+
Felix Neureuther will seine Karriere bis Olympia 2018 fortsetzen.

Kein Risiko

Saisonstart ohne Neureuther - Ziel Olympia 2018

München - Am Wochenende beginnt der alpine Ski-Weltcup, zunächst ohne Felix Neureuther. Trotz seiner gesundheitlichen Probleme will der Vize-Weltmeister im Slalom bis Olympia 2018 weitermachen.

Diesmal hat der Verstand über den Bauch gesiegt. Felix Neureuther ist Ski-Rennläufer aus Leidenschaft - er will fahren, immer, auch wenn es nicht geht, er denkt an den Schnee und die Torstangen, und dann ist es um ihn geschehen. Vor zwei Wochen, da sah er noch aus wie einer, der froh sein kann, dass er geradeaus laufen kann. Und trotzdem redete er davon, beim Weltcup-Auftakt in diesem Wochenende hoffentlich an den Start gehen zu können. Er hat es dann doch lieber sein lassen.

Neureuther wird auf dem Rettenbachgletscher in Sölden wegen seines Trainingsrückstandes und Rückenproblemen also fehlen - und das ist vernünftig. Sein Start beim Slalom in Levi/Finnland am 16. November ist aber "auf alle Fälle" gesichert, wie Cheftrainer Mathias Berthold betont. Und er sieht Neureuther bis auf einem sehr guten Weg. "Ich mache mir keine Sorgen mehr. Die letzten Tage waren sehr ermutigend. Felix fährt sehr gut Ski und hat fast keine Probleme mehr."

Neureuther hatte sich Ende Juni wieder mal am Rücken verletzt, das ist nichts Neues, mit Bandscheibenvorfällen kennt er sich aus. Ein Maximalkrafttest, eine falsche Bewegung - und dahin war das Vorhaben, mal planmäßig in eine Saison zu starten. Der erste Start wird also Levi sein, und danach ist ausreichend Zeit: Die WM in Vail/Beaver Creek (USA) beginnt erst am 2. Februar 2015. Wenn denn nicht noch was dazwischenkommt.

Es ist ja so: Bei Neureuther weiß man nie. Im Februar zum Beispiel, da war er in bestechender Form - raste aber auf der Anreise zu Olympia in Sotschi mit seinem Auto in eine Leitplanke, Nacken und Rücken waren danach schwerst lädiert. Und noch einen Tag vor dem Riesenslalom, erinnert sich Alpindirektor Wolfgang Maier, "da hättest du gedacht: Der fährt keinen Zentimeter. Und dann wird er am nächsten Tag Achter."

Neureuther ist ein begnadeter Skifahrer, der auch aus dem Stand heraus Leistungen abliefern kann, die anderen trotz Training nie gelingen. Das Problem ist nur: Dieser Fall ist schon viel zu oft eingetreten, weil der Körper so ramponiert ist. Miriam Gössner, seine ebenfalls leidgeprüfte Freundin, hat Neureuther mal als eine einzige Baustelle bezeichnet. Ja, zu Beginn seiner Karriere sei er zu oft an die Grenze gegangen oder auch darüber hinaus, "das rächt sich jetzt ein bisschen", sagt er.

Neureuther träumt von Olympia 2018

Nach Sotschi hat Neureuther mehrfach betont, dass er bis 2018 weiterfahren wolle, er träumt von Olympia in Pyeongchang. Die Frage, die sich aufdrängt: Hält er bis dahin überhaupt durch? Neureuther ist 30 Jahre alt, er selbst gibt zu, dass es schon "sehr viel Energie" kostet, sich immer wieder zurückzukämpfen, Jahr für Jahr. Ja, sagt er nachdenklich, immer häufiger frage er sich: "Wann ist der Punkt da, an dem ich die Energie nicht mehr aufbringen kann?"

Es ist neben der körperlichen Belastung vor allem auch eine mentale für Neureuther, der ja weiß, dass es ständig zwischen "ganz okay bis schlecht" hin- und hergeht: "Diese Entzündung im Lendenwirbelbereich habe ich schon ziemlich lange, damit habe ich seit Jahren Probleme", sagt er - und ahnt oder weiß, dass sich daran nichts ändern wird in Zukunft. "Nach diesem Winter", versichert er immerhin, "werde ich mir die Zeit geben, das mal richtig auszukurieren."

Auch in diesem Fall müsste der Kopf über den Bauch siegen. Doch gänzlich lassen vom Skifahren will Neureuther erst mal nicht - kaputter Körper hin oder her. „Es ist halt“, sagt er mit einem Schuss Selbstironie, "das Einzige, was ich richtig gut kann."

dpa

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weltmeister Freund vor Skisprung-Comeback

Schwerin - Es ist ein langer Weg zurück, aber Severin Freund will ihn gehen. Der Skisprung-Weltmeister arbeitet nach seiner fünfmonatigen Pause an seinem Comeback.
Weltmeister Freund vor Skisprung-Comeback

Kommentare