Letzter Münchner im Nationalmannschafts-Kader ist Torwart Jochen Reimer. Aussortiert: Verteidiger Sören Sturm (rechts). Foto: dpa
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Letzter Münchner im Nationalmannschafts-Kader ist Torwart Jochen Reimer. Aussortiert: Verteidiger Sören Sturm (rechts).

Kanadier will Trainer werden

Die Angst des EHC vor Pierre Pagé

München - Angst vor Pierre Pagé? Der Kanadier aus Salzburg will Trainer in München werden, was nicht allen gefallen würde.

Am 10. März endete die Vorrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und für den EHC München, da für die Pre-Playoffs zwei Ränge zu schlecht platziert, die Saison. Ein paar Spieler haben es verstanden, für sich noch eine Verlängerung der Eiszeit zu bekommen – bei der von ihrem ehemaligen Vereinstrainer Pat Cortina gecoachten Nationalmannschaft.

Doch auch dort hat sich vor den letzten beiden WM-Testspielen am Freitag und Samstag in der Schweiz die EHC-Fraktion verkleinert. Nach Martin Hinterstocker und dem verletzten Uli Maurer ist mit Sören Sturm, dem Verteidiger, der zu den Straubing Tigers wechseln wird, und Torjäger Martin Buchwieser (nächste Saison in Mannheim) der letzte Münchner Rest an Feldspielern aussortiert worden, sie mussten den Finalteilnehmern aus Köln und Berlin weichen, damit Cortina die angestrebte „richtige Mischung aus harten Arbeitern und Talenten, aus jung und als“ erreicht. Im Rennen um einen Platz für die Weltmeisterschaft ab 3. Mai in Helsinki und Stockholm ist vom EHC nur noch Torhüter Jochen Reimer. Aber: Ein Goalie muss noch gestrichen werden, und seine Konkurrenten sind Mannheims Dennis Endras (bester WM-Spieler 2010), Rob Zepp (mit den Eisbären Berlin gerade wieder Meister geworden) und Danny aus den Birken vom Vize Köln.

In der Eishockey-Szene ist aber nicht die anstehende WM das Thema, sondern der Umbruch in München, wo kommende Woche am Mittwoch (1. Mai) der österreichische Konzern Red Bull die Geschäfte der EHC Spielbetriebs GmbH übernimmt. Die Agenten sind ganz heiß darauf, ihre Spieler (ein Insider sagt: „ihre Ladenhüter“) in München zu platzieren, denn gezahlt werden soll dort wie bislang nur bei den Großklubs Mannheim, Berlin, Hamburg, Köln. Aber: Bis auf ein paar aus der vergangenen Saison bestehende Verträge (Reimer, Petermann, Maurer, Hinterstocker) und einen Neuzugang (Alex Barta, kommt aus Schweden) ist wenig fix. Ausverhandelt zwar, aber noch nicht abgesegnet.

Typischer Fall: Sean O’Connor, körperlich robuster Deutsch-Kanadier, zuletzt in Ingolstadt. Er ist sich mit München über einen Wechsel einig. Doch wie zu hören ist, zögert er noch mit einer Unterschrift, denn er möchte unter zwei Bedingungen nicht beim EHC antreten. Nämlich a) falls Pierre Pagé Trainer wird und b) in der Folge am 1. Juni Trainingsauftakt und Anwesenheitspflicht ist.

Pagé ist ein erfolgreicher Trainer (hat er bei den Eisbären Berlin und in sieben Jahren am Red Bull-Hauptsitz in Salzburg bewiesen), doch eigenwillig und nicht jedermanns Sache. Offensichtlich aber ist er wild entschlossen, in München selbst Trainer zu werden – was keinen ungeteilten Beifall findet. Die Angelegenheit liegt bei Konzernchef Didi Mateschitz.

In Verbindung gebracht werden mit München vor allem Spieler, die zuletzt in Mannheim spielten: neben den bereits bekannten Namen Florian Kettemer und Yannic Seidenberg zieht es nun auch die Stürmer Mike Glumac und Adam Mitchell an die Münchner Fleischtöpfe, zudem hat Chad Bassen (Augsburg) ein Angebot.

Günter Klein

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