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Karl-Heinz Rummenigge.

Bayern-Boss im Merkur-Interview

Rummenigge: "Unser Trainer liebt diesen Spieler"

München - Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über den Abgang von Toni Kroos, die Entwicklung von Mario Götze.

Am Freitag startet die Bundesliga, der FC Bayern empfängt zum Auftakt den VfL Wolfsburg. Im Interview erläutert Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Personallage und verrät, wer seine Titelkandidaten sind.

Herr Rummenigge, Ihr FC Bayern beklagt vor dem Start vor allem im Mittelfeld viele Ausfälle. Bereuen Sie es nun, Toni Kroos abgegeben zu haben?

Karl-Heinz Rummenigge: Nein. Dass Toni Kroos ein sehr guter Mann ist, haben wir nie infrage gestellt. Es war immer unser Wunsch, dass er bleibt. Aber wir hatten uns intern auch ganz klar darauf verständigt, dass wir darüber nachdenken, ihn aus betriebswirtschaftlichen Gründen abzugeben, wenn es uns nicht gelingt, ihn zu halten.

Verstehen Sie Kritiker, die sagen: Den hätte man nie ziehen lassen dürfen?

Karl-Heinz Rummenigge: Fakt ist: in einem Jahr wäre Toni Kroos ablösefrei gegangen, so wie das bei Robert Lewandowski der Fall war. Das wollten wir nicht, aus kaufmännischer Verantwortung dem Verein gegenüber.

"Schlagabtausch mit dem BVB ist amüsant"

Steht nun Mario Götze noch mehr in der Pflicht? Ex-Profi Dietmar Hamann behauptet, er habe für den Durchbruch nur noch sechs bis zwölf Monate Zeit.

Karl-Heinz Rummenigge: (lächelt) Also, ich schätze Didi Hamann sehr, aber ich muss ihn da jetzt schon mal korrigieren: Man darf nicht vergessen, dass Götze gerade mal 22 Jahre alt ist. In dem Alter einen Spieler über die Maßen unter Druck zu setzen, halte ich für kontraproduktiv. Ich höre, er gibt im Training immer Vollgas, und so wie er im Pokal in Münster aufgetreten ist, hat er mir sehr gut gefallen – nicht nur wegen des Tores, sondern von der ganzen Art und Weise. Ich bin mehr als optimistisch, dass er in dieser Saison total durchstarten wird. Er hat eine absolute Qualität als Fußballer, es kommt nicht von ungefähr, dass er beim WM-Finale diese Flanke so verarbeiten konnte – das Tor macht nicht jeder.

Wie sehen Sie seine Entwicklung im Klub, warum hat ihn Pep Guardiola im ersten Jahr nicht so oft eingesetzt wie gedacht?

Karl-Heinz Rummenigge: Grundsätzlich ist Mario Götze ein Spieler der Qualität Weltklasse, und unsere Aufgabe als FC Bayern ist es, ihn auf seinem Weg zu begleiten, zu unterstützen und ihm zu helfen. Eines kann ich Ihnen versichern, das weiß ich ganz genau: Unser Trainer liebt diesen Spieler Mario Götze.

Wenn Sie betonen, er gebe jetzt im Training immer Vollgas – hat er es im Vorjahr zu oft schleifen lassen? Einige Experten finden, er ruhe sich auf seinem Talent zu oft aus...

Karl-Heinz Rummenigge: Mario kam vor einem Jahr mit einem Muskelbündelriss zu uns, eine sehr schwere und langwierige Verletzung. Jetzt ist er total fit. Ich höre immer nur von den Trainingseinheiten, dass es bei ihm einfach wunderbar läuft.

Kroos war wegen seines Alters und seiner zentralen Rolle ein wichtiger Baustein für den Generationenwechsel im Team. Ist es Ihr Traum, dass nun Götze über die Jahre zu einer echten bayerischen Schlüsselfigur heranreift?

Karl-Heinz Rummenigge: Das würden sie nicht überall so gerne hören, aber er ist ja im Allgäu geboren, also schon auch hier verwurzelt. Seine Vertragslaufzeit ist bekannt, noch drei Jahre, und ich wünsche dem FC Bayern einen Götze der Extraklasse. Er hat herausragende Talente, von denen wir natürlich noch viele, viele Jahre profitieren wollen. Ich hoffe, dass er ein Herzstück einer neuer Bayern-Generation wird.

"Ich bin neugierig auf Hoffenheim"

Ist so ein Scharmützel unter den Branchenführern gut oder schlecht für den deutschen Fußball?

Karl-Heinz Rummenigge: Also, man muss doch mal zugeben: Der Supercup wäre ohne die Nummer zumindest im Vorfeld eher ein Langweiler gewesen. Gesunde Rivalität tut dem deutschen Fußball da oben an der Spitze in meinen Augen schon ziemlich gut – und dass ab und an mal gestichelt wird, damit muss jede Seite leben können. Wir sind doch alle erwachsen.

Mal aus sportlicher Sicht: Sehen Sie den BVB wieder als Hauptkonkurrenten im Titelkampf?

Karl-Heinz Rummenigge: Von der Qualität und der individuellen Klasse her wird der BVB wohl unser Konkurrent Nummer eins. Ich warne aber auch, Leverkusen zu unterschätzen, gerade im offensiven Bereich sind sie sehr gut aufgestellt. Bei Schalke muss man abwarten, wie sich die junge Mannschaft entwickelt. Ich bin neugierig auf Wolfsburg – und auf Hoffenheim. Die Hoffenheimer haben sich etabliert und stabilisiert, dazu haben sie interessante Transfers getätigt. Die werden peu à peu zur Spitze aufschließen.

Erwarten Sie Hoffenheim schon dieses Jahr im Titelrennen, oder wird es mittelfristig ein Kandidat?

Karl-Heinz Rummenigge: Diese Saison schon, aber sie werden mittelfristig oben eine größere Rolle spielen. Alle, die sagen, die Liga wird langweilig, weil nur Bayern und der BVB ihre Bahnen ziehen, werden sich umschauen.

Lesen Sie auch: Herr Rummenigge, was planen Sie mit Marco Reus?

Interview: Andreas Werner und Hanna Schmalenbach

Morgen lesen Sie: Karl-Heinz Rummenigge über Pep Guardiola, Bayerns Suche nach Neuzugängen und die Lehren von der WM.

Hanna Raif

Hanna Raif

E-Mail:Hanna.Raif@merkur.de

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