+
Neue Farbe: Die Allianz Arena, die am Finaltag nicht so heißen darf, wird in einem von der UEFA vorgegebenen Türkis leuchten. Auch auf die umstrittenen Ticketpreise hat der FC Bayern als Stadion-Eigentümer keinen Einfluss.

Tickets im Internet

Viagogo: Noch Zweit- oder schon Schwarzmarkt?

München - Nur noch wenige Tage bis zum Finale der Champions League. Bei der Online-Ticketbörse Viagogo werden für Karten Höchstpreise verlangt. Bayern hat dem Bundesliga-Partner inzwischen gekündigt.

Uli Hoeneß ist ein weichherziger Mensch, darum setzen ihm die Briefe zu, die er gerade bekommt. „Da ist der 76-Jährige“, erzählt er, „der mir schreibt, er werde es nie mehr erleben: ein Champions League-Finale in München, und er bekommt kein Ticket.“ Oder, anderer Fall: „Der Fan aus Tunesien, der bisher bei jedem Finale der Bayern war.“ Problem auch hier: Obwohl das Endspiel 2012 in München, im Bayern-Land stattfindet und es propagiert wird als „Finale dahoam“ – der Anhänger aus Nordafrika sieht keine Chance, an eine Eintrittskarte zu kommen.

Uli Hoeneß würde gerne in jedem Härtefall helfen, aber: „Ich hab’ ja auch nur zehn bis 15 Tickets, die ich weggeben kann“, bedauert der Präsident des FC Bayern. Die UEFA-Vorgaben sind eindeutig: 17 500 Tickets hat jeder der beiden Finalisten bekommen, über eine Million Anfragen sind dafür eingegangen. Unter seinen Mitgliedern und eingetragenen Fan-Clubs hat der FC Bayern unter notarieller Aufsicht das Kaufrecht verlost. Und wer nicht in der ersten Verkaufsphase über die UEFA (als noch nicht feststand, welche Vereine das Endspiel überhaupt erreichen würden) Glück hatte, dem bleibt nur noch der Schwarzmarkt. Oder der Zweitmarkt.

Viagogo: Weiterverkauf von Sport- und Konzert-Tickets

Als solcher gilt der US-Anbieter Viagogo, der seit 2007 in Europa und hier vor allem in Großbritannien und Deutschland auftritt. „Führende Plattform für den Weiterverkauf von Veranstaltungstickets“, so definiert Viagogo sich, und wenn man liest, was Eric Baker, der Chef von Viagogo, in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte, muss man glauben, der Weiterverkauf von Sport- (und Konzert-)Tickets sei ein Menschenrecht.

Wer Karten hat, kann sie bei Viagogo einstellen. Die Plattform nimmt vom Verkäufer zehn, vom Käufer 15 Prozent des erzielten Preises. Regulär würden Karten fürs Münchner Champions League-Finale zwischen 70 und 370 Euro kosten – bei Viagogo werden durchschnittliche Tickets zu vierstelligen Preisen gehandelt (Lesen Sie dazu: Fans laufen Sturm gegen Viagogo).

Ist das schon Schwarzmarkt?

Schwarzmarkt-Gebaren? Das weist Eric Baker weit von sich: Viagogo garantiere die Echtheit von Tickets, niemand würde reingelegt, Sicherheit als Pluspunkt. „Auf dem Schwarzmarkt müssen Sie in irgendwelchen dunklen Ecken zwielichtigen Gestalten vertrauen. Sie wissen nicht, ob Sie gleich zusammengeschlagen oder ausgeraubt werden.“ Die Betrüger sind für Viagogo immer die anderen, auch Ebay berge Gefahren. Edward Parkinson, Deutschland-Geschäftsführer von Viagogo: „Ebay ist eine phantastische Webseite, aber sie funktioniert nicht für zeitkritische Veranstaltungen wie Fußballspiele. Wenn die Tickets nicht ankommen oder gefälscht sind, gibt es keine Ersatzkarten oder keine Entschädigung.“

Arena verändert ihr Gesicht fürs Finale

Das Innenleben der Arena am Tag vorm Finale - und Bilder der Leuchtprobe

Die Münchner Polizei ist auf Betrugsanzeigen wegen platzender Ebay-Geschäfte eingestellt, bis zum Ende der vergangenen Woche waren bereits eine Handvoll Anzeigen eingegangen. Mit größerem Andrang rechnet man nach dem Finale – wenn Ebay-Käufer vergebens vor dem Stadion auf ihre Verkäufer gewartet (aber im Vorfeld schon bezahlt) haben.

FC Bayern und FC Chelsea sind Partner

Viagogo wirbt für sich auch durch seine Partner. In Deutschland sind es der 1. FC Kaiserslautern und der FC Bayern, in England ist es der FC Chelsea. Passenderweise die Finalisten. Doch Uli Hoeneß schränkt ein: Was das Finale am 19. Mai betreffe, kooperiere man nicht mit Viagogo. „Unsere Zusammenarbeit“, erklärt er, „bezieht sich auf die Bundesliga.“ Der klassische Fall: Ein Dauerkartenbesitzer kann zu einem bestimmten Spiel nicht gehen, also bietet er seine Karte für diese eine Partie auf Viagogo an. „Wenn die Karte dann statt der normalen 60 Euro 80 oder 90 kostet, finde ich das in Ordnung“, sagt Hoeneß. Doch er kennt die Vorbehalte der Anhänger und Mitglieder, auf jeder Jahreshauptversammlung des Vereins werden sie vorgebracht. „Vor allem mit unseren Auswärtskarten wird reger Handel getrieben“, klagt Hoeneß. Das findet er nicht in Ordnung, und daher wurde beschlossen: „Wir werden den Vertrag mit Viagogo, der zum Ende der Saison 2013/14 ausläuft, nicht verlängern.“ Doch Hoeneß weiß: „Wir brauchen eine Möglichkeit des Tickettausches. Vielleicht organisieren wir selbst eine Börse.“ Der Präsident spricht ein Problem an: Die Allianz Arena ist, wie Stadionsprecher Stephan Lehmann jede zweite Woche schmettert, „restlos ausverkauft“, doch selten richtig voll. Aufgrund ungenutzter Dauerkarten sind meist nur 66 000 statt der möglichen 69 000 Zuschauer da.

Fürs Champions League-Finale 2012 hat Viagogo aus dem Bayern-Kontingent über den Verein keine Karte bekommen. Dennoch bietet Viagogo „Sektor Bayern“ und „Sektor Chelsea“ an. Wie das geht? Viagogo hat offensichtlich viele Karten aus Spanien bekommen, wo man sich auf ein Endspiel zwischen Real Madrid und FC Barcelona eingerichtet hatte und an einem Spiel FC Chelsea – FC Bayern kein Interesse hat. Aus Barca wurde Chelsea, aus Real Bayern. Und aus einem zu erwartenden großen Ansturm durch die München-Konstellation der größte aller Zeiten. Uli Hoeneß kann es täglich in seiner Post nachlesen.

Günter Klein

Auch interessant

Kommentare