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Donnergrollen am Gardasee

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„Was, wenn sich ein WM-Spieler beim Länderspiel verletzt?“ Bayern-Trainer Louis van Gaal fordert Schonung. © dpa

Riva - Bayern-Trainer Louis van Gaal schießt wieder in Richtung DFB: Dass er womöglich Anfang August schon wieder einige seiner Leistungsträger für ein Länderspiel freigeben muss, geht dem Coach mächtig gegen den Strich.

Man mag es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich Momente, in denen sich selbst der erwiesenermaßen von sich reichlich überzeugte Louis van Gaal klein vorkommt. Er selbst hat sich gefreut, als er diese Erfahrung dieser Tage gemacht hat. In seiner Heimat hat der Bayern-Coach schon viel vom Gardasee gehört, den sie in den Niederlanden „Gardameer“ nennen, aber er war noch nie da, erst jetzt. Und er sagt: „Es ist fantastisch zu sehen, wie klein ein Mensch ist. Man steht am Ufer, die Berge wachsen steil in den Himmel – man merkt: Der Mensch ist nur ein kleines Detail.“ Er fühlt sich wohl, bloß ein kleiner negativer Zusatz: „Für mich ist es zu heiß.“

Rumpf ist Trumpf: Die Bayern im Trainingslager

Die Temperaturen sind das eine, was dem 58-Jährigen die Schweißperlen auf die Stirn treibt, das andere sind die Rahmendaten seiner Saisonvorbereitung. Van Gaal stößt noch immer bitter auf, dass er seine deutschen WM-Teilnehmer unter Umständen am 9. August schon wieder dem Nationalteam überlassen muss, obwohl sie erst sieben Tage davor aus dem Extra-Urlaub zurückkommen. Der Test gegen Dänemark sei schön und gut, so sein Tenor – aber bitte wirklich als Test für Profis, die im erweiterten Kreis stehen. „Der DFB hatte seine Spieler zehn Wochen bei der WM, da muss man jetzt nichts probieren oder üben“, sagt der Coach, der auf ein Entgegenkommen von Joachim Löw setzt. Man habe eine gute Beziehung zueinander, er sei auch froh, dass der Bundestrainer seinen Vertrag verlängert habe, aber sollte er in der Causa eine andere Meinung vertreten, erwartet van Gaal eine Kontaktaufnahme von Seiten des Kollegen.

Das Münchner Donnergrollen am Gardasee erreichte gestern Mittag seinen Höhepunkt, als van Gaal folgendes (Horror-)Szenario skizzierte: „Was passiert, wenn sich ein Spieler, der gerade mal sieben Tage trainiert hat, beim Länderspiel verletzt?“ Und: „Wer bezahlt das?“ Löw habe da eine Verantwortung, „die er nicht übernehmen kann“. Auch er selbst, van Gaal, müsse nach dem Saisonstart taxieren, welchem WM-Teilnehmer wie viel zuzumuten ist, „aber das sind meine Spieler, und sie werden vom FC Bayern bezahlt – ich habe ein kleines Risiko, aber das kann ich auf mich nehmen“.

„Die FIFA muss mehr mitdenken“

Generell, sagte van Gaal und klopfte dabei auf die Tischplatte, „muss die FIFA da ein bisschen mehr mitdenken mit den Vereinen.“ Sein Vorschlag: Die acht WM-Besten bei einem Termin unmittelbar nach dem Turnier von der Spielpflicht entbinden.

Angesprochen auf die Stürmer-Situation beim FC Bayern fand van Gaal ebenfalls klare Worte. Man habe schon letztes Jahr gesehen, dass man da ein Überangebot habe. „Wir spielen mit einer Spitze, mit zwei hat es nicht geklappt. Das heißt, wir haben fünf Spieler für eine Position – das wird großen Streit geben.“ Er werde sein System nicht ändern, die Konsequenz für den Kader lautet: „Ich will nur zwei Stürmer.“ Die Situation sei bekannt, „jeder weiß: Nur der Beste spielt“. Dass das eine heiße Kiste wird, lässt van Gaal kalt. Sogar unter der italienischen Sonne, die derzeit so gnadenlos auf jedes Detail am Gardasee herunterbrennt.

Andreas Werner

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