Francesco Friedrich
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Francesco Friedrich am Start in Igls.

27 Hundertstelsekunden fehlen

Friedrich verpasst WM-Double: "Zu viele Fehler"

Innsbruck/Igls - Der nächste Coup von Francesco Friedrich wurde um winzige vier Hundertstelsekunden verpasst. Nach seinem WM-Triple im kleinen Schlitten ärgerte sich aber über seine Fehler.

Er war seinem ersten WM-Double so nah, doch am Ende blieb für Francesco Friedrich bei der Viererbob-WM in Innsbruck/Igls nur ein unglücklicher zweiter Platz. Eine Woche nach seinem WM-Hattrick im Zweier war er am Sonntag mit einem komfortablen Vorsprung von 27 Hundertstelsekunden aus den beiden Fahrten am Samstag in die beiden letzten Durchgänge gestartet. Aber bei Temperaturen um 14 Grad Celsius schmolz der Abstand dahin. Bei strahlender Sonne leistete sich der Sachse zu viele Fehler und wurde vom Letten Oskars Melbardis um vier Hundertstelsekunden noch abgefangen. Dritter wurde der Schweizer Rico Peter.

„Ich habe Gold verloren, nicht Silber gewonnen. Im dritten Lauf waren bei der Wärme komische Bedingungen. Auch hatten wir da am Start nicht alles rausgeholt. Und im vierten Lauf hatte ich einfach zu viele Fehler gemacht“, gestand der 25-Jährige. Er schob mit seiner Crew Candy Bauer, Gregor Bermbach und Thorsten Margis zwar im letzten Durchgang wie Melbardis Startbestzeit, leistete sich aber zwei, drei Patzer in der Eisrinne. „Da hat Oskars einfach verdient gewonnen“, betonte Friedrich, der im kleinen Schlitten den WM-Hattrick geschafft hatte. Heimtrainer Gerd Leopold sah die Ursache für den verpassten WM-Titel bei der Startzeit in Lauf drei: „Da hat sich die Crew nicht richtig getroffen und kam mit 5,04 Sekunden nur auf die fünftbeste Zeit. Dadurch war die Anfangsgeschwindigkeit weg.“

Friedrichs Vereinskollege Nico Walther kam auf Rang vier. Junioren-Weltmeister Johannes Lochner wurde Sechster und Titelverteidiger Maximilian Arndt landete auf Rang sieben. „Wir haben dennoch eine sehr erfolgreiche WM gesehen. Die Silbermedaille von Francesco wird in ein paar Stunden einen ganz anderen Glanz erscheinen“, meinte Sportdirektor und Generalsekretär Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD).

Stocksauer und wütend war Cheftrainer Christoph Langen. „Wie kann man vorher ein Frauen-Spaßrennen starten und die Bahn ruinieren. Damit man mich nicht falsch versteht, das hätte ich auch gesagt, wenn wir gewonnen hätten“, schimpfte er in Richtung Weltverband IBSF, die kurz vor dem WM-Finale ein Testrennen mit vier Frauen-Viererbobs in die Eisrinne ließen. Laut Langen hatten daher auf der ramponierten Bahn gerade die zur Halbzeit in Führung liegenden Bobs große Nachteile.

Am Vortag war Friedrich volles Risiko gegangen und fuhr im Schneetreiben neue, noch nie im Rennen gefahrene FES-Kufen mit breitem Radius. Normalerweise sind im Schnee schmale Kufen üblich. Der scheinbar komfortable Vorsprung gab ihm Recht. Doch im dritten Lauf in strahlender Sonne holten plötzlich die Schlitten von hinten auf: Melbardis fuhr von Rang sieben auf Rang zwei vor, Peter von Rang fünf auf drei. „Vielleicht hätte ich den Bob am zweiten Tag auf Sicherheit abstimmen müssen oder vielleicht einfach nur besser fahren sollen“, meinte Friedrich.

Auch Junioren-Weltmeister Johannes Lochner, der seine guten Startleistungen nicht in die Bahn bringen konnte, schüttelte den Kopf. „Ich hatte den Lauf gut getroffen, der Start war auch gut und dann habe ich die Zeit im Ziel gesehen. Mit einem anderen Eisen hätten wir vielleicht noch nach vorn fahren können“, sagte der Bayer. Doch die Deutschen haben traditionsgemäß Probleme mit weichem Eis und hohen Temperaturen.

dpa

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