Severin Freund, Deutschland, Skifliegen, Skispringe, Vikersund
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Hoch hinaus ging es für Severin Freund im vergangenen Jahr in Vikersund.

Rückkehr auf den Monsterbakken

Severin Freund und Co. gehen auf Rekordjagd

Vikersund - Für Severin Freund und Co. geht es am Freitag auf die größte Schanze der Welt. Vor einem Jahr waren in Vikersund die Rekorde gepurzelt.

Seine letzte Begegnung mit dem „Monsterbakken“ hat Severin Freund noch in bester Erinnerung. „Dieser eine Flug auf 245 Meter hat mehr mit mir gemacht als manch ein Sieg. Das war gigantisch“, sagt der Skisprung-Weltmeister, wenn er an das wohl verrückteste Wochenende des vergangenen Winters denkt. Am Freitag kehren Freund und Co. auf die größte Schanze der Welt zurück - und die Rekordjagd beginnt von vorne.

An jenem 15. Februar 2015 hatte Freund in der norwegischen Einöde mit unglaublichen 245 m den eigenen deutschen Rekord gleich um 7,5 Meter nach oben geschraubt. „Danach war die Erschöpfung viel, viel größer. Auch für den Kopf ist das anstrengend“, sagt Freund über den bislang weitesten Flug seines Lebens. Fast sieben Sekunden war er damals in der Luft, heute sagt er: „Es gibt wenig heftigeres als Skifliegen.“

Fällt der deutsche Rekord?

Gut möglich, dass seine Marke an diesem Wochenende fällt. Bis Sonntag stehen in Vikersund gleich drei Entscheidungen an, auch der Weltrekord von 251,5 m könnte geknackt werden. Einer der Kandidaten heißt auch hier Severin Freund, der 27-Jährige ist immerhin Skiflug-Weltmeister von 2014.

Jene 251,5 m sind ebenfalls das Ergebnis des Wahnsinns im Februar 2015. Vor dem Wochenende stand die Bestmarke bei 246,5 m, dann ging es Schlag auf Schlag. Erst flog der Slowene Peter Prevc auf 250,0 Meter, einen Tag später setzte Anders Fannemel mit 251,5 m noch einen drauf. „Ich habe die Weltrekord-Marke gesehen und sie überflogen. Den Moment vergesse ich nie“, sagte der Norweger anschließend.

Das Ende ist damit aber noch nicht erreicht. Den besten Beweis lieferte Dimitri Wassiljew noch in Vikersund: Der Russe segelte sogar auf 254 m, konnte den Flug aber nicht stehen. „Ein paar Meter gehen vielleicht noch“, sagt auch Rekordler Fannemel. Vielleicht schon an diesem Wochenende - wenn das Wetter mitspielt.

Wo ist das Limit erreicht?

Und danach? Irgendwann sollen die 300 Meter geknackt werden, noch allerdings fehlt die passende Schanze. Anfang 2011 hat der Getränkehersteller Red Bull an einem Berghang im Nationalpark Hohe Tauern in den Ostalpen eine solche Anlage gebaut, Fotos der Arbeiten gingen durch das Internet. Zum Einsatz kam die gigantische Naturschanze aber bis heute nicht.

Vielleicht auch, weil das Risiko zu groß ist. „Der Mensch wird 300 Meter weit springen, aber erst nach jahrelangem Herantasten. Keiner weiß, welche Kräfte da mitspielen. Das ist lebensgefährlich“, sagte einmal Janez Gorisek. Der Slowene ist Erbauer der Schanzen in Vikersund und Planica und weiß, wovon er spricht.

Und so wird es am Wochenende in Vikersund erst einmal „nur“ um die 251,5 m von Anders Fannemel gehen. Ob die Marke geknackt wird? Der 24-Jährige hält das durchaus für möglich: „Mein Credo ist: Rekorde sind da, um gebrochen zu werden.“

sid

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