Reinhard Hübner ist Autor der Amateursporsteite (mittwochs) und Kolumnist im Münchner Merkur.
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Reinhard Hübner ist Autor der Amateursporsteite (mittwochs) und Kolumnist im Münchner Merkur.

Kritik an Bayern-Nachwuchsarbeit: Alles nur Neid?

München - Reinhard Hübner schreibt in seiner Kolumne für den Münchner Merkur über die Kritik an der Jugendarbeit des FC Bayern.

Sollen sie doch wettern, die Bruchhagens und Eberls. Wenigstens deren Kritik können sie beim FC Bayern doch eiskalt weglächeln. Oder Schopenhauer zitieren, der wusste: In Deutschland ist die höchste Form der Anerkennung der Neid. „Mia san mia“, kapiert? Und wir tun, was für uns gut ist, nicht für die Liga. Oder die jungen Spieler, ließe sich der Satz fortsetzen. Aber, aber, wer würde den Bayern so etwas unterstellen?

Bruchhagen zum Beispiel, Eintracht Frankfurts Patron. Der FC Bayern als Branchenkrösus würde alle Talente „abgreifen“, was nun so gar nicht zu deren Wohle sein könne. Weil nämlich Spielpraxis das Wichtigste sei in dem Alter, nicht das üppig honorierte Gefühl, schon in jungen Jahren beim besten Klub der Welt sein zu dürfen. Wer aber regelmäßig spielen will, hat hier ziemlich schlechte Karten. Ist nicht gerade Höjbjerg, dieses absolute Toptalent, deswegen nach Augsburg geflüchtet?

Im Prinzip aber vollzieht der stolze FC Bayern nur einen Paradigmenwechsel. Jetzt holt man halt fast fertige Leute, wie den Kurt aus Gladbach oder den Stuttgarter Kimmich aus Leipzig, zu gerne hätte man auch noch das 16 Jahre alte Wunderkind Martin Östergaard aus Norwegen gehabt. Das kostet. Aber auch nicht so viel mehr als die bisherige Praxis, 13-, 14-Jährige zu scouten und aus Aachen, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart, Wien, Innsbruck oder Linz ins vereinseigene Jugendhaus zu locken. Hat nicht so viel gebracht. In den letzten Jahren waren die 13 Appartements mit hoffnungsvollen Jungs wie Gallo, Genkinger, Seferings, Dußler, Ingmann, Duhnke und Derflinger belegt, heute alle in der Regionalliga, mit Burusic, Markoutz, Knasmüllner und Hager, inzwischen alle zurück in Österreich.Allein David Alaba und Emre Can haben zuletzt aus dem Jugendhaus den Sprung in die Bundesliga geschafft. Das nervt.

Und wirft Fragen auf: Lohnt sich der Aufwand? Oder greift man, wie Bruchhagen es ausdrücken würde, lieber erst die älteren Talente ab, bei denen die Perspektive klarer ist? Eigentlich sollte das doch ganz im Sinne von Max Eberl sein, die Bayern tun doch, was er fordert. Sie lassen die Jungs länger in ihren Klubs, ehe man sie vor die Mammutaufgabe stellt, an den absoluten Topstars vorbei in Peps Dreamteam zu rutschen.

Aber damit gibt sich der gute Eberl immer noch nicht zufrieden, diese Top-Talente, die sich Bayern dann angelt, könnten sich genauso gut, wenn nicht sogar besser, in Vereinen der zweiten Kategorie weiterentwickeln, glaubt er. Einen Zwischenschritt mit großer Spielpraxis findet er jedenfalls auf Dauer lohnender als beim FC Bayern auf Bank oder Tribüne zu sitzen. Oder Regionalliga zu kicken

Sicher ein Argument. Nicht aber für Jungs, die ungeduldig werden, nicht für Berater, die noch ungeduldiger sind. Ein Transfer zum FC Bayern bringt Kohle und Prestige. Was manches Mal die wirklich klaren Gedanken zu vernebeln scheint. Bruchhagen und Eberl haben vielleicht so Unrecht nicht, wenn sie eine Zentralisierung der Top-Nachwuchstalente in wenigen Vereinen nicht für das Nonplusultra halten, vor allem nicht zielführend für deren weitere Entwicklung.

Man kann es aber auch so sehen: Bayern verhilft ihnen zu einem Top-Training beim allerallerbesten Trainer des Universums, eine optimale Fortbildung für die Jungs. Und von wegen Spielpraxis! Hat nicht gerade Thomas Müller berichtet, ein Trainingskick beim FC Bayern sei fordernder als eine Bundesligapartie?

Wahrscheinlich aber ist es ohnehin so, dass die Bayern machen können, was sie wollen, irgendjemand wird sich immer daran reiben. Womit wir wieder bei Schopenhauer wären.

Autor Reinhard Hübner ist erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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