Vikotoria Rebensburg, St. Moritz, Ski, Risenslalom, Angriff
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Viktoria Rebensburg will in St. Moritz noch einmal voll angreifen.

52 Punkte Rückstand

Aufholjagd! Ski-Ass Viktoria Rebensburg "voll auf Angriff"

St. Moritz - Viktoria Rebensburg hat die Riesenslalom-Kugel schon zweimal gewonnen in ihrer Karriere. Einen Rückstand (52 Punkte) aufholen musste sie dabei allerdings noch nie.

Im letzten Rennen des Weltcup-Winters hat Viktoria Rebensburg nichts mehr zu verlieren. Im Gegenteil: Mit etwas Glück kann die Skirennfahrerin nach einer Saison mit etlichen Höhen und Tiefen sogar noch eine kleine Kristallkugel gewinnen. Im Riesenslalom am Sonntag (09.30/12.30 Uhr) setzt sie zur Aufholjagd auf die führende Eva-Maria Brem an. „Es geht darum, voll auf Angriff zu fahren, voll auf Sieg zu fahren, das zu tun, was ich in meiner Hand habe - den Rest muss man eh der Eva überlassen“, sagte Rebensburg.

„Wenn die Vicky ihre normale Form abruft, dann kann es sein, dass die Eva ein bisschen nervös wird. Dann ist eine kleine Chance da - die wollen wir nutzen“, sagte ihr Trainer Markus Anwander in St. Moritz.

52 Punkte fehlen Rebensburg auf Brem. Ein Sieg allein reicht der Olympiasiegerin von 2010 daher nicht zu einem Last-Second-Erfolg. Wird die Österreicherin Brem auf der Piste für die WM 2017 mindestens Vierte, ist die Sache durch. Wie klein die Chance realistisch betrachtet deshalb ist, weiß auch der Damen-Bundestrainer. „Im Normalfall ist es durch, weil die Brem auch in guter Form ist. Aber man weiß ja nie, im Skisport ist viel möglich“, sagte Anwander. „Es sind die besten 25 aus dem Riesenslalom-Weltcup hier, und da haben einige die Möglichkeiten, sich dazwischen zu zwängen.“

Wie schnell ein komfortabler Vorsprung weg sein kann, wissen sie im Deutschen Skiverband (DSV) durch eine schmerzhafte Erfahrung aus dem vergangenen Winter: Da war Felix Neureuther mit 55 Punkten Vorsprung auf seinen Verfolger Marcel Hirscher in den letzten Slalom gegangen.

Doch Neureuther, auch bedingt durch seine Rückenschmerzen, patzte in Méribel mit Platz zwölf - die ersehnte Kristallkugel bekam der Rivale aus Österreich. Dieses Mal kann Neureuther in den letzten Slalom am Sonntag (08.30/11.30 Uhr) übrigens ganz entspannt gehen. Die Kugel hat Norwegens Überflieger Henrik Kristoffersen bereits sicher.

Nur Rebensburg kann das Klassement im Finish noch umkrempeln. Die Form dazu hat sie. Seit die 26-Jährige beim Material wieder die richtige Abstimmung trifft, ist sie in ihrer Kerndisziplin so stark wie in den Jahren nach Olympia, als sie 2011 und 2012 die kleine Kugel holte. Von den vergangenen fünf Riesenslaloms gewann sie zwei, stand insgesamt viermal auf dem Podest und wurde einmal Vierte.

Brem führt nur deshalb immer noch, weil Rebensburgs Saisonstart misslungen war. „Die ersten drei Rennen, die waren daneben, klar, das waren zu viele“, sagte die Oberbayerin zu den Rängen sechs, sieben und elf in Sölden, Aspen und Are. „Aber man kann es halt nicht mehr zurückdrehen.“ Wichtig sei, dass „ich sagen kann, es ist super, ich habe wieder das Gefühl wie früher. Auf die Zukunft gesehen kann ich schon ganz vorne dabei sein im Riesenslalom.“

Mit mehr Konstanz in Abfahrt und Super-G wären sogar die große Kugel möglich und eine Aufholjagd denkbar gewesen. Doch dann leistete sich Rebensburg beim Super-G am vorigen Wochenende auf der Lenzerheide mit Rang 18 die schlechteste Platzierung der Saison, und Lara Gut war nicht mehr zu stoppen. „Die Saison ist nicht hundertprozentig gut gelaufen“, urteilte Anwander. Bezogen auf den Gesamtweltcup aber betonte er: „Das ist nach wie vor das erklärte Ziel, keine Frage.“

Die Qualität der Saison will DSV-Alpinchef Wolfgang Maier nicht allein von der Kristallkugel am Sonntag abhängig machen. „Da entscheidet sich nur, ob Vicky den persönlichen Triumph hat und noch eine Kugel gewinnt. Für sie war das mit ihren Ergebnissen eine sehr gute Saison, unabhängig vom Ausgang“, sagte Maier. Die Aussichten für den kommenden Winter sind auf jeden Fall gut.

dpa

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