Wird er als Präsident bestätigt?

Pro1860 nimmt Monatzeder in die Mangel

München - "Wahlkampftermin" für Hep Monatzeder: Bei einem Treffen mit Pro1860 sollte der 61-Jährige am Donnerstagabend laut Sprecher Hans Vonavka "ordentlich in die Mangel" genommen werden.

Schneller als geplant ist aus dem Ehrenamt ein Vollzeitjob geworden. Hep Monatzeder (61), Münchens dritter Bürgermeister, hat derzeit fast rund um die Uhr mit seinen Löwen zu tun. Auslöser unter anderem: der Streit mit Investor Hasan Ismaik – ein Thema, das auch die Basis spaltet, die den Grünen-Politiker am 25. April als Präsident bestätigen soll.

Die Wahl wird kein Selbstläufer, das ist Monatzeder bewusst. „Es gibt Delegierte, die sagen: Eigentlich müssen wir alles machen, was der Investor sagt, schließlich hat er das Geld gegeben. Und dann gibt’s diejeningen, die sagen: Werdet bitte so schnell wie möglich diesen Investor los. Der bringt nur Unglück.“ Schließlich gebe es noch eine dritte Gruppe. Diese sehe es so: „Wenn der Investor uns hopps gehen lässt, können wir froh sein. Dann fangen wir als eigenständiger Verein ganz unten wieder an.“ Monatzeder ahnt, dass es der Quadratur des Kreises gleichkommt, alle drei Lager auf eine Linie zu bringen. „Die Frage ist: Wo sind die Mehrheiten? Und schaffe ich es, diese Positionen einigermaßen auf meine Person zu vereinen?“

Noch zwei Wochen hat er, um Überzeugungsarbeit bei der Basis zu leisten. Am Donnerstag wollte er bei einem einflussreichen Lager anfangen: Mit Pro1860 war für den Abend eine Sitzung in der Untergiesinger Gaststätte „Gartenstadt“ vereinbart. Wichtig schon deshalb, weil von den 216 Delegierten, die über Monatzeder abstimmen dürfen, 172 der Fußballabteilung angehören. Zur Erinnerung: Die mitgliederstärkste Abteilung des Vereins stellt zu 100 Prozent Pro1860-Delegierte, die sich formierten, um die neue Satzung zu verabschieden.

Spießrutenlauf ist vermutlich ein Vergnügen gegen das, was Monatzeder am Abend erwarteten sollte. „Ein Grundgrant ist bei allen da“, zeichnete Sprecher Hans Vonavka ein Stimmungsbild. „Wir haben ihn vorgewarnt, dass wir ihn ordentlich in die Mangel nehmen.“ Die Presse wurde aus gutem Grund nicht zugelassen.

Was die Haltung im Streit mit Ismaik angeht, „ist auch bei uns die komplette Meinungspalette vertreten“, sagt Vonavka. Stolpern könnte Monatzeder jedoch über seine Parteizugehörigkeit, denn die Grünen haben seinerzeit für einen Abriss des Grünwalder Stadions gestimmt. Vonavka sieht Monatzeders Wahl als gefährdet an: „Es herrscht starke Kontra-Stimmung. Ich kenne nur wenig Leute, die sagen: Ich wähle ihn einfach.“ Kleiner Trumpf: Monatzeders Vizes Herbert Schmidt und Christian Holzer entstammen dem Pro-Lager. Vonavka betont: „Das ist Zufall. Es ist auch keiner hier glücklich, dass uns die Rolle des Königsmachers oder Königsmörders zufällt. Es ging uns von Anfang an nur um die neue Satzung und um die Abschaffung des Delegiertensystems.“

Schon vor Wochen sagte Monatzeder: „Ich wäre froh, wenn die Wahl hinter mir liegen würde. Dann könnte ich aus einer gefestigten Position heraus agieren.“ Von der Möglichkeit, nach einer etwaigen Ablehnung durch die Delegierten trotzdem im Amt zu bleiben und sich zu einem späteren Zeitpunkt einer Mitgliederwahl zu stellen, hält er wenig – obwohl Satzungswinkelzüge das zuließen. „Wenn ich abgelehnt werde, bin ich abgelehnt.“ Heißt: Dann soll sich jemand anders der undankbaren Aufgabe stellen. Dass Ismaik darauf spekulieren könnte, glaubt er nicht. „Was hätte er davon?“ fragt Monatzeder mit Blick auf ein drohendes Machtvakuum. „Wenn er keinen Partner im Beirat hat, kann erst recht nichts entschieden werden.“

Herbert Bergmaier, Vorstand von Pro 1860, hält es für sinnvoll, dass Monatzeder den Mut aufbrachte, sich dem Infoabend zu stellen: „Wenn er bestätigt werden will, ist das seine einzige Chance.“

Uli Kellner

Monatzeder im Porträt: Ein Mann, viele Ämter

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Rubriklistenbild: © MIS

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