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Felix Neureuther im ersten Lauf

Hirscher siegt

Neureuther rast auf zweiten Platz in Kitzbühel

Kitzbühel - Felix Neureuther hat beim Slalom-Klassiker in Kitzbühel mit Rang zwei seinen sechsten Podestplatz in der WM-Saison geholt.

Felix Neureuther umarmte Marcel Hirscher, dann ließen sich die Dauerrivalen im brodelnden Zielraum am Ganslernhang in Kitzbühel von ihren Anhängern feiern. Neureuther jubelte nach seiner Aufholjagd im Finale des Slaloms über Rang zwei, Hirscher, der Österreicher, über seinen ersten Erfolg am Hahnenkamm. „Der zweite Platz ist sehr, sehr gut“, betonte Neureuther mit einem Lächeln. Das sei für ihn eine „gute Generalprobe“ für die WM vom 4. bis 17. Februar in Schladming, „weil ich gesehen habe, dass ich dem Druck standhalten konnte. Das stimmt mich sehr positiv.“

Eine Woche zuvor in Wengen/Schweiz hatte Neureuther vor Hirscher gewonnen, diesmal war es wieder umgekehrt. Am Dienstag starten sie in Moskau bei einem Parallel-Slalom, dann geht es nach Schladming - und ihr Duell spätestens im Slalom am letzten WM-Tag verspricht ein Höhepunkt zu werden. „Es wäre schön“, sagte der Partenkirchner nach seinem Sprung von Rang sieben nach dem ersten Durchgang schmunzelnd, wenn dieser Zweikampf weiterginge, denn: „Marcel ist der Mann, den es zu schlagen gilt, er ist zu schlagen, das hat man letzte Woche definitiv gesehen.“ Diesmal aber war Hirscher 0,77 Sekunden schneller.

Neureuther (28) will aber nicht nur über sich und Hirscher (23) sprechen, obwohl sie auch im Slalom-Weltcup weiter Rang eins sowie zwei belegen. „Ein Zweikampf ist es nicht“, betonte er, „da gibt es auch noch andere.“ In Kitzbühel wurde Ivica Kostelic Dritter - der Kroate gewann zudem die Kombination aus Abfahrt und Slalom. Da ist auch noch Fritz Dopfer, dessen ausgezeichneter siebter Rang beinahe unterging. Und da waren auch die beiden Italiener Stefano Gross und Guiliano Razzoli, letzterer der Olympiasieger. Sie lagen nach dem ersten Lauf auf Rang eins sowie zwei, patzten aber im Finale.

Der Sieg wird auch bei der WM dennoch nur über Hirscher und Neureuther gehen: Hirscher gewann zum fünften Mal in dieser Saison, zum zwölften Mal stand er auf dem Podium. „Es wird nicht leichter. Der Druck erhöht sich schon“, stellte er jedoch fest. Neureuther hat zwei Saisonsiege, beide vor Hirscher, in Kitzbühel fuhr er nun zum sechsten Mal in diesem Winter aufs „Stockerl“ - eine beeindruckende Konstanz, die sich auch im Gesamtweltcup widerspiegelt. Neureuther ist dort verblüffender Vierter, sein Rückstand (309 Punkte) aber auf den in Führung liegenden Hirscher ist dort größer als im Slalom (134).

Dennoch sieht Neureuther Raum für Verbesserungen. In Kitzbühel etwa wechselte er zwischen beiden Läufen den Ski, weil das „setup“ des Materials aus dem ersten nicht gepasst hatte. Und er bemerkte selbstkritisch, dass es ihm im Gegensatz zum Sieg in Wengen wieder an der Aggressivität in beiden Durchgängen gefehlt habe. „Marcel zeichnet eine unbändige Aggressivität aus, die fehlt mir noch ein bisschen, daran muss ich im Training noch arbeiten.“ Denn so sehr er sich über seine bisherigen Leistungen freue: „Man darf mit sowas nicht zufrieden sein.“

Während Neureuther und Dopfer bei der WM Medaillenchancen in Riesenslalom und Slalom haben, gleichen die deutschen Abfahrer gut eine Woche vor dem Auftakt in Schladming einem Häufchen Elend. Beim Super-G am Freitag und der Abfahrt am Samstag war lediglich Stephan Keppler am Start. Am Freitag schied er aus, am Samstag erreichte er nur Rang 28. Um die WM-Norm zu erfüllen, hätte er noch eine zweite Saison-Platzierung unter den ersten 15 benötigt. Der Verband kann die Kriterien aber auch ignorieren.

DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier sagte, er werde sich bei der Nominierungssitzung am Mittwoch „für den Sportler“ einsetzen - es ist davon auszugehen, dass er das auch mit Erfolg tun wird. Keppler könnte Gesellschaft in Schladming bekommen. Tobias Stechert belegte im November bei der Abfahrt in Lake Louise/Kanada sensationell Rang fünf, er ist qualifiziert für die WM. Der Oberstdorfer war freilich seit Anfang Dezember verletzt. Erst ab Montag beginnt er mit einem WM-Vorbereitungsprogramm, es ist unklar, ob er in Form kommt.

In WM-Form ist Dominik Paris. Der 23 Jahre junge Mann aus Südtirol gewann die Abfahrt in Kitzbühel vor Weltmeister Erik Guay (Kanada) und Hannes Reichelt (Österreich). Eine Sensation war das jedoch nicht mehr. Paris hatte bereits Ende Dezember in Bormio den ersten Platz belegt - zeitgleich mit Reichelt. Und mit dem Sieg auf der Streif übernahm er die Führung im Abfahrtsweltcup vor Aksel Lund Svindal (Norwegen), der in Kitzbühel den Super-G gewonnen hatte. Der WM-Favorit ist er als „König von Kitz“ automatisch.

sid

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