Skispringen, Vierschanzentournee, Severin Freund, Deutschland
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Severin Freund will bei der anstehenden Vierschanzentournee eine gute Rolle spielen.

Die Zeit ist reif

Spätstarter Freund sagt der Tournee den Kampf an

Oberstdorf - Vom „Testpiloten“ zum Weltmeister: Severin Freund hat sich Schritt für Schritt nach oben gekämpft. Jetzt soll endlich der Tournee-Knoten platzen.

Severin Freund genoss vor dem Tag der Wahrheit noch einmal das Bad in der Menge. Gut 2000 Fans feierten den Skisprung-Weltmeister im Zentrum von Oberstdorf, Freund stand auf der Bühne und grinste breit.

„Das macht Lust auf mehr. Jetzt werde ich noch mehr geben“, sagte der 27-Jährige, auf dem am Dienstag beim Auftakt der 64. Vierschanzentournee die Hoffnungen der deutschen Fans ruhen. „Es ist eine schöne Position, wenn andere einen zu den Favoriten zählen“, sagte Freund. Bei der Tournee-Eröffnung auf dem Prinzregentenplatz erhielt der Niederbayer den mit Abstand größten Beifall. Die Botschaft war eindeutig: 14 Jahre nach Sven Hannawalds „Grand Slam“ dürstet Skisprung-Deutschland nach einem Nachfolger für „Hanni“. Und die Zeit scheint reif für „Sevi“ Freund.

„Severin ist neben Peter Prevc sicher der Favorit. Er ist gut drauf, hatte einen hervorragenden Saisonstart und eine Top-Vorbereitung“, sagt auch Bundestrainer Werner Schuster. Der Österreicher zeigte sich kurz vor dem Auftakt bestens gelaunt und erfolgshungrig. Wann er von einer guten Tournee sprechen würde, wurde Schuster auf der Bühne gefragt. Seine Antwort: „Wenn wir sie gewinnen.“

Für Freund wäre der ersehnte Tournee-Triumph der Lohn für einen geduldigen Weg in die Weltspitze. Denn im Vergleich zu Stars wie Gregor Schlierenzauer oder Matti Nykänen war Freund ein Spätstarter. „Bis 2010 war er im hinteren Drittel der Leistungsstärke. Er war mein Testpilot beim Material“, erinnert sich Schuster: „Aber er hat akribisch gearbeitet. Heute ist er auf und neben der Schanze ein toller Athlet.“

Als Belohnung gibt es seit zwei Jahren Medaillen in Serie: 2014 zunächst Olympia-Gold mit dem Team, dann Gold bei der Skiflug-WM, 2015 Doppel-Gold bei der nordischen WM und Triumph im Gesamtweltcup. Nur bei der verflixten Tournee wollte es bislang noch nie klappen. „Ich bleibe aber zuversichtlich, dass es passieren kann und wird“, sagte Freund am Sonntag.

Wie verflixt die vier Schanzen für Freund sind, zeigt die Statistik. Nur bei fünf der aktuellen Weltcup-Anlagen sprang er noch nie aufs Podest: Neben Almaty, das im Februar seine Premiere erlebt, sind dies die Tournee-Generalprobe in Engelberg sowie Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen. Es ist Freunds traditionelle „Tournee-Delle“ - die soll in diesem Jahr möglichst vor Silvester enden.

Freunds größte Herausforderung dürfte auch in diesem Jahr die Umstellung von Oberstdorf auf Garmisch werden. „Die Olympia-Schanze ist knifflig, Severin hat da am meisten Schwierigkeiten“, sagt Schuster über den ungewöhnlichen Radius der Anlage. Freund hofft daher, „schon am Trainingstag voll da zu sein“.

Zunächst aber gilt es, die Herausforderung im Hexenkessel von Oberstdorf zu meistern. Im Sommer hat das deutsche Team die Tournee simuliert, ist auf allen vier Schanzen gesprungen. „Aber natürlich ist das Ganze nur bedingt trainierbar. Wir konnten leider keine 15. 000 Freiwillige finden, die sich an die Schanze stellen“, sagt Schuster. Immerhin: Am Ende hieß der Sieger Severin Freund.

sid

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