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Mit Katar gegen Bayern: Michael Laudrup.

Interview mit dem dänischen Trainer

Laudrup erinnert sich: So war der junge Pep

Doha - Einst spielten Michael Laudrup und Pep Guardiola gemeinsam beim FC Barcelona. Gestern Abend gab es ein Wiedersehen. Der Däne erinnert sich im Merkur-Interview an die gemeinsame Zeit.

Doha – Vor 23 Jahren gewann Michael Laudrup (50) mit dem „Dream Team“ des FC Barcelona den Europapokal der Landesmeister – im Team stand damals auch der junge Pep Guardiola. Gestern trafen die beiden Trainer im Test der Bayern gegen die Auswahl der katarischen Liga aufeinander.

Herr Laudrup, Sie trainieren seit Sommer den katarischen Meister Lekh-wiya. Wie ist der Fußball hier?

Laudrup: Man kann ihn sicher nicht mit den großen Ligen in Europa vergleichen. Aber man tut hier alles für den Sport und will etwas entwickeln. In der Liga zum Beispiel dürfen immer nur drei ausländische Spieler gleichzeitig spielen, weil sie ihre Jugend fördern wollen. Sie sind auf dem richtigen Weg.

Ihr Bruder Brian hat bei Bayern gespielt. Haben Sie eine spezielle Verbindung zu diesem Klub?

Laudrup: Er interessiert mich zumindest sehr. Bayern, aber auch das DFB-Team haben einen tollen Stil entwickelt. Weltmeister, Champions League-Sieger. So wird es weiter gehen. Vielleicht haben die Bayern nur in der Bundesliga das Problem, dass sie zu gut sind (lacht).

Sie waren einst beim FC Barcelona und bei Real Madrid. Ist Bayern auf dem Niveau dieser beiden Klubs angekommen?

Laudrup: Ja. Aber sie alle müssen nun nicht nur an heute, sondern auch an morgen denken. Wer wird mal Ribery ersetzen? Wer wird mal Robben ersetzen? Wer wird Schweinsteiger und Lahm ersetzen? Es steht ein Umbruch bevor. Sie dürfen nicht den Fehler machen, drei oder vier Spieler gleichzeitig zu tauschen. Wenn das gelingt, werden sie lange oben bleiben.

Sie haben Pep Guardiola als Spieler wachsen sehen. Wie war er damals?

Laudrup: Er war sehr jung, als er Anfang der neunziger Jahre zu uns ins Team kam. Ein toller Typ, ein super Fußballer. Er hatte schon immer eine wahnsinnig gute Übersicht. Und es hat ihm bestimmt auch geholfen, dass er mit uns gespielt hat (lacht).

Es heißt, er habe schon damals so viele Fragen gestellt. War er nervig?

Laudrup: Nein. Aber er war nie zufrieden. Das führt er fort. Pep sagt, er kann immer noch besser werden. Das wird er sein ganzes Leben lang so machen, egal wie viele Titel er noch holen wird.

Haben Sie noch Kontakt?

Laudrup: Vor ein paar Monaten schrie einer am Flughafen von Barcelona: „Hey, Michael!“ – das war Pep. Und wenn wir uns alle treffen – egal wie viele Jahre vergangen sind – ist es, als hätten wir uns erst letzte Woche das letzte Mal getroffen. Wir waren und sind ein tolles Team.

Ist Guardiola bereit, die Champions League mit Bayern zu gewinnen?

Laudrup: Klar. Aber es ist doch so: Die ganze Saison bis zum März, April geht es nur um die Vorbereitung auf diese Spiele, die dann warten. Und wenn dann Ribery und Robben fehlen, hast du ein Problem. Pep hat ein tolles Team, einen breiten Kader – aber den Champions League kann selbst er nicht planen.

Als Däne kennen Sie sicherlich auch Pierre-Emile Hojbjerg gut. Was für eine Karriere trauen Sie ihm zu?

Laudrup: Ich habe ihn in der dänischen Nationalmannschaft gesehen. Er ist ein großes Talent, ein Spieler für die Zukunft. Er ist jung, aber er ist schon stark. Wir werden noch viel von ihm hören. In zwei Jahren werden wir ihn bei Bayern in der Startelf sehen.

Der nächste dänische Superstar?

Laudrup: Ich sage so etwas nicht gerne über junge Spieler. Man setzt die armen jungen Kerle damit so unter Druck.

Dann mögen Sie die Diskussion um Martin Ödegaard wohl auch nicht.

Laudrup: Nein. Das ist doch schrecklich. Der Junge ist 16 Jahre alt. Hojbjerg hat alles richtig gemacht: Er ist nach Augsburg gegangen, um zu spielen, um zu reifen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Ödegaard auch die richtige Entscheidung trifft.

Angeblich entscheidet er sich für die Bayern oder Real Madrid.

Laudrup: Ich kann mir nicht vorstellen, dass er als 16-Jähriger bei Real regelmäßig spielen wird. Auch Bayern ist vielleicht nicht das richtige. Wenn er mein Sohn wäre, würde ich ihn erst mal nach Holland schicken.

 

Das Gespräch führte: Hanna Schmalenbach

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