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Emanuel Buchmann: Tour-de-France-Debüt im ersten Profijahr

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Von: Armin Gibis

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Emanuel Buchmann
Der deutsche Meister ist nun Tour-Debütant: Emanuel Buchmann. © dpa

München - Emanuel Buchmann - mit ihm hat keiner gerechnet bei der Tour de France 2015. Der junge Schwabe wird im Trikot des Deutschen Meisters drei Wochen durch Frankreich fahren.

Ralf Denk kommt immer noch ins Schwärmen, wenn er an die deutschen Rad-Meisterschaften in Bensheim denkt. „Das war schön, echt schön“, sagt der Manager des Raublinger Bora-Argon-18-Teams. Was den 41-Jährigen in nachhaltige Hochstimmung versetzte, war die ielankunft im Straßenrennen am vergangenen Sonntag. In der Spitzengruppe befanden sich mit John Degenkolb und Andre Greipel zwar zwei Weltklassefahrer, doch am Ende reckte einer die Arme hoch, mit dem niemand gerechnet hatte: Emanuel Buchmann, Profi-Novize im Bora-Team.

Das Trikot des Deutschen Meisters (weißes Dress mit schwarz-rot-goldener Brustring) wird der junge Schwabe somit drei Wochen lang durch Frankreich fahren. „Das ist für uns ein schönes Gefühl“, sagt Denk, der bei der zweiten Tour-Teilnahme seines Team auch auf die beflügelnde Wirkung des Vorzeige-Textils setzt: „Das hat der ganzen Mannschaft Selbstvertrauen gegeben.“

Schließlich lag dem Erfolgserlebnis auch ein perfektes Teamwork zugrunde. Im 16 Mann starken Führungspulk befanden sich fünf Profis des zweitklassigen Raublinger Rennstalls. „Unser Ziel war es, das Rennen schwer zu machen“, erzählt Denk: „Am Ende waren noch Degenkolb und Greipel dabei, mit denen wollten wir nicht auf die letzten 500 Meter gehen. Also haben wir attackiert. Emanuel war die erste Karte, die wir gespielt haben.“

Der 22-Jährige, der 2014 noch bei den Amateuren fuhr, gibt nun gleich im ersten Profijahr sein Tour-Debüt. Und das als nationaler Titelträger. Ein fulminanter Aufstieg, der auch Tour-Chef Christian Prudhomme nicht entgangen ist. Bei der Präsentation in Utrecht suchte er extra das Lager von Bora-Argon 18 auf und beglückwünschte den Tour-Neuling für sein Meisterstück. „Das war geil für den Jungen“, sagt Denk.

Aufgefallen war Buchmann, ein starker Bergfahrer, bereits beim hochkarätig besetzten Etappenrennen Dauphiné Liberé im Juni. „Uns hat fasziniert, dass er nicht kaputt gegangen ist, sondern von Tag zu Tag eher besser wurde“, erzählt der Teammanager. Buchmann belegte einen höchst respektablen 32. Gesamtrang, dafür wurde er sogleich mit der Tour-Nominierung belohnt. Denks Prognose lautet: „Wir werden mit ihm noch viel Freude haben.“

Ähnliches erhofft sich der Bora-Teamchef auch von Dominik Nerz. Nachdem der 25- Jährige bereits bei der Vuelta mit den Plätzen 14 (2013) und 18 (2014) beachtliche Talentbeweise abgeliefert hat, wird er nun erstmals als Kapitän bei einer großen Rundfahrt an den Start gehen. Allerdings hat der Allgäuer, der als begabtester deutscher Klassementfahrer gilt, in dieser Saison bislang einiges Pech gehabt. Erst bremste ihn eine Virusinfektion, dann stürzte er bei der Dauphiné schwer. Bei einer Abfahrt vergaß Nerz vor einem Tunnel die Sonnenbrille abzunehmen – und krachte im Dunkeln gegen die Wand. „Das hat wild ausgeschaut“, sagt Denk.

Das Malheur ging glimpflich aus. Prellungen und Platzwunden sind inzwischen ausgeheilt. Denk ist relativ zuversichtlich: „Ich traue Dominik eine Top-20-Platzierung zu.“ Damit wäre Nerz voraussichtlich bester Deutscher. Das zählt mindestens so viel wie ein Meistertrikot.

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