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Taktgeber im Abseits: Bayerns 25-Millionen-Euro-Einkauf Thiago ist zum Zuschauen verdammt – mindestens noch bis zum Oktober.

Zwei Monate darf er nicht spielen

Thiago-Ausfall: Ist die falsche Behandlung schuld?

München - Der FC Bayern muss noch mindestens zwei weitere Monate auf Thiago Alcantara verzichten. Grund hierfür ist die nicht optimale Behandlung in seiner Heimat.

Vor ein paar Tagen hat Thiago Alcantara ein kleines Jubiläum gefeiert. Unter der Überschrift „Mein erstes Jahr in München“ publizierte der Bayern-Profi seine Top Ten der schönsten Erinnerungen auf der Bilderplattform „Instagram“. Er lächelt da bei seiner Vorstellung mit Karl-Heinz Rummenigge, ein anderes Foto zeigt ihn bei einem Übersteiger, auf einem ist sein Fallrückzieher gegen Stuttgart festgehalten und auf einem weiteren jubelt er mit Arjen Robben. Inzwischen aber dominiert längst ein anderes Motiv die Rückschau auf das Wirken des 25-Millionen-Einkaufs: Wie er an der Säbener Straße vom Fitnessraum runter aufs Trainingsgelände schaut. Abgetrennt von den Kollegen, gefangen in den Zwängen der Reha. Er war in München oft verletzt, leider, so muss man bei diesem begnadeten Ballkünstler aufseufzen, den sie wegen seines feinen Stils zuhause „el pavo real“, den Pfau, nennen. Am Montag der Schock: Er fehlt auch noch weitere Monate.

Wie der Münchner Merkur erfuhr, muss der FC Bayern mindestens noch bis Oktober auf den 23-Jährigen verzichten. Nach dem Innenbandriss in seinem rechten Knie am 29. März beim 3:3 gegen Hoffenheim ist nichts mehr nach Plan gelaufen. In der Reha wiederholte sich Mitte Mai die Blessur, er musste unters Messer. Pep Guardiola und Klubarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt waren sich bei der Behandlung oft nicht einig, der Coach hatte die Verantwortung dafür übernommen, dass sich Thiago zunächst in der Heimat pflegen ließ. Das große Problem: Thiagos Arzt Ramon Cugat spritzte ihm Kortison. Das beschädigte das Gewebe nachhaltig, es muss nun erst langsam nachwachsen. Zum Trainingsauftakt Anfang Juli hatte Sportvorstand Matthias Sammer noch gemeint, der 23-Jährige sei in sieben bis acht Wochen „wieder spielfähig“. Inzwischen wurden die Prognosen nach hinten korrigiert. Der Optimismus weicht mehr und mehr der Skepsis.

„Thiago oder nix“ – vor einem Jahr hatte Guardiola vehement darauf gedrängt, seinen Musterschüler vom FC Barcelona nach München nachzuholen. Der Start stand unter keinem guten Stern, bereits zum Auftakt riss ein Syndesmoseband, erst im November konnte er richtig integriert werden. Dann aber zeigte er, warum ihn sein Trainer so schätzt („der mutigste Spieler, den ich je hatte“). Mit Thiago als Lenker hatten die Bayern ihre stärkste Saisonphase, nach seiner neuerlichen Verletzung verloren sie den Rhythmus. Für die anstehende Saison hatte Guardiola an und für sich eine Wunschformation im Mittelfeld: Thiago, Philipp Lahm, Toni Kroos. Nun ist nur noch der Kapitän einsatzfähig. Der Stützpfeiler Thiago ist marode, und das ist schon etwas alarmierend, wenn man bedenkt, dass er angesichts seiner jungen Jahre eigentlich für eine längere Belastungsphase konzipiert sein müsste.

„Wir werden alles tun, damit Thiago zum Saisonstart wieder fit ist“, hatte Rummenigge gesagt. Daraus wurde nichts. Bei der Teampräsentation am Samstag in der Allianz Arena wirkte er dennoch bestens gelaunt, er winkte ins Publikum, er posierte für Fotos, er bewegte sich wie ein normales Mitglied der Mannschaft – bis zu dem Moment, als das Showtraining begann. Dann hockte er sich auf einen Ball und sah einfach nur zu.

Am Montag veröffentlichte er ein Foto, das ihn zeigte, wie er an der Seite seiner Kollegen auf den Platz geht. „Coming soon“, stand darunter, doch allzu bald wird das nicht zur Realität. „Komm zurück zum FC Barcelona – wir brauchen dich“, schrieb ein Fan zu dem Foto dazu, denn ein Thiago in Form ist überall eine Hilfe. Aber zunächst mal braucht Thiago selbst Hilfe.

Von Andreas Werner und Hanna Schmalenbach

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