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Bayern wollte Hector nicht: Das sagt er im Merkur-Interview

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Von: Hanna Raif

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Jonas Hector (r.) trifft mit Köln auf die Bayern
Jonas Hector (r.) trifft mit Köln auf die Bayern. © dpa

München - Der Kölner Nationalspieler Jonas Hector spricht im Merkur-Interview über Duelle kleiner Teams mit den Bayern, Mehmet Scholl und sein Glück, nicht torgefährlich zu sein.

In Köln hat man sich bestens auf den Besuch des FC Bayern an diesem Samstag (15.30 Uhr) vorbereitet. Extra für das Spiel gegen den Tabellenführer hat der FC einen neuen Rasen verlegen lassen. Der Ball wird bestens rollen in der Partie, über die Nationalspieler Jonas Hector (25) im Interview spricht.

Herr Hector, Ihr Spitzname ist „Harry Hektik“ – passt der Name in einer Woche vor dem Spiel gegen Bayern besonders?

Hector: Der Spitzname ist ja eher ironisch gemeint. Ich bin so ruhig wie immer (lacht).

Wie sehr freut man sich auf ein Spiel gegen Bayern, wenn man gerade den ersten Sieg nach vier Spielen gefeiert hat? Wäre jetzt ein anderer, vermeintlich leichterer Gegner nicht deutlich besser?

Hector: Es klingt nach einer Floskel, tut mir Leid, es ist aber so: Für uns ist in der Bundesliga jedes Spiel schwer. Wir freuen uns trotzdem sehr auf das Duell mit den Bayern.

Köln hat in dieser Saison gegen Leverkusen, Schalke, Dortmund gewonnen – sind nun die Bayern fällig?

Hector: So eine Ansage wäre völliger Quatsch. Aber wir versuchen natürlich alles, gerade vor unseren eigenen Fans.

Andererseits ist man als 14. der Rückrunden-Tabelle im Moment von den Erfolgen der Hinrunde weit entfernt. Und schon damals setzte es ein 0:4.

Hector: Nicht anzutreten wäre ja auch keine Lösung (lacht). Aber nochmal: Wir wollten vor zwei Jahren unbedingt aufsteigen, um genau diese Spiele gegen die ganz Großen zu haben. Was gibt es denn Schöneres als Fußballer?

Das sehen nicht alle so. Es gibt derzeit einen Trend: Spieler holen sich entscheidende Gelbe Karten ab, um gegen Bayern nicht spielen zu „müssen“. Haben Sie Verständnis?

Hector: Nur weil sowas mal bei Einzelnen vorkommt, ist es noch kein Trend. So sehe ich es zumindest. Für mich kommt das nicht infrage.

Mal ehrlich: Kann man als Verteidiger gegen solche Kaliber wie Arjen Robben oder Kingsley Coman manchmal nur staunen?

Hector: Es ist eine Herausforderung und macht großen Spaß. Sich mit solchen Spielern zu messen, ist ja das Ziel von jedem, der Profi wird.

Sie haben mal gesagt, es sei Ihr Glück, dass Sie nicht so torgefährlich waren. Mal überspitzt gesagt: Ist es manchmal gut, kein herausstechender Spieler zu sein? Wären Sie sonst kein Nationalspieler?

Hector: Ich habe das darauf bezogen, dass man wohl nicht auf die Idee gekommen wäre, mich zum Linksverteidiger zu machen, wenn ich in jeder Saison zehn Tore schießen würde. Und mir ist klar, dass es auf einer anderen Position einfach aufgrund der Konkurrenzsituation sicher noch schwerer geworden wäre, in den Kreis der Nationalmannschaft zu kommen. Ich glaube aber schon, dass ich auf meiner Position heraussteche. Zumindest so weit, dass es dazu gereicht hat, Joachim Löw aufzufallen. Und das ist ja schon mal was (lacht).

Nur Mehmet Scholl hat Ihr Talent vor einigen Jahren nicht erkannt. Bei einem Probetraining bei Bayern II sind Sie durchgefallen. War die Abweisung förderlich für Sie?

Hector: Der Sprung in die Dritte Liga wäre nochmal größer gewesen. Ich bin mit dem Weg über die U 21 des 1. FC Köln sehr zufrieden und völlig mit meinem bisherigen Karriereverlauf im Reinen. Auch mit dieser „Abweisung“.

Was war eigentlich Ihr Einstandslied in der Nationalmannschaft?

Hector: Ich habe nicht gesungen, damit hätte ich zu viele vergrault (lacht). Ich habe eine kleine Rede gehalten.

Haben Sie einen Vorteil auf dem Weg zur EM? Auf den Weltmeistern lastet viel Druck – auf Ihnen eher weniger, oder?

Hector: Nein, der Druck ist für alle gleich. Ich konzentriere mich auf meine Aufgabe beim 1. FC Köln und versuche, wenn ich beim Nationalteam bin, im Training und im Spiel gute Leistungen zu bringen. Alles andere kann ich nicht beeinflussen, und deshalb beschäftige ich mich auch nicht damit.

Sie stechen auch heraus, weil Sie absolut keinen Wert auf einen Auftritt in sozialen Netzwerken legen. Könnte man es sich denn als Europameister auch noch erlauben, keine Facebook-Seite zu haben?

Hector: Mich drängt es momentan nicht nach einer Facebook-Seite. Warum sollte ich also eine haben? Vielleicht bin ich da anders als andere. 

Interview: Hanna Schmalenbach

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