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Die Stütze muss gestützt werden: Jerome Boateng erlitt einen Muskelbündelriss im Adduktorenbereich. 

Er ist "unersetzlich"

Boatengs Verletzung trifft den FC Bayern ins Mark

Hamburg - Oft ist das so im Sport: Wenn es gar nicht so wild aussieht, ist es fatal. Die Boateng-Diagnose trifft den FC Bayern ins Mark. Er muss zwei Monate ohne den "Unersetzlichen" spielen. Eine Analyse. 

Als Jerome Boateng am Freitagabend Anfang der zweiten Hälfte kurz über den Rasen des Hamburger Volksparksstadions purzelte, stockte keinem der Atem. Aber seine Reaktion sprach Bände: Er war noch gar nicht richtig zuende gepurzelt, da signalisierte er bereits: Auswechseln! Sofort. Boateng, Bär von einem Verteidiger, markiert nicht. Sekunden später sah es skurril aus, wie zwei Betreuer den sperrigen Hünen mühsam zur Erstbehandlung über die Seitenlinie ins Aus zogen. Als er dann stand, konnte er nur gestützt humpeln. Die Diagnose trifft den FC Bayern ins Mark.

Der Verein verweigerte Details zur Blessur, er gab nur bekannt, dass sich der Nationalspieler an den Adduktoren verletzt habe. Dann sickerte aber durch, es sei ein Muskelbündelriss und ein Adduktorenabriss. Bedeutet: zwei bis drei Monate Pause. Er wird den Münchnern fehlen, viele sagen: mehr als jeder andere. Keiner trägt den Stempel „unersetzlich“ mehr als Boateng.

Die Abwehr ist schon länger die Achillesferse der Bayern, und Jerome Boateng war aus zwei Gründen die zentrale Figur des fragilen Gebildes: Viele halten ihn für den weltbesten Innenverteidiger, zudem war auf ihn immer Verlass. Holger Badstuber trägt eine beispiellose Krankenakte mit sich herum, Javi Martinez ist ungewöhnlich lang damit beschäftigt, sich von einem Kreuzbandriss zu erholen, und bei Medhi Benatia schüttelt man sowieso nur den Kopf: Selten hat ein Sportler im besten Alter so viele körperliche Defizite auf sich vereint wie dieser 28-Millionen-Einkauf. In der Hinrunde musste mal Mittelfeldstratege Xabi Alonso hinten aushelfen, dann war David Alaba dort verschenkt, ab und an wagte Pep Guardiola es sogar, in Rafinha den vermutlich kleinsten Innenverteidiger der Fußballgeschichte aufzubieten. Jerome Boateng spielte hingegen: immer. Obwohl auch er Probleme mit dem Knie hatte, musste er durchhalten. Möglich, dass er nicht rund lief – und sich deshalb nun schwer verletzte.

Im Trainingslager in Katar hat der 27-Jährige noch gewitzelt, ihm behage der Begriff „Abwehrchef“ nicht so: „Abteilungsleiter Defensive klingt besser.“ Die Definition ist einerlei: Eine kopflose Filiale funktioniert selten gut. „Wir haben ein Problem“, sagte Pep Guardiola. Wie wahr.

Zumal auch diese Verletzung ein schlechtes Licht auf die Arbeit des Trainers wirft: Die Muskelverletzungen haben sich eklatant gehäuft. „Ich habe keine Erklärung, warum wir so viele Muskelverletzungen haben, ich bin kein Fachmann“, meinte Philipp Lahm. „Kurz vor Weihnachten haben wir auch nur mit 14 Spielern gespielt, wir haben einfach die Seuche“, klagte Thomas Müller. Wenigstens kehrte Juan Bernat am Samstag wieder ins Training zurück, er laborierte seit Wochen an Wehwehchen.

Spätestens, wenn ab dem Spiel in Leverkusen am 6. Februar die englischen Wochen beginnen, wird die Belastung steigen. Käme es bereits jetzt zum Achtelfinal-Duell mit Juventus Turin, wäre Skepsis erlaubt. „Wir müssen ab sofort jede Woche Gas geben“, sagte Arjen Robben, „wenn wir erst beim Juve-Spiel fertig sind, ist das zu spät.“ Kurz zuvor war Boateng in die Nacht gehumpelt. Mit düsterer Miene.

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