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David Wolf (2.v.l) jubelt nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen  4:1 mit seinen Mitspielern.

Perfekter Einstand

DEB-Team gewinnt Deutschland Cup bei Sturm-Debüt

Augsburg - Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm hat mit dem Turniersieg beim Deutschland-Cup einen glänzenden Einstand gefeiert. Die Spieler sind von ihm angetan.

Mit frischem Offensivmut und mitreißender Euphorie hat der neue Bundestrainer Marco Sturm die deutsche Eishockey-Auswahl zum ersten Erfolg geführt. Der Einstand des früheren NHL-Stars ist mit der Titelverteidigung beim Deutschland Cup perfekt gelungen. Zum Abschluss des Traditionsturniers in Augsburg gewann Sturms Team am Sonntagabend gegen eine US-Auswahl 5:2 (3:0, 1:2, 1:0) und begeisterte die 4624 Zuschauer phasenweise mit einer starken Leistung.

Nach 1995, 1996, 2009, 2010, 2012 und 2014 sicherte sich der Rekordsieger damit bereits den siebten Erfolg. Dominik Kahun (6. Minute), Patrick Hager (6.), Philip Gogulla (14.) und David Wolf (34./60.) schossen die Tore gegen das US-Team, das am Ende Platz zwei belegte. „Das war zum größten Teil ganz gut, aber es gibt noch ein paar Sachen, die wir besser machen müssen“, kommentierte Sturm. „Wir haben noch Zeit bis zur WM, die werden wir nutzen“, kündigte er an.

Zuvor hatte das deutsche Nationalteam bereits 4:2 gegen die Slowakei gewonnen, das Debüt von Sturm war beim 2:3 gegen die Schweiz daneben gegangen. „Die Mannschaft hat sich innerhalb kürzester Zeit gesteigert. Es ist schon eine deutliche Handschrift zu erkennen“, erklärte DEB-Präsident Franz Reindl und lobte Sturm: „Das schaut von außen so aus, als habe er seine Aufgabe im Griff.“ Die Zuversicht ist nach der gescheiterten Mission unter dem blassen Vorgänger Pat Cortina - allerdings ebenfalls zweimaliger Sieger des Deutschland Cups - zurück. Knapp sechs Monate bleiben noch bis zur WM in Russland, knapp zehn bis zum Olympia-Qualifikationsturnier.

Sturms positive und direkte Art sowie seine Leidenschaft waren schon in den ersten gemeinsamen Tagen bestens angekommen. „Marco ist mit dem Herzen dabei. Es ist wirklich eine Herzenssache von ihm, dass er das deutsche Eishockey besser macht“, lobte Torhüter Dennis Endras. „Unter Marco haben wir einen Extraschub Spaß“, hob Gogulla hervor. „Wer Marco kennt, der weiß, dass er ein sehr positiver Typ ist.“

So sehr Sturm es seinen Spielern angetan hat, alle Probleme kann er nicht lösen. Stürmer Gogulla übte am Wochenende scharfe Kritik an der Wertschätzung der deutschen Profis in der DEL. „Wir müssen einfach eins in Deutschland mal kapieren, dass wir als deutsche Nationalspieler die Aushängeschilder sind und nicht immer die, die von außen geholt werden“, klagte der Kölner. „Der Spieler muss sich den Stellenwert selbst erarbeiten“, entgegnete Reindl.

Sturm ist ein prominentes Aushängeschild seines Sports und soll dem deutschen Eishockey wieder zu einem besseren Ruf verhelfen. Seine ruhmreiche Vergangenheit vereinfacht es ihm, die Spieler für sich zu gewinnen. Mit 1006 Partien in der stärksten Liga der Welt ist der Bayer deutscher NHL-Rekordprofi. „Jeder hat Respekt vor Marco, man muss nur einen Blick auf seine Karriere werfen“, betonte Endras.

Sturms Name war ein Grund, warum ihn DEB-Präsident Reindl im Sommer überraschend als Bundestrainer und Generalmanager in Personalunion präsentierte. Pat Cortina musste nach drei durchwachsenen Jahren mit dem erstmaligen Verpassen von Olympia 2013 und einem zehnten Platz zum Abschluss bei der Weltmeisterschaft im Mai in Tschechien gehen.

Erfahrung als Coach hat Sturm nicht, an der Trainer-Legende Hans Zach will er sich ein Beispiel nehmen. „Hans ist Hans und Marco hat seinen eigenen Stil“, meinte Kai Hospelt. Zu diesem Stil gehören direkte Worte, obwohl sich Sturm charmant, freundlich und zurückhaltend gibt. „Er hat die Fehler deutlich und klar angesprochen“, berichtete Kapitän Patrick Reimer. Das neue, mehr auf Angriff ausgerichtete System war nicht gleich verinnerlicht. „Man sieht es noch in den Gesichtern der Spieler, dass sie manchmal noch etwas zögern“, sagte Sturm. Am Sonntag immerhin bewies das deutsche Team Offensivdrang.

Ein ernsthafter sportlicher Gradmesser war das Vier-Nationen-Turnier nicht. Wirklich gemessen wird der neue Coach erstmals bei der Weltmeisterschaft vom 6. bis 22. Mai in Russland und vor allem Anfang September 2016 bei der Olympia-Qualifikation in Riga. Sturm ist angetreten, um die deutsche Auswahl stetig zu verbessern. „Die Tendenz, die man hier spürt, gibt Anlass zu Optimismus“, urteilte Reindl. Sturm aber weiß auch: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

dpa

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