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Hasan Ismaik bekam einen Keramik-Löwen geschenkt.

Treffen mit Fans in Rudelzhausen

Ismaik fordert Rausschmiss von Rejek

Rudelzhausen - Der Mann ist noch immer ein Mysterium, schwer greifbar wie ein Flaschengeist. Doch eines muss man dem arabischen Investor des TSV 1860 lassen: Er weiß sich zu inszenieren.

Wann immer sich Hasan Ismaik zu Wort meldet oder er gar persönlich irgendwo einschwebt, sind Presse, Fans und Klubverantwortliche in Habachtstellung. Auch am Freitag war wieder einiges geboten – erst bei einem Treffen mit Münchens OB Dieter Reiter. Dann auf dem jetzt schon legendären Fantreffen in der 3200-Seelen-Gemeinde Rudelzhausen.

Nachdem Ismaik den Rathaus-Termin dazu genutzt hatte, die Träume der Löwen von einem Stadion-Neubau zu befeuern, sorgte er am Abend für einen Paukenschlag, indem er vor handverlesenen Fans die Köpfe der beiden Geschäftsführer forderte. „Herr Rejek und Herr Noor haben leider keinen Erfolg gebracht“, wird Ismaik im Fan-Blog dieblaue24.de zitiert, nachdem er die Presse ausgeschlossen hatte. Wörtlich soll er gesagt haben: „Wir brauchen einen starken Haupt- und Finanzgeschäftsführer. Noor ist gescheitert, aber jung. Es fehlt ihm an Erfahrung. Er hat nur das gemacht, was ihm Rejek gesagt hat. Rejek war der Hauptverantwortliche. Ich habe zu Peter Cassalette gesagt, dass wir Rejek freistellen müssen.“ Pikant dabei: Basha ist der Cousin des Investors; doch dass der Jordanier in seinem heiligen Zorn vor niemandem Halt macht, hat vor Weihnachten auch schon sein alter Aston-Martin-Spezl Ulrich Bez erfahren müssen. Ismaik entfernte seinen früheren Vertrauten aus dem Beirat, als er sich in eine Verschwörungstheorie verstiegen hatte. Damals war es um den angeblich geplanten Verkauf seiner Anteile gegangen.

Davon ist plötzlich keine Rede mehr. Im Gegenteil. Ismaik versprach den Fans am Freitag nicht nur ein Stadion in Riem, er entwarf auch (scherzhaft?) die bizarre Idee eines echten Löwen-Geheges neben der zu bauenden Arena. „Wir warten nur noch auf die Genehmigung“, soll Ismaik gesagt haben: „Ich habe ein Team. Ich will neben dem Stadion einen Löwen-Park eröffnen – und jeder Löwe wird den Namen eines Spielers haben. Das wird eine Attraktion werden. Der Oberbürgermeister fand die Idee schön. Wir wollen das Grünwalder Stadion für zwei bis drei Jahre sanieren, damit wir danach in einem neuen Stadion in Riem spielen können. Die Finanzierung dieses Stadions steht fest, fest, fest.“ Bekanntlich denkt einer wie Ismaik stets in den ganz großen Dimensionen. Frühere faselte er davon, dem FC Barcelona nachzueifern und die Champions League anzustreben. Jetzt soll es ein überdimensionaler Löwen-Käfig sein. Mit 52.000 Sitzplätzen, alle in schönstem Blau natürlich. Eine gute, handfeste Nachricht hatte er auch, als es um die Lizenzierung für die neue Saison ging: „Es muss sich keiner Sorgen machen – weder für die 2. noch für die 3. Liga.“

Der Andrang war gewaltig, als der Milliardär im ländlichen Rudelzhausen erwartet wurde. Bei einem Blick auf den Parkplatz und die Nebenstraßen rund um das Wirtshaus hätte man meinen können, an diesem Abend werden fünf Hochzeiten gleichzeitig gefeiert. Doch die Kennzeichen der Autos, die aus ganz Süddeutschland stammten, verrieten deutlich, worum es an diesem Abend ging: Überall waren die Zahlen 1860 oder 60 zu lesen. Bereits ab dem späten Nachmittag hatte rund um das Gasthaus Festner-Busch eine nervöse Stimmung geherrscht, ab etwa eine Stunde vor der offiziellen Zusammenkunft war der Saal gerammelt voll. Rund 300 Namen umfasste die Gästeliste; von den Rottal-Inn- über die Vöttinger bis zu den Bodensee-Löwen waren sie alle extra angereist.

Riesenandrang: Löwen-Investor Ismaik stellt sich den Fans

Als dann gegen 18.40 Uhr – 20 Minuten früher als geplant – die schwarze S-Klasse in Langversion auf den Hof rollte, drängten sich vor dem Wirtshaus die Kamerateams. Ismaik hatte von seiner Limousine bis zur Eingangstür nur noch fünf Meter zu gehen – gerade weit genug, um den blau angestrahlten Baum am Eingang und das große Löwenbanner an der Haustür zu erblicken. Drinnen wurde er dann stilecht zu Klängen der Vereinshymne „Weiß-blau TSV“ begrüßt – und mit einem meterlangen Transparent. „Herzlich willkommen Hasan“, stand darauf in arabischen Schriftzeichen, auf blauen Rauten gedruckt.

Bevor es im Saal schließlich ans Eingemachte ging, übten sich die Fans noch in bayerischer Gastfreundschaft: Unter dem Applaus der Anhängerschaft überreichten die ARGE-Vorsitzenden einen großen weißen Keramik-Löwen an ihren Besucher. Dann nahm Ismaik Platz, an einer alleinstehenden Tafel – dort stellte er sich dem Dialog mit den Fans. Wie zu erfahren war, soll es sich dabei jedoch nicht um ein freies Frage-Antwort-Spiel gehandelt haben: Laut Fan-Vertretern mussten die Fragen Tage vorher nach Abu Dhabi übermittelt werden, um sie von einem Übersetzer aufbereiten zu lassen. Das Ergebnis war dann eine faustdicke Überraschung – vor allem für die Geschäftsführung.

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Uli Kellner/Armin Forster

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