpuppen aus Pappmaché fehlen auf keinem Volksfest und sind fester Bestandteil der Karnevalsumzüge. Gegründet wurde Recife 1630 von den Holländern. Sie legten damals die Mangrovensümpfe trocken und bauten die Kanäle, auf denen man Bootsfahrten machen kann. Recife Antigo ist das historische und kulturelle Zentrum der Stadt. Auf dem Marco Zero Platz am Hafen findet das WM-Fanfest statt. Der schönste Stadtstrand ist der Boa Viagem.

4. PORTO ALEGRE - Die Stadt der Gauchos

Die 1,4-Millionenstadt ist die Hauptstadt der Gauchos, wie Brasilianer aus dem Süden auch genannt werden. Der Bundesstaat Rio Grande do Sul, dessen Zentrum Porto Alegre ist, lebt hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehzucht. Legendär sind die Churrascarias, die Grillrestaurants, die brasilianisches Rindfleisch am Spieß servieren. Deutschland tritt am 30. Juni in Porto Alegre zum Achtelfinale an.

5. RIO DE JANEIRO - Unruhe im WM-Herzstück

Ausgerechnet in Rio, wo am 4. Juli das Viertelfinale stattfindet und am 13. Juli das Finalspiel, ausgerechnet an der weltberühmten Copacabana war es im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Favela-Bewohnern und der Polizei gekommen. Dabei sollte Copacabana, das Vorzeigeviertel von Rio de Janeiro, das Herzstück der Fußball-WM werden. In den Nobelhotels wohnt ein Großteil der Touristen, inklusive der FIFA-Funktionäre und Staatsgäste. Am Strand steigt die große Public-Viewing-Party der FIFA. Lebenslust und Frust liegen in der Hochburg des brasilianischen Karnevals so nah beieinander. Seit Jahren sorgt eine Befriedungstruppe der Polizei in den Favelas für Ruhe und Ordnung. Derartige Ausschreitungen wie vor der WM gab es in Copacabana seit Beginn des Befriedungsprozesses 2008 nicht mehr. Ganz im Gegenteil: Die dortigen Favelas galten als sicher. Ein regelrechter Favela-Tourismus etablierte sich, Urlauber übernachteten auch in den dort eröffneten Gästehäusern.

6. BELO HORIZONTE - Milde Temperaturen und guter Käse

Im Estadio Mineirao von Belo Horizonte, dem drittgrößten Wirtschaftszentrum Brasiliens, findet am 8. Juli das Halbfinale statt. Die Stadt mit 2,4 Millionen Einwohnern liegt auf 850 Metern Höhe, umgeben von den Bergen der Serra do Curral. Sie ist berühmt für ihre deftige Mineiro-Küche, vor allem der Käse aus Belo Horizonte ist legendär. Die Temperaturen liegen im Juni/Juli etwa zwischen 13 und 25 Grad.

7. BRASÍLIA - Am Reißbrett geplant

Brasília ist seit 1960 Hauptstadt Brasiliens und zählt 2,6 Millionen Einwohner. Bekannt ist die „Reißbrett-Stadt“ durch die moderne Architektur Oscar Niemeyers. Brasília ist Unesco-Weltkulturerbe. Zerplatzt der Traum um den WM-Titel, würde die deutsche Nationalmannschaft in Brasilia am 12. Juli um den dritten Platz spielen.

Schon im WM-Fieber? Hier gibt's den Spielplan für die WM 2014 als PDF-Download inklusive Terminen und Hintergründen zu den Gruppen. Wer noch nach der geeigneten Public-Viewing-Location in München sucht, findet hier einen guten Überblick. Und wer sich noch einmal den Kader von Joachiam Löw ansehen will, dem stellen wir die einzelnen Spieler hier kurz vor. Last but not least: Infos, Fakten, Hintergründe und Fotos zu allen WM-Stadien in Brasilien finden Sie hier.

WM-2014: Spielorte der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien

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