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Wasserfälle speisen die künstlichen Bäche bei den Kirschbaumplantagen.

Weiß-rosa Meer

Wie in Japan: Kirschblüten im Valle de Jerte

Valle del Jerte - In einem weiß-rosa Meer versinken die Besucher, wenn sie derzeit das Valle del Jerte besuchen. Die zwei Millionen Kirschbäume legen um diese Jahreszeit ihre Frühlingskleider an.

Mitten im Blütenlabyrinth seines Gartens erspäht Gustavo Izquierdo Elizo im warmen Morgenlicht ein einzelnes Kirschzweiglein und schaut so glücklich auf, als hätte er gerade einen verschollenen Goldschatz der Konquistadoren entdeckt. „Eine uralte Sorte“, freut sich Don Gustavo, „mein Schwager hat sie mir vergangenes Jahr geschenkt.“ Hanami nennen die Japaner ihre Tradition, im Frühling die Kirschblüte zu feiern. All jene, denen Japan zu weit weg liegt, können den herrlichen Anblick der aufgehenden Knospen auch in Spanien erleben.

Wenn die zwei Millionen Kirschbäume im Valle del Jerte ihre Frühlingskleider anlegen, versinken Besucher in einem weiß-rosa Meer. Als verschwenderische Blütenbüschel recken sie sich dem azurblauen Himmel entgegen. „Mehr als 200 Sorten bauen wir im Tal an“, sagt Izquierdo Elizo stolz. Tagsüber hegen und pflegen die Bauern ihre Früchtchen, abends trifft man sich in der Dorfbar und redet – oft über Kirschen, wie Don Gustavo gesteht. „Die bestimmen einfach unser Leben hier.“

Das Valle del Jerte ist ein Paradies für Obstbäume: Auf Jahrhunderte alten, sorgsam gepflegten Terrassen gepflanzt, wirken sie aus der Ferne wie rosa und weiße Wattebäusche. Wer von Osten, also aus Richtung Madrid, ins Valle del Jerte anreist, wird dabei mit dem spektakulärsten Aha-Erlebnis belohnt. Lange Zeit führt die Straße über die karge, baumlose Hochfläche der Extremadura. Abrupt endet die Eintönigkeit am Aussichtspunkt von Puerto de Tornavacas: Tief eingeschnitten wie ein Canyon liegt einem das Valle del Jerte zu Füßen.

Zusammen mit der warmen Luft weht der Kirschblütenduft hinauf bis zum Mirador auf 1275 Meter Höhe. 40 Kilometer weit erstreckt sich tief im Tal der Teppich aus Blüten und endet erst kurz vor den mittelalterlichen Stadttoren von Plasencia. An den höheren Berghängen, wo es auch den robusten Kirschen zu kühl wird, leuchtet das grüne Band der Eichenwälder. Geschützt durch die Berge gedeiht die Natur im Tal in einem besonderen Mikroklima. Die Winter in den Tieflagen sind vergleichsweise mild, danach sorgen die Schmelzwasser bis in den Frühsommer hinein für üppiges Wachstum.

Wasser im Valle del Jerte ist Attraktion für sich

Apropos: Das Wasser im Valle del Jerte ist eine Attraktion für sich. Überall braust und rauscht, plätschert und gurgelt es im Frühling durch künstliche Bächlein hindurch über die Obstterrassen. Ein uraltes Netz aus Wasserläufen wird gespeist von den riesigen Wasserfällen, die überall tosend durch die steilen Seitentäler hinabstürzen.

Am lautesten donnert es oberhalb des Dörfchens Navaconcejo: Garganta de Nogaledas heißen die Fälle, die hier über drei hohe Stufen gewaltige Wassermassen ins Tal befördern und sich erst zwischen den Obstgärten beruhigen. Ein Wanderweg führt direkt an den Kaskaden den Berg hinauf. Die südlichen Hochlagen gehören zum Naturreservat Garganta de los Infiernos, wo es sogar noch Iberische Luchse geben soll.

Eingerahmt von dicken grünen Moospolstern und blühendem Ginster führen gut beschilderte Wanderwege durch die lichten Steineichenwälder, die besonders für ihre Vogelwelt bekannt sind. Im hübschen Dörfchen Casas del Castañar startet ein Rundweg zu besonders spektakulären Naturwundern: Vereinzelt im Wald stehen hier über 700 Jahre alte Kastanienriesen. Da es im Valle del Jerte nur wenige Hotels und Pensionen gibt, sollte man sich in Plasencia eine Unterkunft suchen.

Das Städtchen am westlichen Ausgang des Tals lohnt so oder so einen längeren Besuch, vor allem am Abend. Die Auswahl an Tapas-Bars rund um die Plaza Mayor ist sensationell. Ein guter Grund, den Stadtrundgang hier zu beginnen. Obwohl schon seit Römerzeiten als Handelsort beliebt, ist Plasencia mit seinen heute 40.000 Einwohnern weit weniger bekannt als andere Städte der Extremadura wie Mérida oder Cáceres. Mit der Folge, dass nur wenige Touristen die Straßen im Zentrum durchstreifen und die Einwohner überwiegend unter sich sind.

Dabei gibt es auch in der kleinen Altstadt viel zu sehen, prächtige Adelspaläste der Renaissance, gleich zwei Kathedralen und eine der ältesten Weinkellereien Spaniens, in der seit dem 13. Jahrhundert Wein produziert wird. Ein besonders schöner Aussichtspunkt von der Stadtmauer ist im Garten des Convento de San Vicente Ferrer zu finden.

Die Klosteranlage aus dem 15. Jahrhundert, die heute als „Parador de Plasencia“ ein Hotel beherbergt, steht auch Tagesgästen offen. Zwischen den Zinnen kann man hinunter zum Fluss schauen, an dessen Ufer sich die Stadtstörche am Abend zum Frosch-Dinner versammeln. Und wenn die tiefstehende Sonne die Dächer und Türme Plasencias in ein goldenes Licht taucht, legt sich süßer Kirschblütenduft über die Stadt.

Dietmar Denger

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