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Lindsey Vonn weiß sich nach wie vor in Szene zu setzen.

Kühne Ziele und 1300 Liter Schweiß

Skistar Vonn rüstet für Comeback

München - Mit forschen Zielen bereitet Lindsey Vonn ihr Comeback vor. Die Amerikanerin denkt schon wieder an Siege und Olympia-Gold 2018. Doch auf dem langen Weg muss sie sich noch bremsen.

Lindsey Vonn balanciert auf einem Ball, steht dabei minutenlang tief gebeugt in der Abfahrtshocke und gibt währenddessen mal eben noch zwei TV-Interviews. Für eine Athletin, die Anfang des Jahres eine Olympia-Abfahrt trotz durchtrenntem Kreuzband fahren wollte, scheint so eine Übung gerade anspruchsvoll genug. Mit einem Lächeln und flotten Sprüchen meistert die Amerikanerin diesen etwas anderen Pressetermin, bei dem sie Details zu ihrem Comeback im alpinen Ski-Weltcup verrät. „Ich fühle mich stark, aber ein bisschen alt“, flachst sie etwa angesprochen auf den nahenden 30. Geburtstag.

Langsames Comeback nach Seuchenjahr

Nur ein großer Spaß soll das freilich nicht werden, was Lindsey Vonn in den nächsten Jahren noch vorhat: den Rekord an Weltcup-Siegen, Titel und Medaillen bei der Heim-WM im nächsten Februar und als Krönung olympisches Gold 2018 in Pyeongchang. „Ich will so viele Rennen gewinnen wie möglich. Mein Ziel im Starthaus ist immer zu gewinnen“, sagt sie im Interview.

Der Ehrgeiz der wohl besten Skirennfahrerin der vergangenen Jahre ist groß, wird nach dem Seuchenjahr 2013 aber auf die Probe gestellt. Zweimal riss das Kreuzband im rechten Knie, Vonn musste monatelang pausieren und stand erst in der vorigen Woche in Sölden wieder auf der Piste. Sie muss ihr Comeback langsam angehen, die ersten Rennen auslassen. Anfang Dezember will sie in Lake Louise wieder angreifen.

„Ich bin nicht gut darin, geduldig zu sein“, räumt Vonn ein. „Ich haben neun Monate darauf gewartet, wieder Ski zu fahren. Jetzt noch ein, zwei Monate warten zu müssen, bis ich wieder Rennen fahren kann, ist schwierig, um es vorsichtig zu formulieren.“ Schwierig, aber nicht zu ändern, und das weiß die smarte Blondine auch. Denn noch eine schwere Verletzung könnte das endgültige Karriereende bedeuten. „Skifahren ist für mich Luft, ich brauche das“, sagt Vonn pathetisch.

1300 Liter Schweiß vergessen - 525.000 Kalorien verbraucht

Die 59-malige Weltcupsiegerin liebt den Schnee unter dem Ski, aber ebenso den Wettkampf - inzwischen fast nur mit jüngeren Gegnerinnen. Für die Rückkehr an die Weltspitze hat sie ordentlich geschuftet, angeblich vier bis sechs Stunden täglich trainiert, sechs Tage pro Woche, zum Teil im Gym mit ihrem Freund, dem Golfstar Tiger Woods.

Ihr Sponsor illustriert mit großem Brimborium die Eckdaten der Reha: Bei 12.000 Kniebeugen habe sie 1560 Tonnen gestemmt - das entspreche 130 Mal dem Gewicht des Pistenbullys, vor dem sie in der Säulenhalle des Salzlagers von Hall in Tirol für die Fotografen posiert. 525.000 Kalorien habe sie im Training verbraucht, dargestellt durch einen riesigen Sack voller Nudeln. Daneben ist eine Pyramide Wasserflaschen aufgebaut, stellvertretend für 1300 Liter vergossenen Vonn-Schweiß.

Perfekt gestylt im blauen Sweater, dunkler Hose und pinken Schuhen absolviert Vonn den ersten Pressetermin vor Saisonbeginn, sie ist seit 2000 im Skizirkus unterwegs und inzwischen ein PR-Profi. In Sotschi hätte sie das Gesicht der Winterspiele werden sollen. „Ich denke schon noch oft daran, was hätte sein können“, gibt sie zu.

Aber dann zerplatzte der Olympia-Traum, und der ursprüngliche Plan, nach der Heim-WM im Februar 2015 in Vail/Colorado aufzuhören, wurde verworfen. Ein Rücktritt nach den schweren Skiunfällen war undenkbar für Vonn. „Das kam für mich nicht infrage. Dieser Sturz war nicht das Ende!“, betont sie. Und wer weiß, vielleicht hat auf dem Rettenbachgletscher von Sölden und im Salzlager von Hall in Tirol der goldene Spätherbst in der Karriere der Lindsey Vonn erst begonnen.

dpa

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