+
Erlebt Deutschland nach 2010 wieder ein Eishockey-Märchen bei einer Heim-WM?

Deutschland & Frankreich wollen Eishockey-WM

Köln - 20 Monate nach dem Eishockey-Märchen im eigenen Land bewirbt sich der Deutsche Eishockey-Bund wieder um eine Heim-WM. Zusammen mit Frankreich will der DEB die Weltmeisterschaft 2017 austragen.

„Zwei Heimteams in zwei Stadien“ kündigte DEB-Generalsekretär Franz Reindl an, der am Sonntag in Paris die Bewerbung vorstellte: „Das bringt mehr Zuschauer und mehr Interesse.“

Möglich macht die Doppel-Bewerbung der neue WM-Modus. Eine der beiden Vorrundengruppen mit sieben Spielen der deutschen Nationalmannschaft, zwei Viertelfinals sowie die Endrunde mit dem Halbfinale, dem Spiel und Platz drei und dem Endspiel sollen in Deutschland ausgetragen werden. Köln, Berlin oder Mannheim sind als Spielort im Gespräch. „Bis Ende März werden wir entscheiden, wo gespielt werden soll“, sagte Reindl dem SID. Die restlichen Partien sollen in Paris-Bercy stattfinden.

„Die Franzosen sind auf uns zugekommen. Alleine könnten sie nie eine WM machen“, berichtete Reindl, der wie bei der WM 2010 Generalsekretär des Organisationskomitees sein soll, „wir haben lange diskutiert. Der Hauptgrund für die gemeinsame Bewerbung ist der neue Modus mit zwei Achtergruppen, der förmlich nach einer Trennung schreit: So gibt es zwei Heimteams in zwei Stadien.“

So rechnen Reindl und Co. mit 500.000 bis 600.000 Zuschauern. Der Palais Omnisport in Paris-Bercy, in dem zuvor die Basketball-EM 2015 und die Handball-WM 2017 stattfinden, soll nach einer aufwendigen Renovierung 14.000 Besucher fassen. Köln ist mit 18.500 Plätzen die größte deutsche Halle. Das gemeinsame Budget umfasst 25 Millionen Euro.

Noch frisch ist die Erinnerung an die letzte WM in Deutschland vor 20 Monaten. Nach dem Eröffnungsspiel in der Fußball-Arena von Schalke 04 vor der Weltrekordkulisse von 77.803 Zuschauern war die Nationalmannschaft unter Bundestrainer Uwe Krupp sensationell ins Halbfinale gestürmt. Bereits 1955, 1975, 1983, 1993 und 2001 war Deutschland WM-Ausrichter.

Das offizielle Bewerbungslogo enthält neben den Flaggen beider Nationen einen stilisierten Torhüter, der die Nummer 80 trägt. Damit soll des 2009 verstorbenen Nationalspielers Robert Müller gedacht werden. „Sein Todestag jährt sich im Mai 2017 zum achten Mal“, erläuterte Reindl.

Konkurrenten für die deutsch-französische Bewerbung sind Dänemark und Lettland. Die Ukraine hat ihre Kandidatur zurückgezogen. Die WM 2017 wird im Mai 2013 vom Weltverband IIHF vergeben. In diesem Jahr findet erstmals eine Weltmeisterschaft in zwei Ländern statt - in Finnland und Schweden (4. bis 20. Mai). Die beiden nordischen Nachbarn richten auch die WM 2013 aus, 2014 ist Weißrussland Gastgeber, 2015 Tschechien und 2016 Russland.

„Die IIHF will zunächst die Erfahrungen aus Finnland und Schweden auswerten“, sagte Reindl. Dort wird erstmals in zwei Achtergruppen gespielt, die ungeliebte Zwischenrunde entfällt. „Die zweite Arena war bisher immer ein Problem, wenn dort die Heimmannschaft nicht gespielt hat“, so Reindl. Aussichtsreichster Konkurrent ist Dänemark, der sich mit den Spielorten Kopenhagen und Herning zum dritten Mal bewirbt.

SID

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Droht eine Ausländerschwemme im deutschen Eishockey?

München - Ein kleiner Eishockeyclub aus der Provinz will die Ausländerbegrenzung in seiner Liga nicht akzeptieren und kippt so die Satzung des kompletten Verbandes: Wie …
Droht eine Ausländerschwemme im deutschen Eishockey?

Kommentare