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FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke

"Es gibt keinen Plan B"

FIFA macht Druck: WM 2014 muss stattfinden!

Rio de Janeiro - Die FIFA schlägt zurück: Nach der teilweise heftigen Kritik an der "Besatzungsmacht" gibt der Fußball-Weltverband den Druck der Straße an Behörden und Verbände in Brasilien weiter.

Der oberste Fußball-Herrscher gönnt sich eine Auszeit in der Türkei, doch sein Stellvertreter sprach nach Tagen des Zögerns am Brennpunkt Klartext. „Der Confed Cup findet in Brasilien statt, und die WM muss es auch. Es gibt keinen Plan B“, sagte Generalsekretär Jerome Valcke nach einem Treffen der FIFA mit dem brasilianischen Verband CBF im Copacabana Palace Hotel in Rio de Janeiro. Soll heißen: Die FIFA ist es leid, der Sündenbock zu sein. Den Druck der Straße sollen jetzt die brasilianischen (Sport-)Politiker zu spüren bekommen.

Er hoffe, sagte Valcke weiter über die Proteste, die sich seit Tagen auch gegen die Mega-Events Confed Cup, WM 2014 und Olympia in Rio 2016 richten, „das geht nicht bis nächstes Jahr so weiter. Brasilien muss dieses Problem lösen! Es ist kein Problem der FIFA. Wir sind das falsche Angriffsziel. Wir sind unverschuldet in dieses Durcheinander geraten und haben nichts verbrochen.“

Valcke ist nach der Abreise des Präsidenten Joseph S. Blatter im Moment der starke FIFA-Mann in Brasilien. Er bestätigte, dass die FIFA die Behörden gebeten habe, „dass die Sicherheit gewährleistet wird, damit wir den Confed Cup bis zum Ende duchführen können. Den Umfang der Sicherheitsmaßnahmen bestimmt aber die brasilianische Regierung.“ Laut Valcke wurden Maßnahmen für Objekte mit FIFA-Symbol wie Abholstellen für Tickets, Hotels oder Fahrzeuge verstärkt.

Die Vorfälle in Salvador da Bahia, wo zwei parkende Minibusse der FIFA mit Steinen beworfen worden waren und Demonstranten versucht hatten, das offizielle Hotel des Weltverbandes zu stürmen, nannte er „traurig“. In Salvador trafen am Samstag Brasilien und Italien zum „Endspiel“ um Platz eins in Gruppe A aufeinander. Dort wurden ebenso wie am zweiten Sonntags-Spielort in Belo Horizonte bei Japan-Mexiko große Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmern erwartet.

Was die Leute umtreibt, formulierte Fußball-Idol Romario in einem von ihm selbst bei YouTube veröffentlichten Video. Der Weltmeister von 1994 und heutige Parlamentsabgeordnete bezeichnete die FIFA „als wahren Präsidenten des Landes“. Er spreche als Brasilianer, betonte der 47-Jährige - und griff den Weltverband scharf an. Der „kommt in unser Land und errichtet einen Staat im Staate. Sie kommen hierher, bauen den Zirkus auf, haben keine Auslagen und nehmen alles mit.“

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Seine Politiker-Kollegen ermahnte er, sie müssten „jetzt ein für allemal verstehen, dass die Tage des Betrügens, der Gaunereien, der Diebstähle, der Verlogenheiten und vor allem des fehlenden Respekts für das Volk vorbei sind“. Die in den Stadionbau investierten Gelder von 2,4 Milliarden Euro hätten ausgereicht für 8000 neue Schulen oder 39.000 Schulbusse oder 28.000 Sportfelder, rechnete er vor.

Das ist es auch, was viele Bürger wütend macht. Verantwortlich dafür machen sie die eigene Politik - und eben die FIFA. Die aber hält an ihrem Plan fest, trotz der schwierigen Sicherheitslage die Spiele weiterlaufen zu lassen - bis zum Endspiel der „Mini-WM“ am kommenden Sonntag im Maracana. „Weder die FIFA noch das Organisationskomitee haben je einen Abbruch des Confederations Cups in Erwägung gezogen“, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme.

Gerüchte, wonach Italiens Delegation eine Abreise erwogen habe, dementierte zunächst die FIFA. Später am Freitag betonte auch Coach Cesare Prandelli: „Nein, darüber haben wir nicht nachgedacht, obwohl uns die Lage ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet.“

Die Azzurri wurden gebeten, ihr Teamhotel in Salvador nur zu den offiziellen Terminen Abschlusstraining und Spiel zu verlassen. Mario Balotelli hielt sich nicht daran und stolzierte mit Goldkettchen an der Strandpromenade entlang. „Er hatte eine Sondererlaubnis, weil man ihn mit den Leuten hier verwechseln könnte“, scherzte Prandelli. Ein Witz, über den die FIFA kaum gelacht haben dürfte.

SID

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