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Andreas Wellinger muss nach seinem Horrorsturz in Kuusamo eine längere Pause einlegen und wird dem deutschen Skisprung-Team damit bei der WM fehlen.

Sorgen bei Bundestrainer Schuster

Skisprung-WM: Wer ersetzt Wellinger?

Köln - Gut zwei Monate vor WM-Beginn werden die Sorgenfalten von Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster größer. Durch den Ausfall von Andreas Wellinger steht Deutschland derzeit kein verlässliches Quartett zur Verfügung.

Als unverzichtbar entpuppt sich ein Sportler mitunter erst dann, wenn er denn fehlt. "Andis Ausfall ist absolut bedauerlich. Er war in sehr guter Form, eine echte Verstärkung fürs Team", sagte Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster mit reichlich Wehmut in der Stimme. Und es war zu merken: Da wurde jemand vermisst.

Andi, das ist Andreas Wellinger, 19 Jahre alter Shootingstar unter den DSV-Adlern, und seit seinem Horrorsturz in Kuusamo im Krankenstand. Bereits am vergangenen Wochenende machte sich sein Fehlen in Lillehammer schmerzlich bemerkbar, sportlich wie in Sachen Teamgeist. Und allzu bald ist mit Wellingers Comeback in der WM-Saison nicht zu rechnen.

Vor dem mühsamen Weltcup-Trip ins russische Nischni Tagil am Wochenende hat sich damit für Schuster eine große Baustelle aufgetan. Zentrales Problem ist nicht einmal, dass ihm ein potenzieller Siegspringer für die Vierschanzentournee wegfällt. Vielmehr droht ein unverzichtbarer Baustein für die WM in Falun (18. Februar bis 1. März) wegzubrechen. Denn ohne Wellinger stehen die Chancen auf einen Triumph im Teamwettbewerb wie bei Olympia nicht annähernd so gut wie mit ihm.

Den bislang einzigen Mannschafts-Wettbewerb der WM-Saison haben die Deutschen mit Wellinger in Klingenthal gewonnen, vor dem Saisonhöhepunkt stehen in Zakopane (17. Januar) und Willingen (30. Januar) nur noch zwei weitere an.

Für Schuster beginnt daher schon jetzt das WM-Casting - auch wenn er solche Überlegungen nicht nach außen trägt. Für ihn sei vielmehr wichtig, dass Wellinger "gesund wird und vor allem noch in diesem Winter auf die Schanze kommt".

Ob und wann er in dieser Saison noch mit dem Jungstar plant, lässt Schuster offen, stellt aber klar: "Wer bei der WM teilnimmt, soll auch leistungsstark sein." Daran bestehen bei Wellinger auch bei optimalen Heilungsverlauf Zweifel.

Doch welcher DSV-Adler ist derzeit konstant leistungsstark? Uneingeschränkt gilt dies nur für Severin Freund, der Skiflug-Weltmeister sprang zuletzt viermal in Serie unter die Top 7. Marinus Kraus, der in Sotschi mit Freund, Wellinger und Andreas Wank Gold holte, ist auf niedrigerem Niveau ebenfalls stabil, beendete alle fünf Springen zwischen Platz neun und 20.

Chancen auf einen Sprung ins Team darf sich Senkrechtstarter Markus Eisenbichler ausrechnen - doch die Drucksituation einer WM ist ihm fremd. Wank verfügt darüber, dafür hat der 26-Jährige jegliche Sicherheit in seinem Sprungsystem verloren, springt im Weltcup hinterher.

Richard Freitag indes scheint die Nichtberücksichtung für den olympischen Team-Wettbewerb einen Knacks verpasst zu haben. Der Sachse, der drei Weltcup-Siege vorzuweisen hat, landete in Lillehammer zuletzt auf Platz 40 und 46. Auch dahinter sieht es mau aus: Routinier Michael Neumayer ist derzeit kaum konkurrenzfähig, für Wellinger-Ersatz Karl Geiger der Weltcup eine Nummer zu groß.

Reichlich Fragezeichen also für Schuster. Der darf sich damit trösten, dass es in seinem Heimatland Österreich schlimmer aussieht. Beim Olympiazweiten, der sich in Falun für die Sotschi-Niederlage revanchieren will, sind in Thomas Diethart, Andreas Kofler und Wolfgang Loitzl drei Tournee-Sieger Schatten ihrer selbst.

sid

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