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Im grünen Bereich: Singapurs Stadtgärten sind Ruheoasen für Stopover-Passagiere.

Grüne Oasen

Im Großstadtdschungel: Zwischenstopp in Singapur

Umsteigen auf den Weg nach Fernost: Ein paar Stunden Warterei am unterkühlten Flughafen, harte Bänke, 13 nutzlose Parfumproben im Airport. Oder lieber nicht? Wir haben für einen halben Tag Singapur besucht...

...den Flughafen verlassen und uns in die Parks der grünen Millionen-Metropole gestürzt – Dschungelbesuch statt Duty-Free-Shop.

Ein Morgen im Garden by the Bay

Die wunderliche Wurmmaschine steht abseits des Pfades im Park und sieht recht unscheinbar aus. Eine große Tonne. Darin ein kleiner Lautsprecher. Eine Holzbank, um sich im Schatten niederzulassen und ein Geräusch zu verfolgen, das fast Meeresrauschen sein könnte. An- und abschwellend, leises Rascheln und Blubbern, der Klang von Urlaub. Ab und zu kommen Touristen, sie lauschen, staunen, lesen und suchen schnell das Weite. „Slime Worm“ steht in kleinen Buchstaben auf der Tonne. Hier gurgelt geräuschvoll der gemeine glibbrige Wurm.

Es ist ein Spaß, den sich die Park-Planer hier mit der Tonne erlauben, jedenfalls keine knochentrockene Naturkunde. Dabei ist das größte Wunder des Wurms, dass man sein leises Geräusch überhaupt wahrnimmt an dieser Stelle in der wuseligen Millionen-Metropole Singapur. Vor dem Park ist das Meer, dahinter die Skyline mit dem bizarren Mega-Hotel Marina Bay Sands, über dessen drei Türme sich auf knapp 200 Meter länge ein riesiger Pool erstreckt, nebenan eine neunspurige Autobahn – dennoch ist es völlig ruhig in den Gardens by the Bay. So grün und friedlich kann ein Großstadtdschungel sein.

Stopover im Grünen

Der Park ist der spektakulärste Teil des Projekts, Singapur zu begrünen. Wie keine andere Metropole legt der Stadtstaat Biotope mitten zwischen die Wolkenkratzer. Die Behörden lassen 16-stöckige Fassaden bepflanzen und erhalten die Reste des Primärregenwalds an der Südspitze Malaysias, bewohnt von Krokodilen und Affen. „Die Stadt im Garten“ nennen sie sich, lassen wuchern und spielen mit den krassen Kontrasten zwischen Glitzer, Geld und Grün. Hier gebe es mehr Baumarten als in ganz Nordamerika, sagen sie.

Auch das ist Singapur: Von Menschenhand geschaffene Stahlbäume vor dem Marina Bay Sands Hotel.

Manche Bäume erfinden sie auch selber: In den Gardens by the Bay zum Beispiel den Stahl-Tropen-Baum. Mehr als ein Dutzend der bis zu 50 Meter hohen Konstruktionen, Supertrees getauft, steht in den Park am Meer. An Stahlgerüsten, wie Bäume geformt, ranken sich tropische Pflanzen. In den Abendstunden sind die Mammutbäume beleuchtet. Tagsüber erzeugen sie Strom durch kleine Photovoltaik-Anlagen, sammeln Regenwasser und dienen als Belüftungsschächte.

Die Gardens by the Bay sind seit 2012 erst offen, ein kleines, unübersichtliches Paradies mit 101 Hektar. Hier führt ein kleiner Palmenpfad in die Vegetation der Seychellen, dort ist ein chinesischer Garten angelegt. Tafeln erklären Hintergründe. Zwischendrin verstecken sich Skulpturen zwischen den Büschen: Eine Alu-Libelle, ein zum Elefant geformter Busch, sogar ein Bronze-Bulle. Passanten kraulen, warum auch immer, sein linkes Horn – wird wohl Glück bringen.

Paradies in Singapur

Eine grüne Lunge wie Münchens Englischer Garten ist das, mit einem Schuss verrücktem Gigantismus und ohne Nackerte. Für europäische Tagesgäste in der Stadt, nach 12 Stunden Flug in den Sitz gefaltet, ist der Ausflug in den schattigen Garten auch bei den üblichen 30 Grad unkompliziert: die U-Bahn fährt hin, offen ist fast immer. Nur wer in die beiden großen Pavillons will, einen voller Blumen, der andere als Regenwald mit künstlichem 35-Meter-Berg im noch künstlicheren Nebel, muss 28 Dollar zahlen. Und sollte darauf achten, sich nicht von fleischfressenden Pflanzen beißen zu lassen.

Wunderliche Wurmmaschine im Park.

Das grüne Denken übrigens kommt von oben: verordnet von der Regierung. Als sauberste Stadt Asiens gilt Singapur schon, will nun die ökologischste werden. Inzwischen gibt es kaum noch Baugenehmigungen ohne Grün-Projekte, der Staat bietet Zuschüsse. Für die Gardens by the Bay machte Singapur sogar eine Milliarde Euro locker. Weil kein Platz mehr im extrem dicht besiedelten Stadtgebiet ist, wurde das Areal vor dem Finanzviertel aufgeschüttet. Statt mit neuen Hochhaus-Projekten auf solchen Flächen Milliarden zu scheffeln, sorgten sich die Stadtplaner fortan sogar um den Schattenwurf auf die Parkpflanzen.

Dass die Gardens Wirklichkeit würden, hat der frühere Park-Chef Tan W. Kiat, der einst die Idee dazu hatte, übrigens selbst lange nicht geglaubt, verriet er neulich in einem Interview. Heute streift der 72-Jährige stolz zu Fuß und mit den Golf-Kart durch den Park, fast täglich. Nein, natürlich sei das Areal gewiss nicht, aber das beste aus der Natur. „Das hier zeigt uns: Menschen können Natur zerstören, aber wir können auch lernen, wie wir die Natur wieder zurückholen.“

Christian Deutschländer

Infos zum Singapur-Stopover

REISEZIEL Singapur ist mit 714 Quadratkilometern der flächenmäßig kleinste Insel-und Stadtstaat in Südostasien. Er lkiegt südlich der Malaiischen halbinsel und umfasst eine Hauptinsel, drei größere und 56 weitere kleinere Inseln.

ANREISE Lufthansa fliegt täglich via Frankfurt nach Singapur (ab 756 Euro für den Hin- und Rückflug), Singapore Airlines fliegt zweimal täglich von Frankfurt und täglich von München (ab 579 Euro). Die Flugdauer beträgt rund 12 Stunden. Für beide Airlines ist Singapur das rehkreuz für Weiterflüge z.B. nach Australien oder Neuseeland.

STOPOVER Wer den Flughafen verlassen will, auch spontan, braucht kein Visum, nur einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Spezielle Impfungen sind nicht nötig. In Kombination mit einem Flugticket von Singapore Airlines können Urlauber den Singapore Explorer Pass ab einem Euro buchen, die Eintritt zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in der Stadt bietet. Infos unter www.singaporeair.com.

GÄRTEN DER STADT: Der neue Park Gardens by the Bay ist vom Flughafen unkompliziert mit der U-Bahn erreichbar, Station Bayfront. Tagestickets für den öffentlichen Nahverkehr kosten zehn Dollar. Der Park-Eintritt ist frei, geöffnet ist von 5 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts – also praktisch immer. Weitere Parks in der Stadt: Schutzgebiet Bukit Timah Nature Reserve, 164 Hektar groß, gut mit U-Bahn und Bus zu erreichen. Ein Besuch bei Makaken, Affen und Echsen in den letzten Resten des Regenwalds auf der Tropeninsel. Für Besucher gibt es Wanderpfade auf den höchsten Berg der Insel, 162 Meter hoch. Der Eintritt ist frei, 8 bis 18 Uhr geöffnet.

WEITERE INFOS auf der deutschsprachigen Homepage von Singapore Tourism unter www.yoursingapore.de. Anfragenb auch bei Singapore Tourism in Frankfurt, Tel. 069/9207700.

Darauf einen Drink: Der Singapore Sling

Mögen sie noch so faszinierend sein, die Gärten der Millionenmetropole Singapur - an Berühmtheit läuft ihnen ein pinkfarbener, alkoholreicher Cocktail immer noch den Rang ab: Der Singapore Sling. Heuer wird er 100 Jahre alt und das legendäre Hotel Raffles, an dessen Long Bar er 1915 erstmals ausgeschenkt wurde, hat sich im Jubiläumsjahr allerlei Souvenirs, Packages und Nebenprodukte dazu ausgedacht.

Erfunden hat den Singapore Sling Barkeeper Ngiam Tong Boon und er tat es, weil er ein Herz für Frauen hatte. Das schwache Geschlecht durfte damals nämlich in der Öffentlichkeit keine harten Alkoholika wie Gin oder Whisky konsumieren. Nur Fruchtsäfte und Punsch waren erlaubt. Der kluge Barmann versteckte den Damen zuliebe Gin, Cointreau und Bénedictine-Likör in leuchtend roten Fruchtsaft – der Singapore Sling war geboren. Vom Raffles aus trat er bald einen Siegeszug in die Bars der Welt an.

C.D.

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