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Evi Sachenbacher-Stehle hat ihre sportliche Karriere beendet.

Biathletin zieht Schlussstrich

Sachenbacher-Stehle beendet aktive Karriere

München - Evi Sachenbacher-Stehle will nicht mehr und hat einen Schlussstrich unter ihre von Dopingvorwürfen überschattete Karriere gezogen.

16 Tage nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS ihre zweijährige Sperre auf sechs Monate verkürzt und ihr Starts ermöglicht hatte, stellte die mittlerweile 34-Jährige fest: "Drei Monate Training fehlen, mich haben die letzten Monate sehr viel Kraft gekostet, man ist mit mir auch menschlich nicht immer gut umgegangen."

Der ARD-"Sportschau" erklärte die zum Biathlon gewechselte Langlauf-Olympiasiegerin: "Ich habe meine Schlüsse daraus gezogen, ich fühl' mich nicht in der Lage, den Winter so zu bestreiten, dass ich meinen Ansprüchen genüge und deswegen habe ich mich dazu entschlossen, dass ich meine aktive Karriere beenden werde."

Sachenbacher-Stehle bekräftigte zudem: "Das Urteil hat klargestellt, dass ich nicht absichtlich gedopt habe, dass ich in keiner Weise betrügen wollte. Aber klar, der positive Dopingtest war da, das wird immer einen kleinen Schatten werfen." Deutschlands früherer Biathlon-Star Kati Wilhelm hatte vor einigen Tagen festgestellt: "Im Prinzip ist sie ja fast rehabilitiert, vielleicht ist das ja Sieg genug für sie."

Schon nachdem die internationalen Sportrichter am 14. November die vom Biathlon-Weltverband IBU verhängte Höchststrafe auf sechs Monate verkürzt hatten, deutete Sachenbacher-Stehles Anwalt Marc Heinkelein an, rechtliche Schritte gegen den Verband einleiten zu wollen. Seine Mandantin sei auf die gleiche Stufe wie ein vorsätzlicher Epo-Doper gestellt worden und würde bereits seit drei Monaten zu Unrecht eine Strafe absitzen, argumentierte der Anwalt.

In der "Sportschau" sagte Sachenbacher: "Es ist natürlich schwer, der Sport war bisher mein Leben, und es macht mir unheimlich viel Spaß, mein Hobby zum Beruf zu machen. Durch so eine blöde Sache rausgerissen zu werden, ist unbefriedigend für mich und es war eine schwere Entscheidung, aber ich möchte diese schwere Zeit und wie manchmal mit einem umgegangen wird nicht mehr erleben. Deswegen möchte ich mich auf andere Dinge konzentrieren, ein normales Leben führen", erklärte Sachenbacher.

Sie war bei den Winterspielen in Sotschi nach Platz vier im Massenstart am 17. Februar positiv auf die nur im Wettkampf verbotene Stimulanz Methylhexanamin getestet worden. Sie hatte den positiven Test mit einem verunreinigten Teepulver erklärt, das ihr ein privater Ernährungsberater empfohlen hatte. Von der IBU war sie am 16. Juli mit der Höchststrafe von zwei Jahren belegt worden. Sie hatte daraufhin "vom schlimmsten Alptraum gesprochen, den man sich vorstellen kann". Danach klagte sie vor dem CAS, die Richter glaubten ihr offensichtlich und revidierten das IBU-Urteil.

Im Vorfeld der Winterspiele in Turin 2006 war sie als Langläuferin wegen eines erhöhten Hämoglobinwerts mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt worden. Auch damals hatte sie quasi geschworen: "Ich versichere mit bestem Wissen und Gewissen, noch nie in meinem Leben durch Einnahme verbotener Mittel oder durch sonstige unlautere Methoden in irgendeiner Weise manipuliert zu haben." Im Langlauf hat sie insgesamt zehn Olympia- und WM-Medaillen gewonnen. Im März 2012 hatte sie ihren Wechsel ins Biathlon-Lager bekanntgegeben. Nun will sie sich auf ihr Studium der Ernährungswissenschaften konzentrieren.

dpa

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