Biathlon
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Zu warm für Wintersport: Der Biathlon-Weltcup musste wegen Schneemangels abgesagt werden.

Warmer Winter sorgt für viele Probleme

Biathlon-Absage: "Hoher Imageschaden" für Oberhof

Oberhof - Die Absage des Biathlon-Weltcups ist für die Region um Oberhof eine Katastrophe. Das viel zu milde Wetter beschert den Wintersportlern aber nicht nur in Thüringen ein sorgenvolles Weihnachtsfest.

Am Ende mussten selbst die umtriebigen Oberhofer vor dem viel zu warmen Winter kapitulieren. „Die Absage ist ein Stich ins Herz. Das trifft uns emotional sehr hart“, sagte Christopher Gellert, Organisationschef des Biathlon-Weltcups in Thüringen. Er befürchte neben einem finanziellen auch einen „hohen Imageschaden“ für die Region. Probleme, mit denen sich in Zukunft viele Veranstalter von Wintersport-Events in Mitteleuropa auseinandersetzen müssen.

Die viel zu hohen Temperaturen und akuter Schneemangel sorgen in nahezu allen Disziplinen für Schwierigkeiten. Erstmals seit mehr als 20 Jahren kann ein Biathlon-Weltcup in Deutschland wetterbedingt nicht wie geplant stattfinden. Erst am Montag hatte das sächsiche Klingenthal den Weltcup der Nordischen Kombinierer (2. /3. Januar) aus den gleichen Gründen absagen müssen. „Wir bewegen uns im wärmsten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung, da sind wir machtlos“, sagte Gellert.

In den kommenden Wochen dürften weitere Absagen folgen, zum Beispiel in Zagreb. In der kroatischen Hauptstadt sollen am 6. Januar die Alpin-Asse um Felix Neureuther und drei Tage zuvor die Frauen im Slalom unter Flutlicht starten. Doch Markus Waldner, Alpin-Renndirektor beim Weltverband FIS, sagt schon vor der Abnahme der Strecke: „In Zagreb wird es nach derzeitigem Stand sehr schwierig, Rennen zu fahren. Aber wir haben einen Plan B.“

Wie der aussieht, ist noch nicht bekannt. Allerdings wurden auch bei den Alpinen bereits Rennen gestrichen. Mitte November sollte nördlich des Polarkreises im finnischen Levi gefahren werden. Selbst dort war es aber zu warm, um Kunstschnee zu produzieren. Genau wie nun in Oberhof. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist der Dezember um durchschnittlich etwa 4,8 Grad zu warm. Selbst in Wintersport-Hochburgen wie Wengen, Adelboden oder Kitzbühel ist die Schneedecke kurz vor Weihnachten erschreckend dünn.

Meist liegt nur ein kümmerliches weißes Schneeband in der ansonsten grünen Natur. Ein echtes Wintergefühl komme dabei nicht auf, sagen viele Athleten, für die das milde Klima weitreichende Folgen hat. Die Biathleten müssen zwischen den Feiertagen zum Training in die Skihalle in Oberhof ausweichen oder trainieren gar auf Ski-Rollern, die sonst nur im Sommer benutzt werden. „Ich habe meine momentan immer dabei, damit ich vorbereitet bin“, sagte Franziska Hildebrand, derzeit Deutschlands beste Biathletin.

Nicht gefährdet ist immerhin die Vierschanzentournee. „An allen vier Orten können die Wettkämpfe wie geplant stattfinden“, sagte Tourneepräsident Michael Maurer vor dem Highlight um den Jahreswechsel. Möglich ist dies aber auch nur, da die Skispringer um Severin Freund verhältnismäßig wenig Schnee für den Aufsprunghügel benötigen und die Anlaufspur ohnehin künstlich gekühlt wird.

Anders sieht das beim Biathlon aus. Es müssen mehrere Laufrunden mit Längen zwischen zwei und vier Kilometern präpariert werden. Nach der Absage der Veranstaltung vom 7. bis 10. Januar 2016 in Oberhof soll der Weltcup nun unbedingt in Deutschland gehalten werden, eine Verlegung ins bayerische Ruhpolding gilt als wahrscheinlich.

„Der Deutsche Skiverband will der IBU eine Alternative in Deutschland anbieten. Wir sind in intensiven Gesprächen mit Ruhpolding und dem Weltverband“, sagte DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach dem SID. Die finale Entscheidung soll am 27. Dezember verkündet werden. Sollte Ruhpolding den Zuschlag erhalten, würden dort zwei Weltcups nacheinander stattfinden.

In Oberhof waren derweil in den vergangenen Monaten bereits etwa 50.000 Karten für die sechs Rennen an vier Wettkampftagen verkauft worden. Die Fans bekommen nun ihr Geld zurück. „Wir hatten so einen Fall noch nicht und müssen jetzt schauen, wie wir eine Lösung finden“, sagte Gellert: „Wir haben eine Versicherung abgeschlossen und hoffen, dass diese greift. Sonst wäre der finanzielle Schaden immens.“

SID

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