Felix Neureuther war im ersten Durchgang bester Deutscher. Foto: Stephan Jansen
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Felix Neureuther war im ersten Durchgang bester Deutscher.

Deutsche Ski-Herren mit solidem Auftakt

Sechster Platz in Sölden: Neureuther „glücklich“

Sölden - Rang sechs für Felix Neureuther, Rang sechs für Viktoria Rebensburg: Die deutschen Ski-Rennläufer starten ordentlich in die Weltcup-Saison.

Über seinen neuen Bart lässt sich streiten, aber ansonsten sah es schon erstaunlich gut aus, was Felix Neureuther da zeigte. Wie Viktoria Rebensburg belegte auch der beste deutsche Ski-Rennläufer zum Weltcup-Auftakt im österreichischen Sölden Rang sechs - eine Platzierung, die ihn und die Betreuer ein wenig überraschte. „Damit hätte ich nicht wirklich gerechnet, ich bin echt sehr glücklich“, sagte Neureuther, neuerdings Schnurr- und Kinnbartträger.

Vom Siegerpodest, auf dem nach einem packenden Rennen auf dem äußerst anspruchsvollen Rettenbachgletscher Ted Ligety (USA), Thomas Fanara (Frankreich/0,15 Sekunden zurück) und Marcel Hirscher (Österreich/0,17) standen, war Neureuther (2,81) weit entfernt. Aber angesichts seiner Vorgeschichte mit dem nachhaltig geschädigten Rücken „ist das für ihn der ideale Einstieg“, sagte Alpindirektor Wolfgang Maier: „Das ist mehr, als man von ihm erwarten konnte.“

Maier fuhr insgesamt „mit keinem schlechten Gefühl“ nach Hause, betonte jedoch nicht nur mit Blick auf Rebensburg: „Es wäre einiges mehr drin gewesen.“ In der Tat: Nach dem ersten Lauf des Männer-Rennens lagen Fritz Dopfer (8.) und Stefan Luitz (9.) ebenfalls noch aussichtsreich unter den ersten Zehn, fielen dann aber auf die Ränge 18 (Luitz) sowie 20 (Dopfer) zurück. „Man muss jetzt aber nicht den Stab über die Jungs brechen“, sagte Maier gnädig.

Während Dopfer frustriert die Flucht ergriff, staunte der erkennbar erleichterte Neureuther über sich selbst. Er hielt Platz sechs nach dem ersten Lauf, er holte zum ersten Mal Punkte beim Saisonstart. Trotz Trainingsrückstands, trotz der lächerlichen Anzahl von nur elf Tagen auf Skiern vor dem ersten Rennen. Und nun die Erkenntnis: „Es funktioniert. Der Rücken hält, das ist wichtig für den Kopf.“ Maier lobte beeindruckt: „Er kann es halt einfach.“

Auch Viktoria Rebensburg kann es - aber, wie am Samstag in Sölden, nicht immer im ersten Lauf. Vor dem Saisonstart, betonte sie, „habe ich mich gut gefühlt“, dann aber „habe ich nicht die große Intensität reingebracht.“ Vor allem misslang ihr der Übergang ins Flachstück vor dem Ziel, „ich habe den Schwung nicht so mitgenommen, das war ein bisschen mit der Handbremse.“ Die Folge: 2, 95 Sekunden Rückstand auf Federica Brignone aus Italien, die spätere Siegerin.

Schon in der Vergangenheit ist Rebensburg als Spätzünderin auffällig geworden - zuletzt bei der WM im Februar, als sie mit Bestzeit im Finale noch von Rang elf zu Silber fuhr. In Sölden raste sie mit Bestzeit im zweiten Lauf von Rang zwölf nach vorne und kam „mit einem blauen Auge davon“, wie Cheftrainer Markus Anwander erleichtert feststellte. Rebensburg könne allerdings „noch mehr“, meinte Maier. Sie selbst gab zu: „Ich habe noch Luft nach oben.“

In der Tat: Trotz ihres überragenden zweiten Durchgangs lag Rebensburg am Ende noch 2,28 Sekunden hinter Brignone, die bei ihrem 99. Start im Weltcup zum ersten Mal gewann - vor Mikaela Shiffrin aus den USA (0,85 Sekunden zurück) und Tina Weirather aus Liechtenstein (1,25). Nicht ins Finale kamen Simona Hösl (Berchtesgaden/36.), Lena Dürr (Germering/41.) und Susanne Weinbuchner (Lenggries/44.). „Das ist schon enttäuschend“, sagte Maier - mit grimmiger Miene.

Falls dort noch Schnee fällt, geht es für Neureuther und Dopfer mit einem Slalom am 15. November im finnischen Levi weiter, Rebensburg muss bis zum Riesenslalom am 28. November in Aspen/USA warten. Die Richtung, signalisierte Maier, die stimme: „Aber wir dürfen nicht glauben, dass wir alles schon geschafft haben. Aber so bleibt wenigstens Spannung im Team.“

SID

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