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Die Hoffnung Österreichs: Gregor Schlierenzauer.

Achter Tournee-Erfolg in Serie?

Schlierenzauers Comeback lässt Österreich träumen

Oberstdorf - Nach seiner Auszeit kehrt Gregor Schlierenzauer kämpferisch zurück. Nicht nur deshalb träumen die Österreicher wieder vom achten Tournee-Erfolg in Serie.

Gregor Schlierenzauer strahlte über das ganze Gesicht, als er vor dem Tournee-Auftakt Hof hielt. „Ein herzliches Grüß Gott von meiner Seite. Schön, dass ihr hier seid“, rief Österreichs Skisprung-Held den Journalisten zu: „Ich kann sagen, das Feuer in mir brennt sehr.“ Der „Schlieri“ von Oberstdorf hat nichts mehr mit dem Häuflein Elend gemein, das er noch vor vier Wochen abgab.

Nach 22 Tagen Pause kehrt der mit 53 Siegen erfolgreichste Skispringer der Weltcup-Geschichte bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf am Dienstag ins Wettkampf-Geschehen zurück. Und allein Schlierenzauers Präsenz sorgt dafür, dass die in dieser Saison wahrlich nicht glänzenden Österreicher um Titelverteidiger Stefan Kraft nun schon wieder vom achten Tournee-Erfolg in Serie träumen.

„Ich hatte schon bei der Anreise eine Riesenfreude, als ich Gregor gesehen habe und dieses Funkeln in seinen Augen“, sagte ÖSV-Chefcoach Heinz Kuttin in Oberstdorf fast gerührt. Schlierenzauer selbst wiegelte schnell ab: „Ich mache mir keinen Druck, will Schritt für Schritt nach vorne kommen“, sagte der 25-Jährige.

Am 6. Dezember hatte sich Schlierenzauer nach Platz 20 in Lillehammer zum temporären Rückzug entschlossen, physisch und psychisch in jämmerlicher Verfassung: „Ich musste einfach aussteigen aus diesem Hamsterrad und mich überprüfen: Brennt das Feuer noch in mir? Hob I no g“nug Pfeffer im Hintern?„

Drei Wochen lang zog er sich mit seinem Vertrauten, dem ehemaligen DSV- und ÖSV-Trainer Marc Nölke, nach Lillehammer zu Training und Katharsis zurück, `in eine Blockhütte - es war ein wenig wie Urlaub“, sagte Schlierenzauer. Letztlich kam er zu dem Schluss: „Ich bin noch verdammt jung. Ich will wieder angreifen und nehme die Challenge an.“

Schlierenzauer zog sogleich in Oberstdorf wieder sämtliche Blicke auf sich, doch die Teamkollegen sehen dies als Vorteil. „Das macht es leichter für mich. Und von Gregor kann ich noch immer eine Menge lernen“, sagt Kraft, neben dem zweimaligen Sieger Schlierenzauer einer von nur zwei Tournee-Champions im gesamten Starterfeld.

Auch dies ist ein Hinweis auf eine Schieflage in Österreichs Team: Sechs verschiedene Tournee-Sieger brachte der ÖSV seit 2009 hervor, vier sind nicht (mehr) dabei: Wolfgang Loitzl und Thomas Morgenstern haben ihre Laufbahn beendet, die schwächelnden Andreas Kofler und Thomas Diethart fielen durchs Raster. N

eben dem unbeständigen Kraft („Es wird langsam besser“) und Schlierenzauer ist Michael Hayböck der Hoffnungsträger, Manuel Poppinger und Manuel Fettner sind hingegen Durchschnittsspringer. „Ein Sensationssieger wie Diethart 2014 wird einmalig bleiben“, sagt Kuttin.

Dass der ÖSV nur fünf Springer statt der gewohnten sechs in den Tournee-Auftakt schicken kann, geht auf Kuttins Kappe: Als es bei den Sommerspringen darum ging, Startplätze für den Winter zu gewinnen, schonte er seine Mannen. „Wir haben übersehen, dass wir da Qualifikationspunkte verlieren“, sagt der Chefcoach: „Das fällt uns jetzt auf den Kopf.“

sid

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