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Erwartet von seiner Mannschaft Akzente in der Offensive: Nationaltrainer Joachim Löw.

EM-Qualifikation gegen Gibraltar

Löw verspricht "Akzente in der Offensive"

Nürnberg - Bundestrainer Joachim Löw setzt im letzten EM-Qualifikationsspiel des Jahres morgen in Nürnberg gegen Gibraltar voll auf Angriff. Der Kölner Jonas Hector könnte sein Nationalmannschaftsdebüt feiern.

Im maximal ungleichen Duell gegen Fußball-Zwerg Gibraltar setzt Joachim Löw seinen Weltmeistern kein Tore-Limit. Ein mögliches Rekordergebnis in der 106-jährigen deutschen Länderspielgeschichte hat für den Bundestrainer aber keine Priorität. Wichtiger ist die Rückkehr zu einer dominanten und erfolgreichen Spielweise. „Wir sprechen nicht über einen Rekord, der mal gefallen ist, vor ich weiß nicht wie vielen Jahren. Wir wollen vor allem ein Spiel bieten, das eines Weltmeisters würdig ist, was Einstellung angeht und auch das Ergebnis“, sagte der Bundestrainer am Donnerstag.

Löw nutzte die Pressekonferenz vor der Partie in der EM-Qualifikation gegen die Fußball-Nobodies vom Affenfelsen am Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Nürnberg auch für einen deutlichen verbalen Warnschuss an seine Titelhelden und alle potenziellen Nachrücker im DFB-Ensemble. Nach dem Titelrausch von Rio will der 54-Jährige „neue Reize“ setzen. Mario Götze und Co. müssen sich im kommenden Jahr dringend neuen Herausforderungen stellen - womöglich sogar mit einer modifizierten Spielphilosophie.

„Wir sind in dem einen oder anderen Spiel auf dem harten Boden der Realität gelandet, ganz klar“, erinnerte der Bundestrainer an die Oktober-Enttäuschungen in der Ausscheidungsrunde für die EM 2016 in Frankreich gegen Polen (0:2) und Irland (1:1). Diese waren aber nicht allein ausschlaggebend für Löws Grundsatz-Grübeleien.

Den Blick zu schärfen für die Zukunft ist für den Bundestrainer eine Voraussetzung für den angestrebten nächsten Titel-Coup 2016. „Wir haben viele junge Spieler, die sind heiß, die geben sich nicht mit einem Titel zufrieden. Die wollen nachlegen“, sagte Löw und nannte namentlich Götze und Jérôme Boateng, der im Frankenland sein 50. Länderspiel bestreitet.

Veränderungen im Spielsystem sind möglich

„Wir müssen uns weiterentwickeln. Wir haben uns ernsthafte Gedanken gemacht. Es ist durchaus möglich, dass eine Anpassung stattfindet und auch eine Veränderung“, sagte Löw hinsichtlich der Spielphilosophie, ohne aber konkrete Schritte zu nennen. „Um auf dem Niveau zu bleiben, muss man Dinge verändern. Da werde ich schon das Eine oder Andere angehen“, betonte Löw, der zugab, dass die Ehrungen zu Wochenbeginn eine gewisse „Hektik“ im Weltmeister-Zirkel verursacht hätten.

Der Fokus soll wieder auf den Sport gerichtet werden. In einem Nebensatz nannte der DFB-Chefcoach eine taktische 3-5-2-Formation als mögliche Zukunftsoption, die beim ersten Versuch im November 2011 beim 3:3 in der Ukraine gründlich misslang. Dennoch könnte diese Taktik schon gegen das ohnehin chancenlose Gibraltar wieder getestet werden, denn Löw will extrem offensiv den Kontrahenten zu Fehlern zwingen.

„Wir werden mit nicht allzu vielen defensiven Leuten auflaufen. Wir brauchen keine vier Innenverteidiger, sondern Leute, die auch in der Offensive Akzente setzen können“, sagte Löw vor der Partie des Weltmeisters an diesem Freitag. Ob der Kölner Linksverteidiger Hector gegen das erst seit 2013 zum Europa-Verband UEFA gehörende Team vom Affenfelsen in der Startelf oder als Einwechselspieler zum Einsatz kommt, ist offen.

Aus der Aufstellung machte der Bundestrainer auch vor dem Spiel gegen den krassen Außenseiter weitgehend ein Geheimnis. Sami Khedira soll aber von Anfang an spielen und nach seiner Muskelverletzung im Mittelfeld in einer offensiveren Ausrichtung wertvolle Spielpraxis sammeln. Auch Lukas Podolski darf sich in seinem 121. Länderspiel mal wieder in der Startelf beweisen.

Löw legt Podolski indirekt Wechsel nahe

Löw sprach die geringe Spielpraxis des 29-Jährigen beim FC Arsenal jedoch erstmals deutlich als Problem an und machte eine klare Ansage. Einen Freifahrtschein für 2015 erhält der 120-malige Nationalspieler aber nicht mehr „Ich habe mich mit Lukas unterhalten über seine Situation. Er wird sich Gedanken machen müssen, glaube ich. Für Lukas ist zwingend notwendig, dass er irgendwo regelmäßig spielt", sagte der Bundestrainer.

Beim FC Arsenal versauert Podolski (47 Länderspieltore) auf der Bank. Darum wird er im Winter wohl auf einen vorzeitigen Abschied aus London drängen. „Ich will spielen. Wenn man mir den Wettkampf und den Spaß nimmt, bin ich nicht zufrieden“, sagte er in dieser Woche.

Einen Sonderstatus im Nationalteam kann Löw dem ewigen Poldi kaum länger gewähren, zumal die Konkurrenz auf seiner Position groß und namhaft ist. „Für Lukas ist eine sehr gute Physis und eine hohe Intensität im Spiel wichtig. Dann macht er gute Laufwege, dann ist er schwer aufzuhalten. Daran muss er arbeiten in den nächsten Monaten“, sagte Löw, der ergänzte: „Ich bin nach wie vor überzeugt vom Lukas.“ Aus Wettkämpfen ziehe Podolski letztendlich „seine Dynamik und seine Kraft. Also: Gegen Gibraltar muss Podolski zünden.

Die voraussichtlichen Aufstellungen: 

Deutschland: Neuer/Bayern München (28 Jahre/56 Länderspiele) - Rüdiger/VfB Stuttgart (21/4) oder Rudy/1899 Hoffenheim (24/4), Boateng/Bayern München (26/49), Höwedes/Schalke 04 (26/30), Durm/Borussia Dortmund (22/5) oder Hector/1. FC Köln (24/0) - Khedira/Real Madrid (27/51) - Bellarabi/Bayer Leverkusen (24/2), Kroos/Real Madrid (24/55), Götze/Bayern München (22/39), Podolski/FC Arsenal (29/120) - Müller/Bayern München (25/60) - Trainer: Löw

Gibraltar: Jordan Perez/Lions Gibraltar (28/7) - Wiseman/Preston North End (28/5), Roy Chipolina/Lincoln Red Imps (31/8), Artell/Bala Town (33/5), Joseph Chipolina/Lincoln Red Imps (26/8) - Payas/FC Manchester 62 (29/4) oder Ryan Casciaro/Lincoln Red Imps (30/8) - Brian Perez/Lincoln Red Imps (28/3), Walker/Lincoln Red Imps (26/7), Bado/FC Lynx (29/2), Gosling/Bristol Rovers (21/5)- Kyle Casciaro/Lincoln Red Imps (26/7). - Trainer: Bula

Schiedsrichter: Alexandru Tudor (Rumänien)

dpa/SID

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