Simon Schempp
+
Simon Schempp enttäuschte bei dem Sprint.

Sieben Fahrkarten geschossen

Biathlon-WM: Boe holt Sprint-Gold - Debakel für Schempp

Kontiolahti - Mit einer Enttäuschung sind die Biathlon-Herren in die Einzel-Wettbewerbe bei der Weltmeisterschaft in Kontiolahti gegangen. Den Titel holt sich ein Norweger.

Böses Erwachen für Shooting Star Simon Schempp: Deutschlands bester Biathlet hat im ersten Einzelrennen der WM im finnischen Kontiolahti nach einer katastrophalen Schießleistung die angepeilte Medaille deutlichst verpasst. Der 26-Jährige, eigentlich ein ganz sicherer Schütze, leistete sich im Sprint über 10 km sieben Fahrkarten. Schempp fehlt damit sogar am Sonntag in der Verfolgung, in der Erik Lesser als Fünfter in die Loipe geht.

„Das war ein rabenschwarzer Tag“, sagte Schempp im ZDF, „ich habe keine Ahnung, wo die Fehler hin sind. Ich habe wegen des Windes an den Rasten gedreht und eigentlich ein gutes Gefühl gehabt. Das ist extrem bitter, dass ich ausgerechnet bei der WM das schlechteste Rennen seit langem abliefere.“

Ganz anders präsentierte sich Lesser. Der 26-Jährige musste nur eine Strafrunde drehen, verpasste das ersehnte erste Edelmetall für den Deutschen Skiverband (DSV) gerade einmal um fünf Sekunden. „Irgendwie bin ich überrascht, denn ich habe mich nicht so gut gefühlt. Es wird in der Verfolgung sicher sehr spannend.“ Zehnter wurde nach zwei Strafrunden Benedikt Doll (Breitnau).

Den Sieg sicherte sich der Norweger Johannes Thingnes Bö, der im vergangenen Jahr alle Weltcup-Rennen in Kontiolahti gewonnen hatte. Bö setzte sich vor dem Kanadier Nathan Smith (+12,1 Sekunden) und seinem älteren Bruder Tarjei (+25,3) durch. Als das Trio auf dem Podest um die Wette strahlte, hatte Schempp noch immer an seiner Leistung zu knabbern.

Der Deutsche hatte sich im Vorfeld der WM seit Anfang Januar in herausragender Form präsentert. Bei den Weltcups in Ruhpolding und Antholz gewann er drei Rennen in Serie und stand sogar achtmal in Folge auf dem Podest. Lohn für den Mixedstaffel-Weltmeister von 2010 war Rang zwei im Gesamtweltcup mit zeitweise weniger als zehn Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Martin Fourcade.

Schempp ging genau wie der ehemalige Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer bestens ausgeruht in die erste Einzel-Entscheidung der Titelkämpfe. Platz sechs in der Mixedstaffel holte das deutsche Quartett bei schwierigen Schneeverhältnissen ohne die beiden Überflieger - vor allem bei Schempp platzten die Medaillenträume aber früh. Nach vier Fahrkarten im ersten Anschlag war das Rennen gelaufen, nach drei weiteren im Stehendschießen das Debakel perfekt. „Ich habe noch versucht, das Beste daraus zu machen. Es hilft nichts, es kommen ja noch andere Rennen“, sagte Schempp.

In die steckt auch Peiffer seine Hoffnungen. Der 27-Jährige hatte bei der WM-Generalprobe in Oslo Mitte Februar überrascht, als er den Sprint gewann und damit zum zweiten deutschen Siegläufer in diesem Winter wurde. Von seinen sieben Weltcupsiegen feierte der gebürtige Niedersachse sechs im Sprint, der größte Triumph war dabei der Gewinn der Goldmedaille bei der WM vor vier Jahren in Chanty-Mansijsk/Russland. Am Samstag aber scheiterte auch er mit dem Gewehr, am Ende stand der 30. Platz.

„Es war nicht einfach zu schießen. Simon ist der beste Schütze im Feld, und wenn er mit sieben Fehlern weggeht, sagt das alles“, meinte Peiffer: „Wir haben gehofft, dass einer von uns durchkommt. Heute war es Erik, er hat die Fahnen hochgehalten.“

sid

Mehr zum Thema

Kommentare